Vodafone als Netzbetreiber

Highspeed in Eigeninitiative: Icking baut eigenes Glasfasernetz

Schnelles Internet in ländlichen Regionen ist realisierbar. Die oberbayerische Gemeinde Icking zeigt, wie Highspeed-Internet in die Kommune Einzug halten soll: Icking baut das Glasfasernetz selbst, Pächter und Netzbetreiber wird Vodafone.

DorfAuch ländliche Kommunen können Highspeed-Internet per Glasfasernetz realisieren. (Symbolbild)© mirpic / Fotolia.com

München – Die südwestlich von München gelegene oberbayerische Gemeinde Icking will nicht länger darauf warten, dass ein großer Telekommunikationsanbieter die Kommune mit schnellem Internet versorgt. Wie das Online-Portal des Münchener "Merkur" berichtet, wird die rund 3.600 Einwohner zählende Gemeinde stattdessen selbst ein eigenes Glasfasernetz errichten, die Baukosten sollen bei 6,6 Millionen Euro liegen. Betrieben werde das Netz nach Fertigstellung dann jedoch von Vodafone (www.vodafone.de/dsl). Der Düsseldorfer DSL-Anbieter und Kabelnetzbetreiber will das Glasfasernetz pachten. Ein entsprechender Vertrag wurde kürzlich von der Gemeinde und von Vodafone unterzeichnet.

Glasfaseranschlüsse per FTTB für alle Ortsteile

Nach Angaben von Bürgermeisterin Margit Menrad habe es bis zum Startschuss für den Bau eines eigenen Glasfasernetzes rund vier Jahre gedauert. Dem erfolgreichen Abschluss eines Kooperationsvertrages mit Vodafone seien Planungen, Ausschreibungsverfahren und Verhandlungen vorausgegangen. Im Herbst 2012 hatte die Unabhängige Bürgerliste Icking den Ball ins Rollen gebracht, indem sie den Bau eines Breitbandnetzes für alle Ickinger Ortsteile beantragt hatte.

Das Glasfasernetz in Icking werde auf Basis von Fibre To The Building (FTTB) gebaut, die Glasfaserleitungen sollen bis in die Häuser verlegt werden. Damit der Glasfaserausbau aber überhaupt starten konnte, sollten laut Forderung des Gemeinderates mindestens 700 Haushalte einen Vorvertrag für einen Glasfaseranschluss abschließen. Mittlerweile hätten sich sogar bereits 900 Haushalte für einen solchen Highspeed-Anschluss entschieden. Das würde einen Anschluss von zwei Dritteln der Haushalte in Icking bedeuten.

Vorteil für die Haushalte, die sich bereits festgelegt haben: Die Verlegung des Glasfaseranschlusses bis ins Haus erfolgt für sie kostenlos. Wer sich erst während der Bauphase für Glasfaser entscheidet, muss 360 Euro zahlen. Später werde es dann noch teurer: Die Kosten für die Verbindung von der Straße bis zum Haus müsse der künftige Kunde dann selbst übernehmen.

Vodafone will Bandbreiten von mindestens 100 Mbit/s bieten

Ursprünglich hatte die Gemeinde Baukosten von 4,8 Millionen Euro eingeplant, inzwischen geht die Kommune von 6,6 Millionen Euro aus. Das liege unter anderem auch daran, dass alle Ortsteile angeschlossen werden sollen. Die Amortisierung der Baukosten werde etwa in 34 Jahren erreicht. Vodafone will die Haushalte in Icking mindestens mit Bandbreiten von 100 Mbit/s versorgen, perspektivisch seien aber auch 400 Mbit/s realisierbar.

Erste Anschlüsse im Ortsteil Dorfen seien schon gelegt worden, noch 2016 werde auch in Irschenhausen mit dem Glasfaserausbau begonnen. Das Highspeed-Netz könne in Dorfen bereits ab Frühjahr 2017 genutzt werden. Das komplette Glasfasernetz in Icking werde voraussichtlich im Sommer 2018 fertiggestellt.

Das Beispiel Icking zeigt: Ländliche Kommunen können durchaus relativ zügig einen Highspeed-Internetanschluss erhalten. Es erfordert allerdings viel Eigeninitiative und Planung. Auch ein langer Atem im Hinblick auf die Amortisierung der Kosten ist gefragt. Und auch die Einwohner müssen mit an einem Strang ziehen und sich aktiv für einen schnellen Glasfaseranschluss entscheiden.

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Jörg Schamberg

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