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Hacker wollen beweisen: GSM-Netz unsicher

Unter der Leitung des Chaos Computer Club stellen Hacker den Versuch an, das GSM-Netz auszuhebeln. Sinn der Aktion: der Öffentlichkeit zeigen, welcher Gefahr sie ausgesetzt ist.

26.08.2009, 18:01 Uhr
SMS schreiben© Andres Rodriguez / Fotolia.com

Hacker arbeiten derzeit verstärkt daran, den Sicherheitscode des GSM-Handynetzes zu knacken. Ziel ist es, die Milliarden GSM-Nutzer weltweit auf dieses Schlupfloch hinzuweisen. Die Koordination der Hack-Bemühungen erfolgt dabei durch den Chaos Computer Club (CCC).
Ungleichheit abbauen
Regierungen und das Organisierte Verbrechen sind schon länger in der Lage, sich in Handygespräche einzuklinken und diese abzuhören. Aus diesem Grund versucht sich jetzt eine Hacker-Vereinigung daran, den Code auszuhebeln und es ihnen gleich zu tun. Man wolle die Öffentlichkeit auf dieses Sicherheitsproblem aufmerksam machen, so der CCC. "Angeblich ist die Technologie sicher, aber das stimmt nicht, und die Menschen verlassen sich darauf, um Bank- und andere Geschäfte abzuwickeln", sagte der Hacker Karsten Nohl gegenüber der "Financial Times Deutschland" (FTD).
Bisher ist es nur möglich, Telefongespräche mit einer hoch entwickelten Ausrüstung zu belauschen. Auch verschlüsselte Handy-Telefonate sind so abhörbar - da das Knacken der Verschlüsselung jedoch circa 30 Minuten in Anspruch nimmt, kommt dieses Verfahren nur für die allerwenigsten Gespräche in Frage. Schließlich endet der Großteil der Telefonate schon, bevor die Verschlüsselung überhaupt ausgehebelt wurde. Staatliche Stellen schaffen es allerdings schon in wenigen Sekunden.
Das Ziel des CCC, den GSM-Code zu knacken, liege im Interesse der Allgemeinheit. So gebe es Beweise dafür, dass kriminelle Organisationen und Regierungen diese Technologie bereits verwenden würden, ohne dass die Öffentlichkeit davon wüsste. "Wir machen das zum Schutz der Leute, damit sie wissen, was sicher ist und was nicht", so CCC-Sprecher Andy Müller-Maguhn gegenüber der Zeitung.
3G ausgereifter
Die Industrievereinigung "GSM Association" (GSMA) sieht keine Bedrohung. Nach Ansicht der GSMA schienen die Aktivitäten der Hacker "teilweise durch kommerzielle Überlegungen motiviert". Die Sicherheitslücke betrifft nur Endnutzer, die ein GSM-Handy benutzen. Wer in einem 3G-Netz telefoniert, ist auf der sicheren Seite. Bei dieser Technologie schützen ausgereifte Verschlüsselungsmethoden vor einem Lauschangriff.

(Michael Müller)

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