News

Hacker platzieren islamistische Drohungen auf französischen Webseiten

Offenbar greifen tunesische Hacker im großen Stil Seiten von französischen Gemeinden und Unternehmen an: Die Behörden haben bislang mehr als 19.000 Cyber-Angriffe registriert.

15.01.2015, 17:46 Uhr (Quelle: DPA)
Internet© Daniel Fleck / Fotolia.com

Tunesische Hacker haben im Internet einen Feldzug gegen französische Webseiten gestartet. Die Seiten mehrerer französischer Gemeinden sowie Unternehmen waren am Donnerstag nicht erreichbar. Stattdessen zeigten die Seiten meist einen schwarzen Bildschirm und islamischen Botschaften und Drohungen gegen Frankreich. Auch angebliche Passwörter von französischen Nutzern des Online-Bezahldienstes Paypal verbreiteten die Hacker.

Tunesische Hackergruppe "Fallaga" bekennt sich

Unter den angegriffenen Firmen finden sich IT-Unternehmen aus Paris und unter anderem ein landesweit operierender Reifenmonteur. Je nach Seite formulierten die Hacker das islamische Glaubensbekenntnis "Es gibt keinen Gott außer Gott und Mohammed ist sein Gesandter" auf Arabisch, Englisch oder Französisch. Darunter loben die Hacker Mohammed oder kritisieren Frankreich. "Wer tötete 1,5 Millionen Menschen? Frankreich!", heißt es auf einer Homepage.

Hinter den virtuellen Anschlägen steckt nach eigenen Angaben die tunesische Hackergruppe "Fallaga". Die Angreifer haben sich nach algerischen und tunesischen Widerstandskämpfern benannt, die in den 1950er Jahren gegen die französische Kolonialarmee kämpfte.

Rund 60 Hacker zwischen 18 und 32 Jahren seien Mitglied der Gruppe, sagte ein Fallaga-Hacker in einem schon älteren Interview dem Online-Magazin "Vice". "Wir verteidigen unser Land und unsere Religion, den Islam", sagt er.

Mehr als 19.000 Cyber-Angriffe nach Anschlag in Paris

Seit den Terroranschlägen von Paris sind 19.000 Angriffe registriert worden. Der für Cyber-Angriffe zuständige Vizeadmiral Arnaud Coustillière sagte, es sei das erste Mal, dass Frankreich in diesem Umfang Ziel von Attacken im Internet sei. Auf den gehackten Seiten seien Flaggen oder islamistische Parolen platziert worden. Betroffen seien öffentliche Einrichtungen oder private Firmen bis hin zu einer Pizzeria. Genutzt würden Schwachstellen schlecht geschützter Seiten.

Auch die Webseite einer rumänisch-orthodoxen Kirchenzeitung wurde angegriffen. Am Mittwochabend hatten Hacker einen aus vier Sätzen bestehenden Text platziert. Darin wird Frankreichs jüngstes Vorgehen in Mali kritisiert sowie jenes im Algerien-Krieg Mitte des 20. Jahrhunderts. "Heute habt ihr die Grenze überschritten", heißt es, ohne genauen Bezug.

(Marcel Petritz)

Kommentieren Forum

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Zum Seitenanfang