Online-Shopping

Häufige Rücksendungen belasten Händler und Umwelt

Jede sechste Online-Bestellung wird wieder zurückgeschickt. Im Jahr 2018 waren das insgesamt 280 Millionen Pakete. Durch die Rücksendungen entstehen Milliardenkosten, die zu höheren Preisen sowie zu mehr CO2-Ausstoß führen.

Melanie Zecher, 29.04.2019, 10:07 Uhr (Quelle: DPA)
Online-Shopping© Denys Prykhodov / Fotolia.com

Bamberg - Die Deutschen bestellen gerne im Internet - und schicken jedes sechste Paket wieder zurück, wie Wirtschaftswissenschaftler der Universität Bamberg ermittelt haben. Im vergangenen Jahr seien 280 Millionen Pakete und 487 Millionen Artikel zurückgesandt worden. "Damit entstehen Gesamtkosten in Höhe von schätzungsweise 5,46 Milliarden Euro, die einerseits die Kunden durch höhere Marktpreise tragen, andererseits die Margen der E-Commerce-Händler belasten", erklärte Björn Asdecker von der Forschungsgruppe Retourenmanagement.

Was passiert mit der zurückgesendeten Ware?

Eine Retourensendung verursache im Durchschnitt 19,51 Euro Kosten, die Hälfte davon für den Transport. Zwar landeten nur 4 Prozent der zurückgeschickten Artikel im Müll. Aber alles muss zunächst einmal gesichtet und bewertet werden. Immerhin 79 Prozent werden direkt wieder als A-Ware verkauft, weitere 13 Prozent als B-Ware, so die Forscher. Und 3 Prozent würden an industrielle Verwerter verkauft oder an gemeinnützige Organisationen gespendet.

Amazon, mit gut 17 Milliarden Euro Jahresumsatz in Deutschland Marktführer, erklärte, seit 2013 hätten "mehr als 1000 soziale Einrichtungen Amazon-Spenden" erhalten. Eine halbe Million Menschen hätten Spielzeug, Schuhe, Kleidung oder Drogerie-Artikel bekommen. Aber jede Rücksendung "wird qualitätsgeprüft, neu verpackt und - wann immer möglich - wieder als Neuware angeboten".

Großzügige Widerrufsfristen bei Online-Bestellungen

Die im Markt üblicherweise eingeräumte Widerrufsfrist von 28 Tagen liege weit über den gesetzlich vorgeschriebenen 14 Tagen, erklärte Asdecker. Aber die Rücksendungen belasten auch das Klima - so viel wie "täglich 2.200 Autofahrten von Hamburg nach Moskau" oder 238.000 Tonnen CO2 im vergangenen Jahr.

Der Internet-Versandhandel hat nach Angaben des Bundesverbands BEVH vergangenes Jahr Waren für 65,1 Milliarden Euro verkauft. Im laufenden Jahr rechnet er mit elf Prozent Zuwachs auf 72 Milliarden. Der Forschungsgruppe Retourenmanagement gehören 438 Händler, Logistikdienstleister, Produzenten und Experten an.

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