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Hegensdorf: DSL-Grabungen in Eigeninitiative

Wenn die Telekom nicht zu uns gräbt, graben wir uns eben zur Telekom. Frei nach diesem Motto wird im ostwestfälischen Hegensdorf in Eigeninitiative eine Trasse zum DSL-Backbone der Deutschen Telekom gegraben.

DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com
Über eine schnelle DSL-Leitung im Internet zu surfen, ist für einen Großteil der deutschen Bevölkerung inzwischen so normal, wie mit dem Handy zu telefonieren. Noch immer gibt es aber einzelne Regionen, meist in ländlichen Gebieten, die im Abseits stehen und auf keine DSL-Leitung zugreifen können. Ursache: In vielen Fällen liegen die betroffenen Anschlüsse zu weit vom nächsten Knotenpunkt des Telekom-Backbones entfernt.

Kein DSL

Das trifft auch auf die Gemeinde Hegensdorf in Ostwestfalen zu. Doch statt den Kopf in den Sand zu stecken, zeigt man sich dort erfrischend offensiv und greift selbst zu Schaufel und Bagger, um doch an das DSL-Netz der Deutschen Telekom angeschlossen zu werden.

Ein Blick zurück: Trotz zahlreicher Anfragen hatte sich die Telekom bisher aus wirtschaftlichen Gründen geweigert, die Gemeinde mit ihren knapp 1000 Einwohnern und gut 300 Telefonanschlüssen an das DSL-Netz anzuschließen. "Wir haben eine Wirtschaftlichkeitsberechnung aufgestellt und kamen zu dem Schluss, dass aufgrund der geografischen Lage ein Anschluss nicht rentabel ist", so eine Telekom-Sprecherin im Gespräch mit unserer Redaktion. Das Gelände sei "sehr hügelig und steinig", was das Vorhaben zudem erschwere.

Einige Rechenspiele

Sollten die geografischen Gegebenheiten also das Ende für die DSL-Pläne der Gemeinde südwestlich von Paderborn sein? Mitnichten! Angetrieben durch Initiator Frank Pittig wurde eine Bürgerbewegung gegründet, um doch auf den Breitbandzug aufspringen zu können. Pittig stellte den Antrag, eine weitere Berechnung aufzustellen: "unter Auslassung der Tiefbauarbeiten", wie es bei der Telekom heißt. Bei der Telekom rechnete man nach und kam auf einen Betrag von 30.000 Euro statt der ursprünglich kalkulierten 40.000 Euro. Die neue Berechnung sorgte in Hegensdorf für eine Art Aufbruchstimmung. Es wurde eine Initiative gegründet, um die anfallenden Kosten in Höhe von 10.000 Euro für Grabungen und Schachtarbeiten in Eigenregie zu übernehmen. Frei nach dem Motto: Wenn die Telekom nicht zu uns gräbt, graben wir uns eben zur Telekom.

Rauf auf die Bagger

Von der Ankündigung beflügelt, möglicherweise schon bald schnell im Internet surfen zu können, beteiligten sich nicht nur viele freiwillige Helfer an dem Projekt. "Die Gemeinde kann auf die Hilfe einer ortsansässigen Baufirma zählen", heißt es seitens der Telekom. Die Firma stellt nicht nur das notwendige Baugerät zur Verfügung, sondern auch Personal. Von der Telekom gibt es ferner die notwendigen Leerrohre.

Das große Glück der eifrigen Bewohner: das schnelle Glasfaserkabel der Telekom, das Zugang zum DSL-Netz gewährt, verläuft zwar nicht direkt durch Hegensdorf, allerdings unmittelbar an der Gemeinde vorbei. Um es anzapfen zu können, muss über eine Strecke von 1300 Metern ein Leerrohr verlegt werden. Über eine Vermittlungsstelle kann das DSL-Signal anschließend per Kupferkabel an die Telefonanschlüsse in Hegensdorf vermittelt werden.

DSL als Weihnachtsgeschenk

Bleibt die Frage, wann schnelle Internet-Verbindungen in Hegensdorf möglich sein werden? "Die Grabungen sollen in vier Wochen abgeschlossen sein", so die Telekom-Sprecherin. Es bliebe aber noch abzuwarten, ob dieses Ziel zu erreichen sei. So müssten eine öffentliche Straße unterbuddelt und recht steile Abhänge überwunden werden.

Sind die Grabungen abgeschlossen, müsse die Trasse noch baufachlich abgenommen werden. Erst dann und nach diversen zu unterzeichnenden Verträgen werde die Telekom mit ihren Arbeiten beginnen, die rund drei Monate dauern sollen. "Spätestens Weihnachten" soll es in Hegensdorf schnelle Breitband-Zugänge geben, so die Telekom. Ein schönes Geschenk – das sich die Hegensdorfer selbst zu verdanken haben.

(Hayo Lücke)

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