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Heißer Frühling: Frequenzauktion soll Milliarden bringen

Gibt es einen Superhype wie bei der UMTS-Versteigerung zur Jahrtausendwende - oder fällt das Hauen und Stechen um das 270 Megahertz Frequenz-Paket eher bescheiden aus? Analysten rätseln, wer im Mai in Mainz das Rennen macht - dem Staat winken wieder Milliarden-Einnahmen.

02.02.2015, 19:01 Uhr
Handy Telefonat© Yuri Arcurs / Fotolia.com

Den deutschen Mobilfunkplatzhirschen steht ein heißes Frühjahr bevor: Ende Mai / Anfang Juni soll der High Noon der nächsten Frequenzauktion erfolgen. Unter den Hammer kommt ein Paket von 270 Megahertz. In einer Kaserne in Mainz werden die Kontrahenten Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica aufeinandertreffen wie vor fünf Jahren und bieten, was das Zeug hält. Denn wer jetzt zuschlägt, hat möglicherweise die Hand auf dem Wachstumsmarkt Internet. Für den Bund heißt das: Millionen kassieren, um den flächendeckenden Breitbandausbau voranzutreiben. Denn der ist die Katze im Sack, die der Meistbietende für seinen Marktvorteil mit einkauft.

Vor fünf Jahren flossen 4,4 Milliarden Euro

Der Markt giert nach Frequenzen, denn sie sind ein knappes Gut und überlebenswichtig für die Branche, zumal die aktuell verfügbaren wegen des Hypes um Smartphones und Tablet-Computern bald an ihre Grenzen stoßen. Und der Tablet-Boom ist erst der Anfang: Analysten sind sich einig, dass in Kürze fast jedes technische Gerät vom Haushalt bis zum Auto ständig mit dem Internet verbunden sein wird - ein Trend, der auf der diesjährigen Consumer Electronics Show in Las Vegas bereits deutliche Spuren hinterließ. Folglich steigen die Anforderungen an die Netze.

Der Bund versteigert die Nutzungsrechte meist für 20 Jahre und macht entsprechend Kasse. Bei der letzten Versteigerung vor fünf Jahren legten Telekom, Vodafone, E-Plus und Telefonica zusammen 4,4 Milliarden Euro auf den Tisch. Diesmal sind nur noch drei Anbieter am Start, da o2 den Konkurrenten E-Plus übernommen hat. Damals ging es um 360 Megahertz - mit 270 Megahertz ist diesmal weniger Spektrum im Angebot.

Analystin: Mega-Hype eher unwahrscheinlich

Der österreichischen Tageszeitung "Der Standard" zufolge rechnet Analystin Heike Pauls von der Commerzbank damit, dass der Hammer bei etwa 4,5 Milliarden Euro fällt. Überraschungen seien möglich, wenn die Platzhirsche versuchen, ihren Kuchen vor den Raubzähnen der Konkurrenz zu schützen - eine Eskalation wie bei der legendären UMTS-Auktion im Jahre 2000 sei jedoch nicht anzunehmen. Auf dem Höhepunkt des Internethypes waren seinerzeit 50 Milliarden Euro ins Staatssäckel geflossen.

Unter den Hammer kommen Mobilfunkfrequenzen, deren Laufzeit demnächst endet, sowie Rundfunkfrequenzen, die durch die Umstellung auf die Digitaltechnik frei werden. Die Erlöse aus der Auktion werden je zur Hälfte auf Bund und Länder verteilt.

Auflage der Bundesnetzagentur: Die erfolgreichen Bieter müssen die "Beute" nutzen, um bis Ende des Jahrzehnts das schnelle Internet für jedermann vorwärts zu bringen. Ziel ist eine flächendeckende Breitbandversorgung von mindestens 97 Prozent der Haushalte in jedem Bundesland, so Joachim Pfeifer, Vorsitzender der Bundesnetzagentur anlässlich des Auktionsbeschlusses. Allen Bundesbürgern solle überall im Land ein hochleistungsfähiges Internet angeboten werden. Außerdem sollten Hauptverkehrswege wie Autobahnen und Bahnstrecken versorgt werden - "soweit dies rechtlich und tatsächlich möglich ist".

(Dorothee Monreal)

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