Endgültig

Huawei darf sich nicht am 5G-Ausbau in Großbritannien beteiligen

Schlechte Nachrichten für Huawei: Der chinesische Konzern wird vom 5G-Ausbau in Großbritannien ausgeschlossen. Die Kehrtwende bedeutet voraussichtlich einen Rückschlag für den Ausbau des 5G-Netzes in Großbritannien.

Jörg Schamberg, 14.07.2020, 15:26 Uhr (Quelle: DPA)
5G© Piotr Adamowicz / Fotolia.com

Der chinesische Technologiekonzern Huawei soll nun endgültig nicht am Ausbau des superschnellen 5G-Mobilfunknetzes in Großbritannien beteiligt werden. Das teilte der zuständige britische Minister Oliver Dowden am Dienstag im Parlament in London mit.

Verkauf von Huawei Netzwerkkomponenten ab Ende 2020 verboten

Der Kauf von Huawei-Komponenten für Netzwerkanbieter in Großbritannien soll demnach von Ende dieses Jahres an verboten sein. Bereits verbaute Teile sollen bis 2027 entfernt werden, so Dowden. Noch Anfang des Jahres hatte die Regierung von Premierminister Boris Johnson eine Beteiligung Huaweis zumindest teilweise erlaubt. Erwartet wird, dass der Ausbau des 5G-Netzes in Großbritannien durch die Kehrtwende nun um Jahre zurückgeworfen wird.

Grund für den Schritt sind nach Angaben der Regierung neben Sicherheitsbedenken auch die Folgen der kürzlich verhängten US-Sanktionen gegen Huwawei. Washington versucht seit Monaten, Druck auf seine Partner auszuüben, Huawei vom Ausbau seiner 5G-Netze auszuschließen. Großbritannien hofft auf ein lukratives Handelsabkommen mit den USA nach dem Austritt aus der Europäischen Union. Ein Streit um Huawei hätte die Verhandlungen erheblich belasten können.

Doch auch mit China hofften die Briten nach dem Brexit auf ein erhöhtes Handelsvolumen. Doch die Beziehungen mit Peking sind derzeit durch den Streit um das von China eingeführte Sicherheitsgesetz in der ehemaligen britischen Kronkolonie Hongkong ohnehin erheblich angespannt.

Huawei enttäuscht über britische Entscheidung

Huawei in Großbritannien zeigte sich enttäuscht. Die Entscheidung drohe, das Land "auf die digitale Schleichspur zu führen, Mobilfunkdienste teurer zu machen und die digitale Ungerechtigkeit zu vertiefen", so das Unternehmen. "Unsere Zukunft in Großbritannien ist leider politisiert worden, es geht um US-Handelspolitik, nicht um Sicherheit", hieß es in der Huawei-Mitteilung.

Arun Bansal, Ericsson-Chef für Europa und Lateinamerika, begrüßte den Schritt hingegen. "Die heutige Entscheidung beseitigt die Unsicherheit, die Investitionsentscheidungen im Zusammenhang mit der Einführung von 5G in Großbritannien verlangsamt hat", so Bansal. Ericsson verfüge über die Technologie, die Erfahrung und die Lieferkettenkapazität, um ein weltweit führendes 5G-Netz zu schaffen.

4G-Anlagen von Huawei müssen bei 5G-Aufrüstung entfernt werden

Der Kurswechsel der britischen Regierung kommt die Mobilfunk-Provider des Landes teuer zu stehen. Da die vierte Mobilfunkgeneration 4G (LTE) und 5G technisch aufeinander aufbauen, hätte bereits vorhandene LTE-Technik von Huawei vergleichsweise einfach auf 5G aufgerüstet werden können. Wenn man im 5G-Netz Huawei jedoch als Anbieter ausschließt, müssen auch die 4G-Anlagen der Chinesen im Rahmen der 5G-Aufrüstung entfernt werden, obwohl die eigentlich noch voll funktionsfähig sind. Daher wehren sich auch die Provider in Deutschland dagegen, Huawei aus dem Kreis der Wettbewerber zu verbannen. Allerdings verwenden weder die Telekom noch Vodafone und Telefónica Huawei in ihren Kernnetzen.

Günstige Handytarife finden
Kommentieren Forum

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Zum Seitenanfang