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Hewlett-Packard schluckt Netzwerk-Spezialist 3Com

Der weltgrößte PC-Hersteller will den amerikanischen Netzwerkausrüster 3Com übernehmen und damit gegen den Branchenprimus Cisco antreten.

12.11.2009, 14:16 Uhr (Quelle: DPA)
Internet© Daniel Fleck / Fotolia.com

Der PC-Hersteller Hewlett-Packard (HP) will seine Netzwerksparte mit der Übernahme des US-Konzerns 3Com stärken. Experten bewerten den 2,7 Milliarden Dollar (1,8 Milliarden Euro) teuren Kauf als Angriff auf den Konkurrenten Cisco, den Marktführer im Netzwerk-Geschäft. Die Verwaltungsräte hätten sich bereits geeinigt, teilten die Unternehmen am Mittwoch mit. Nach einem unerwartet guten Schlussquartal rechnet HP nun zudem für das neue Geschäftsjahr mit mehr Gewinn und Umsatz als bisher.
Nummer zwei hinter Cisco
Für HP ist es einer der teuersten Zukäufe in der Firmengeschichte. Durch die Übernahme des Netzwerk-Spezialisten aus dem US-Staat Massachusetts steigt der weltgrößte Hersteller von Computern zur weltweiten Nummer zwei in dieser Sparte auf. Das Netzwerkgeschäft gilt als Wachstumsmarkt, weil der globale Datenverkehr ständig zunimmt. 3Com verkauft Router und Schaltstellen (Switches), die heute praktisch jedes größere Unternehmen einsetzt.
Nach den Aufsichtsgremien der Konzerne müssen noch die Aktionäre und die Wettbewerbshüter dem Geschäft zustimmen. Die Anteilseigner von 3Com sollen je Aktie 7,90 Dollar in bar erhalten. Der Kurs notierte vor der Bekanntgabe zuletzt bei rund 5,70 Dollar. Nachbörslich stieg er nicht ganz bis auf den Angebotspreis. Das HP-Papier kam nach Börsenschluss leicht unter Druck.
3Com kam zuletzt auf einen Jahresumsatz von rund 1,3 Milliarden Dollar, rund die Hälfte davon stammte aus dem China-Geschäft. Marktführer Cisco erzielte mit seiner Netzwerk-Technik rund 36 Milliarden Dollar an Jahreseinnahmen - allerdings mit einer viel breiteren Produktpalette.
Service und Software
Immer mehr Hardware-Hersteller expandieren in neue Geschäftsfelder wie Service, Software und Technologie. Hier sind höhere Gewinnmargen zu erzielen. In diesem Jahr übernahm zum Beispiel HP-Rivale Dell den IT-Dienstleister Perot Systems, Xerox kaufte Affiliated Computer Systems (ACS). HP hatte sich im vergangenen Jahr den Dienstleister EDS einverleibt.
"Der Fokus hat sich weg von der Hardware hin zur Software verschoben", sagte Rüdiger Spieß, Analyst beim Marktforscher IDC, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Gerade Dienstleistungen über das Internet - zusammengefasst unter dem Begriff Cloud Computing - seien auf dem Vormarsch. Der Deal sei für beide Seiten von Vorteil: "3Com hat nicht mehr die alte Stärke. Cisco hat dem Unternehmen schwer zugesetzt."
Übernahme in der ersten Hälfte 2010
Mit seinen vorläufigen Zahlen zum vierten Geschäftsquartal macht HP der IT-Branche weitere Hoffnung auf Erholung. Der Konzern erwartet für das bis Ende Oktober laufende Geschäftsjahr nun einen Umsatz von bis zu 119 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll zwischen 4,25 und 4,35 Dollar liegen. Bislang rechnete HP höchstens mit 3,70 Dollar. 3Com ist darin nicht eingerechnet. Die Übernahme soll in der ersten Hälfte 2010 vollzogen werden.
Im vierten Geschäftsquartal konnte HP trotz teils rückläufiger Zahlen die Expertenerwartungen übertreffen. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg von 1,03 Dollar auf 1,14 Dollar. Der Umsatz fiel dagegen im Vergleich zum Vorjahresquartal um acht Prozent auf 30,8 Milliarden Dollar. Besonders das Geschäft in China sei deutlich gewachsen, sagte HP-Chef Mark Hurd. Endgültige Zahlen für das vierte Geschäftsquartal will HP am 23. November vorlegen.

(Michael Posdziech)

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