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Handy und SMS als Erfolgsrezept im Wahlkampf

In Afrika haben nicht einmal sechs Prozent der Bevölkerung einen Internetzugang. Dafür hat jeder zweite Erwachsene ein Handy. Dies wird auch intensiv für Wahlkämpfe genutzt.

22.03.2009, 08:31 Uhr (Quelle: DPA)
Handy Telefonat© Yuri Arcurs / Fotolia.com

Dass Wahlkämpfe im 21. Jahrhundert auch über das Internet ausgetragen werden, ist spätestens seit der erfolgreichen Online-Kampagne von US-Präsident Barack Obama eine Binsenweisheit. Weniger bekannt ist, dass neue Medien auch in Wahlkämpfen in Schwellen- und Entwicklungsländern eine immer bedeutendere Rolle spielen. Dort, wo der einfache Zugang zum Internet eine Seltenheit ist, werden Wahlen mit dem Handy entschieden, war am Donnerstag auf der Medienkonferenz "Wahlkampf im Netz" in Berlin zu erfahren.
Afrika digital: Handy statt Internet
Während weltweit fast jeder Vierte online ist, sind es in Afrika nach Angaben des Medien- wissenschaftlers Harry Dugmore von der Rhodes Universität in Südafrika nicht einmal sechs Prozent der Bevölkerung. Dafür hat jeder zweite Erwachsene ein Handy. "Das Mobiltelefon ist das wichtigste digitale Werkzeug für Afrika", berichtete Dugmore. Bei der Präsidentenwahl in Ghana Ende vergangenen Jahres waren demnach Handy-Kurznachrichten der Kandidaten an die Wähler eines der beliebtesten Wahlkampf-Instrumente. Neben Werbung für die eigenen Positionen kamen dabei auch bewusst gestreute Fälschungen zum Einsatz.
Stimmenauszählung per SMS
Bei der Beobachtung der Wahl durch Nichtregierungsorganisationen spielten laut Dugmore Handys eine entscheidende Rolle: Die Mitarbeiter schickten die in den einzelnen Dörfern verkündeten Ergebnisse per SMS an eine Zentrale, wo die zusammengerechneten Zahlen dann mit dem offiziellen Wahlergebnis verglichen wurden. Wissenschaftler Dugmore sieht das Handy in afrikanischen Ländern auch als Schlüssel für den Zugang breiter Bevölkerungsschichten zum Internet. Bereits im Jahr 2015, schätzt er, könnten dort alle Mobiltelefone für das Surfen im weltweiten Datennetz ausgerüstet sein.
Die neuen Medien - zu diesem Fazit kommen die Teilnehmer der Konferenz - können zwar auch von Diktatoren eingesetzt werden, um ihre Macht zu festigen. Doch insgesamt überwiegen die Chancen, dass die neuen Technologien die demokratische Entwicklung befördern, indem sie den Wählern eine zusätzliche Stimme zur Meinungsäußerung oder zum Protest verleihen.

(Christian Wolf)

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