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Handy-TV: Notfalls wird DVB-H vorgeschrieben

EU-Medienkommissarin Viviane Reding hat sich in Hannover für einen einheitlichen europäischen Standard beim mobilen Fernsehen ausgesprochen und eine Frist gesetzt.

16.03.2007, 18:39 Uhr
CeBIT© CeBIT

Handy-TV ist ein Zukunftsmarkt. Das betonte nicht nur Bundeswirtschaftsminister Michael Glos gestern in Hannover, sondern heute auch EU-Medienkommissarin Viviane Reding. Doch es gibt ein Problem: Industrie und Politik konnten sich bislang nicht auf einen einheitlichen Übertragungsstandard einigen. Reding sprach sich heute am Rande der Cebit erneut für eine einheitliche Regelung in Europa aus und setzte eine Frist.
Notfalls durchgreifen
Es ist Eile geboten: Bis zu den Olympischen Spielen im Sommer kommenden Jahres sollen sich Mobilfunkanbieter und TV-Sender geeinigt haben. Sonst sehe Reding sich notfalls gezwungen, durchzugreifen und den Standard DVB-H anzuordnen. Dieser sei bereits in 17 von 27 EU-Mitgliedsstaaten auf dem Markt. "Ich bin enttäuscht über die bisherige Entwicklung", sagte Reding. Die Diskussion sei bereits im vergangenen Jahr auf der Cebit aufgenommen worden, dieses Jahr solle endlich eine europäische Strategie auf den Tisch kommen.
Nicht nur 27 verschiedene Standards seien zu viel, sondern bereits zwei. In Deutschland konkurrieren derzeit DVB-H, das von T-Mobile, Vodafone und o2 genutzt wird, und DMB. DMB-Programme werden seit dem vergangenen Jahr von dem Unternehmen Mobiles Fernsehen Deutschland (MFD) unter anderem an simply, debitel und mobilcom vermarktet. MFD besitzt DMB-Sendelizenzen für das gesamte Bundesgebiet.
Reding fordert Entscheidung
"Wenn die EU das mobile Fernsehen zu einer Erfolgsgeschichte machen will, muss sie sich entscheiden", sagte Reding. Die Verbraucher seien nicht daran interessiert, über welchen Standard sie ihr mobiles Fernsehen empfangen, sondern dass es eine gute Qualität und ein breites Angebot gebe.
Reding betonte aber auch, dass neue Märkte nicht überreguliert werden sollten. Das mobile TV sei ganz klar ein solcher Markt. Die EU-Kommissarin unterstrich, Europa könne mit DVB-H ähnlich erfolgreich sein, wie mit GSM. Sie prophezeite für 2011 Umsätze von mehr als acht Milliarden Euro. Auch Bundeswirtschaftsminister Glos sagte allein für Deutschland einen millionenschweren Markt voraus, der zudem neue Arbeitsplätze schaffen soll.
In Italien etwa sei das mobile TV ein Erfolg: Als erstes Land habe Italien mit der kommerziellen Einführung von mobilem Fernsehen begonnen, das unterwegs mit dem Mobiltelefon empfangen wird, und blicke nun auf einen funktionierenden Markt mit 400.000 Kunden. Europa habe eine wirkliche Chance, es müsse sie nur schnell ergreifen.

(Denise Bergfeld)

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