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Hacker: 150 Schülerinnen per Webcam ausspioniert

Ein Hacker aus dem Rheinland soll per Trojaner Zugriff auf die Webcams von mindestens 150 Schülerinnen gehabt haben. Die Kontroll-Leuchte der Webcams verriet das Ausspionieren der Kinderzimmer.

16.07.2010, 14:03 Uhr (Quelle: DPA)
Internet© Victoria / Fotolia.com

Es ist der Albtraum aller Eltern: Ein Hacker aus dem Rheinland soll in die Computer von mindestens 150 Mädchen eingedrungen sein und die Kinder über Webcams ausspioniert haben. Als die Polizei den Mann festgenommen habe, seien auf dessen Rechnern mehrere Videos aus Kinderzimmern gelaufen, schrieb das "Westfalen-Blatt" aus Bielefeld am Freitag. Die Staatsanwaltschaft Aachen bestätigte die Ermittlungen, aber nicht die Zahl der Opfer.

Kontroll-Leuchte der Webcams verriet Hacker

Die Spähattacke aufgedeckt hat Thomas Floß vom Berufsverband der Datenschutzbeauftragten Deutschlands (BvD). Der Elektrotechniker aus dem westfälischen Versmold hält in Schulen regelmäßig Vorträge, um Kinder und Jugendliche für den Datenschutz zu sensibilisieren. "Zwei Mädchen erzählten, dass die Kontroll-Leuchte an ihren Webcams nicht ausgeht", erklärte Floß der Deutschen Presse-Agentur.

Als der Experte die Computer untersuchte, entdeckte er schädliche Programme - sogenannte Trojaner - , die im Hintergrund die Geräte steuerten. Die Software habe der Täter offenbar über den Chat-Dienst ICQ verbreitet: Zunächst knackte er das Nutzerkonto eines Schülers, dann versandte er mit dessen Adresse ein Bild. Wer es öffnete, hatte die Trojaner auf dem Rechner, so Floß.

Staatsanwaltschaft Aachen ermittelt

Floß konnte die Spur in die Region Aachen zurückverfolgen und erstattete Anzeige. Die Staatsanwaltschaft Aachen ermittelt derzeit. "Eine Person steht in Verdacht, unerlaubt Computer mit Schadprogrammen ausspioniert und Webcams manipuliert zu haben", sagte ein Sprecher. Zur Zahl der Opfer äußerte er sich nicht. Das "Westfalen-Blatt" berichtete, 150 Mädchen seien betroffen, darunter 60 Schülerinnen aus dem Kreis Gütersloh.

Der Täter hatte vor allem auf Mädchen abgesehen - Jungen seien nur selten betroffen, berichtete Datenschützer Floß. Er geht davon aus, dass es sich um keinen Einzelfall handelt. "Ich habe 50 bis 60 Schulen besucht - jedes Mal hat sich mindestens eine Schülerin gemeldet, bei der solch ein Problem aufgetreten ist. Und viele andere trauten sich nicht, davon zu sprechen."

Im Februar hatte in den USA eine Schule für Aufsehen und heftige Proteste von Eltern gesorgt: Schüler wurden über ferngesteuerte Webcams ausspioniert. Die Schule hatte damals angegeben, dies sei aus Sicherheitsgründen geschehen, um verschwundene oder gestohlene Geräte ausfindig zu machen.

(Jörg Schamberg)

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