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HSDPA: Datenturbo für UMTS-Verbindungen

Mit HSDPA soll über Handys und Notebookkarten künftig mit bis zu 7,2 Mbit/s im Internet gesurft werden können. Wir verraten, was HSDPA genau ist und was die Zukunft bringen wird.

28.02.2006, 18:16 Uhr
CeBIT© CeBIT

Wenn es darum geht, neue Umsatzquellen zu erschließen, setzen die vier großen Mobilfunkanbieter Deutschlands zunehmend auf mobile Datendienste. Großes Manko: wer über ein Handy beziehungsweise eine Notebook-Karte im Internet surfen oder seine E-Mails abrufen möchte, muss nicht nur vergleichsweise viel zahlen, wirklich schnell sind die Online-Verbindungen auch nicht. Mit dem neuen Datenturbo HSDPA, der in Deutschland zur CeBIT in die Massenvermarktung startet, soll sich das ändern. HSDPA steht für High Speed Downlink Packet Access und soll langfristig Übertragungsraten von bis zu 7,2 Mbit/s möglich machen.
Ein langer Weg
Unterwegs online zu gehen ist entweder an WLAN-Hotspots möglich oder über die vier deutschen Mobilfunknetze, bei denen zwischen GPRS- (General Packet Radio Service), UMTS- (Universal Mobile Telecommunications System) und künftig HSDPA-Verbindungen unterschieden werden muss. Während GPRS maximale Übertragungsraten von 54,4 kbit/s erreicht, brachte die Einführung von UMTS immerhin eine Beschleunigung auf 384 kbit/s.
Noch schneller soll es mit HSDPA gehen. Diese neue Technik baut auf dem UMTS-Standard auf und soll mobile Datenverbindungen schrittweise spürbar beschleunigen. Zunächst werden überall dort, wo ein UMTS-Netz verfügbar ist, Geschwindigkeiten von bis zu 1,8 Mbit/s im Downstream realisiert. Voraussichtlich im Jahr 2007 soll die Geschwindigkeit auf 3,6 Mbit/s gesteigert werden, für circa 2009 ist schließlich der finale Schritt auf 7,2 Mbit/s geplant. Theoretisch sind mit HSDPA sogar bis zu 14,4 Mbit/s im Downstream möglich.
Schneller Upload
Doch nicht nur das Herunterladen von Dateien aus dem Internet wird bschleunigt, mit HSDPA wird auch der Datenversand schneller. Das ist für Geschäftskunden wichtig, die E-Mails mit größeren Anhängen verschicken oder größere Datenmengen auf einen Server übertragen müssen. Im so genannten Upstream wird mit der Einführung von HSDPA die Übertragungsrate auf bis zu 384 kBit/s gesteigert. Bei einfachen UMTS-Verbindungen sind bisher maximal 64 kBit/s möglich.
Voraussichtlich ab 2007 wird zudem mit HSUPA (High Speed Uplink Packet Access) ein neuer Standard eingeführt, der auch den Upstream zu einem regelrechten Datenturbo machen soll. In einer ersten Stufe soll HSUPA den Upstream auf 1 Mbit/s beschleunigen, theoretisch sind bis zu 5,76 Mbit/s möglich.
Neben schnelleren Datenraten wird HSDPA auch dafür sorgen, dass alle Nutzer, die gleichzeitig auf eine UMTS-Zelle zugreifen, besser organisiert werden. Das bedeutet, dass künftig mehr Teilnehmer gleichzeitig mit hohen Datenraten online gehen können. Mehr Tempo gibt es auch bei den so genannten Roundtrip-Zeiten, die für schnelle Antwortzeiten von Servern wesentlich sind. Waren bei UMTS-Verbindungen 400 Millisekunden üblich, sollen es bei HSDPA-Verbindungen nur noch 100 Millisekunden sein.
Neue Technik
Netzbetreiber, die HSDPA einführen möchten, müssen ihre modernsten Basisstationen mit neuer Software und ältere Modelle mit zusätzlicher Hardware in Form von Steckkarten ausstatten. Der Hardwareaustausch ist meist ohne Probleme möglich, da die vorhandene Technik für derartige Erweiterungen bereits ausgelegt ist. Software-Updates werden häufig nachts durchgeführt, sodass der Mobilfunkkunde hiervon überhaupt nichts mitbekommt.
Für den Endkunden ändert sich mit der HSDPA-Einführung kaum etwas. Voraussetzung zur Nutzung des Datenturbos ist allerdings, dass die Notebook-Karte oder das Handy HSDPA-fähig ist. Entsprechend vorkonfigurierte UMTS-Notebookkarten sind bereits im Handel erhältlich; sie können per Software-Update, das der Nutzer selbst durchführen kann, auf HSDPA-Standard gebracht werden. Sobald die neue Übertragungstechnik in die Massenvermarktung startet, wird es auch fertig vorkonfigurierte Karten im Handel geben. Erste HSDPA-Handys sind für das zweite Quartal 2006 angekündigt.
Noch schneller: Super 3G
Auch wenn sich die Mobilfunkbranche derzeit schon sehr auf HSDPA freut, ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Zwischen 2009 und 2012 ist mit der Einführung eines weiteren Standards zu rechnen, der in der Branche den markanten Namen "Super 3G" trägt. In den Köpfen der Entwickler geistert die Idee, Übertragungsraten von bis zu 100 Mbit/s im Downstream zu ermöglichen. In der umgekehrten Richtung, also vom Endgerät zur Basisstation im Uplink, sollen bis zu 50 Mbit/s realisiert werden.
Mit "Super 3G" wird die UMTS-Evolution, die mit den Einführungen von HSDPA und HSUPA beginnen und fortgesetzt wird, konsequent weitergeführt. Sicher ist, dass im UMTS-Standard mit seinen Datenbeschleunigern viel Potenzial schlummert, das es auszuschöpfen gilt, bevor etwa im Jahr 2014 die vierte Mobilfunkgeneration (4G) eingeführt werden soll.

(Hayo Lücke)

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