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Handys längst nicht mehr nur Telefone

Mobiles telefonieren ist längst nicht mehr alles, was moderne Handys zu bieten haben. Die kleinen Begleiter werden multimedial, doch werden ihre Fähigkeiten noch kaum genutzt.

09.12.2006, 17:01 Uhr
Smartphone© goodluz / Fotolia.com

Mobiles telefonieren ist längst nicht mehr alles, was moderne Handys zu bieten haben. Die kleinen Begleiter werden multimedial, und doch werden ihre Fähigkeiten noch kaum genutzt. Der Studie "Global Tech Insight 2006" (GTI) der Marktforscher von TNS Infratest zufolge sind insbesondere die Deutschen eher verhalten, wenn es um die Nutzung innovativer Handyfunktionen geht. Eine Umfrage des eco Verbandes der deutschen Internetwirtschaft ergab jedoch, dass schon in naher Zukunft die Mobiltelefone immer mehr Funktionen im Zusammenhang mit dem Medienkonsum übernehmen werden.
Deutsche noch Handy-Muffel
Die GTI-Studie wurde von TNS Infratest zum zweiten Mal durchgeführt und untersucht das Nutzerverhalten und das Interesse an mobilen Inhalten auf dem Handy in weltweit 29 Ländern. Für die Studie wurden insgesamt 16.000 Mobilfunk-Nutzer im Alter von 16 bis 49 Jahren befragt. Das Ergebnis: Die Nutzung von Handyfunktionen ist in Deutschland durchschnittlich, ein Interesse an mobilen Inhalten ist jedoch vorhanden. Zwar werden Handys heutzutage mehr und mehr zu mobilen Büros, Spielzeugen oder Musik-Playern, im weltweiten Vergleich sind es aber die Asiaten, die den verschiedenen Handyfunktionen gegenüber aufgeschlossen sind und sie auch regelmäßig verwenden.
Zusatzfunktionen oft ungenutzt
Hierzulande werden gerade mal durchschnittliche 4,7 Funktionen eines Handys genutzt, in Hongkong sind es hingegen 7,7 Funktionen. Selbst die Italiener und Briten sind den Deutschen mit 6,3 beziehungsweise 6 Funktionen voraus. SMS ist in Deutschland mit 81 Prozent regelmäßigen Schreibern immer noch die beliebteste Anwendung. Auch integrierte Kameras werden hierzulande schon von 29 Prozent regelmäßig eingesetzt – gegenüber 58 Prozent der Koreaner ist das allerdings immer noch wenig.
Immerhin 16 Prozent der deutschen Befragten spielen gern am Handy. Handy-Videokameras werden hingegen nur von acht Prozent genutzt. MMS-Fotos versenden lediglich zehn Prozent mindestens ein Mal wöchentlich, was unter dem westeuropäischen Durchschnittswert von 16 Prozent liegt. Noch seltener sind MS Office und Mobile TV verbreitet. Nur zwei Prozent sehen regelmäßig auf dem Handydisplay fern, dagegen ist China mit zwölf Prozent Spitzenreiter. In Sachen E-Mail Versand per Handy und mobilem Internet sind die Japaner mit 77 beziehungsweise 45 Prozent absolute Spitzenreiter. In Deutschland finden diese Funktionen nur bei zehn beziehungsweise neun Prozent der Handy-Nutzer Anklang. Musik laden sich hierzulande erst vier Prozent auf ihr Handy, in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien gehört diese Funktion schon für 42 Prozent zum Alltag. Deutschland liegt also laut TNS Infratest bei der Nutzung von Zusatzfunktionen der Handys weit entfernt von den weltweiten Spitzenreitern in asiatischen Ländern. Das Potenzial für mobile Inhalte sei dennoch auch hierzulande vorhanden, meinen die Marktforscher. Vor allem Internet-Anwendungen und Klingelton-Downloads stoßen auf breites Interesse. Viele der neuen Funktionen werden aber erst durch eine schnelle Internetverbindung attraktiv. Die UMTS-Nutzung ist allerdings in Deutschland mit acht Prozent bislang noch nicht weit verbreitet.
Preis als Hemmschuh
Auch verhindern in Deutschland nach Meinung der Marktforscher vor allem mangelnder Bedarf und der Preis die regelmäßige Nutzung mobiler Inhalte. "Allerdings kann durch preislich attraktive Angebote auch die Nutzungsintensität von beispielsweise Echtzeit-TV oder Spiele-Downloads erhöht werden, da diese Anwendungen bereits jetzt auf das Interesse der Kunden stoßen. Immerhin können sich schon heute zehn Prozent der Deutschen die Nutzung von Echtzeit-TV in Zukunft vorstellen", erklärt Robert Wieland, Geschäftsführer der TNS Infratest GmbH.
Somit könnten die 60 Experten, die vom eco Verband der deutschen Internetwirtschaft befragt wurden, mit ihrer Einschätzung Recht behalten, dass in naher Zukunft immer mehr Handys für den Nutzer zu Multimedia-Centern werden. Immerhin 15 Prozent der Fachleute gehen davon aus, dass das Mobiltelefon demnächst häufig zur Flimmerkiste für unterwegs wird, 69 Prozent gehen von einer gelegentlichen Nutzung aus. Bei der Frage der Inhalte spielen den Fachleuten zufolge Nachrichten die Hauptrolle: "So gut wie alle Verbraucher würden Informationen über das Tagesgeschehen und das Wetter auf ihrem Handy abrufen. Knapp achtzig Prozent werden diese Inhalte sogar häufig nutzen", so Dr. Bettina Horster, Vorstand der Vivai AG und Leiterin des Arbeitskreises M-Commerce bei eco.
Nachrichten und Sport mobil
An zweiter Stelle in der Gunst der Medienkonsumenten sehen die Befragten die Berichterstattung über Sportergebnisse, insbesondere zum Thema Fußball. Knapp die Hälfte geht davon aus, dass solche Inhalte häufig abgerufen werden, weitere 44 Prozent gehen von einer gelegentlichen Nutzung aus. Allerdings seien wohl kurze Zusammenfassungen eher interessant, als dass ganze Fußballspiele auf dem kleinen Display geschaut würden, so Horster weiter. Auch Musikvideos liegen voll im Trend, zumindest meinen dies 90 Prozent der befragten Experten. Kaum eine Rolle werden hingegen Spielfilme, Serien und Dokumentationen spielen.
Der regelmäßige Download von Inhalten per Handy soll laut 77 Prozent der Fachleute auch weiterhin von großem Interesse sein. Auch die Weitergabe von Content an andere Personen wird, nicht zuletzt durch die hohe Verbreitung von Bluetooth, stark zunehmen. Eine echte Neuerung wird künftig die sofortige Interaktion über verschiedene Kanäle bieten. So birgt den Experten zufolge die Teilnahme an Quizsendungen per Handy ein ganz neues Marktpotenzial.

(Aleksandra Leon)

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