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Handy-Stress: Ständige Erreichbarkeit macht krank

Auch in der Freizeit und im Urlaub sind Arbeitnehmer per Smartphone oder E-Mail ständig erreichbar. Die Erholung kommt zu kurz. Arbeitspsychologe Tim Hagemann warnt im dpa-Gespräch vor einer Zunahme von stressbedingten Krankheiten wie Burn-out, Bluthochdruck oder Depressionen.

16.07.2011, 15:01 Uhr (Quelle: DPA)
Handy Telefonat© Yuri Arcurs / Fotolia.com

Arbeit ist Arbeit und Freizeit ist Freizeit. Das war einmal. Heute verschwimmen die beiden Bereiche auch wegen der modernen Technik immer mehr. Gesund ist das nicht, wie ein Arbeitspsychologe sagt. Viele Arbeitnehmer sind auch in der Freizeit für ihre Firma erreichbar. Im Urlaub oder abends richtig abzuschalten sei aber wichtig für die Gesundheit, sagt Arbeitspsychologe Tim Hagemann von der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Wenn es so weitergehe wie bisher, könnten stressbedingte Krankheiten bei Arbeitnehmern weiter zunehmen.

Wie verändern die modernen Kommunikationstechniken unsere Freizeit?

Hagemann: "Inzwischen haben wir alle Funktionen, die man im Büro hat, auch privat - wie ständige Erreichbarkeit per Telefon und per E-Mail. So können wir unser Büro immer mit dabeihaben. Viele Menschen verwenden ihre Allround-Handys sowohl für private, als auch für berufliche Zwecke. Das führt natürlich dazu, dass Arbeitgeber versuchen, Mitarbeiter auch in ihrer Freizeit oder im Urlaub zu kontaktieren. Die haben dadurch auch selbst das Gefühl, ständig erreichbar sein zu müssen."

Kann das Arbeitnehmern schaden?

Hagemann: "Die Entwicklung führt dazu, dass man in der Freizeit schlecht abschalten kann und gedanklich immer noch in beruflichen Fragestellungen verhaftet ist. Regenerationsphasen sind aber sehr wichtig für unsere Gesundheit. Wenn die in der Freizeit und Urlaubszeit nicht mehr gegeben sind, sehe ich ganz klar die Gefahr, dass Formen von stressbedingten Krankheiten zunehmen - zum Beispiel Bluthochdruck, Burn-out oder Depressionen. Ich sehe momentan keine Gegentendenzen. Es sind auch Formen von Suchtverhalten zu erkennen. Vielen Menschen fällt es zum Beispiel schwer, über längere Zeit ihre E-Mails nicht zu kontrollieren."

Kann das auch persönliche Beziehungen stören oder gar zerstören?

Hagemann: "Ja, auf jeden Fall. Wenn Menschen viel Zeit mit ihren technischen Geräten verbringen, leiden auch die sozialen Kontakte. Ich habe zwar keine Zahlen, wie viele Paare sich deswegen getrennt haben, aber in Paarberatungen ist das ganz klar ein neues Thema. Früher hat man auch, wenn man mit Freunden oder Bekannten essen gegangen ist, natürlich das Handy ausgeschaltet. Da merkt man heute oft, dass die Etikette flöten geht - viele Leute nehmen im Restaurant einfach Telefonanrufe entgegen."

(Jörg Schamberg)

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