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GVU-Affäre: Piratenjäger als heimliche Helfer

Die GVU gerät in der Affäre um die Unterstützung von illegalen FTP-Servern der Release-Szene zunehmend unter Druck.

04.02.2006, 11:29 Uhr
Internet© Victoria / Fotolia.com

Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) sieht sich weiter dem Vorwurf ausgesetzt, den Betrieb zweier von der Raubkopiererszene frequentierten Server unterstützt zu haben. Nach Veröffentlichung entsprechender Recherchen von onlinekosten.de und der Zeitschrift c't war die GVU zuletzt in Erklärungsnot geraten. In ihrer am kommenden Montag erscheinenden Ausgabe veröffentlicht die c't nun Dokumente, die die Verstrickung der privaten Piratenjäger belegen.
Belege liegen vor
Danach hat die GVU Informanten in der Szene bezahlt, um an detaillierte Informationen über Hersteller und Verbreiter so genannter Raubkopien zu gelangen. Mit finanziellen Zuwendungen unterstützte sie außerdem den Betrieb von Raubkopierer-Servern. Dies ergibt sich aus den Belegen finanzieller Transaktionen, die die c't am Montag veröffentlicht. Den Dokumenten zufolge war auch die Geschäftsführung von den Vorgängen informiert.
Auch dank dieser Aktivitäten der GVU fand urheberrechtlich geschütztes Material wie brandneue Hollywood-Streifen in der Szene Verbreitung. GVU-Verantwortliche waren bisher nicht zu einer Stellungnahme gegenüber onlinekosten.de oder der c't bereit. Auf der eigenen Website weist die Lobby-Truppe der Filmindustrie die Vorwürfe als "falsche Verdächtigungen" und "sensationsgierige Spekulationen" zurück. Die GVU erklärt weiter, für ihr Vorgehen besäße sie "die Einwilligung ihrer Mitglieder und der anderen betroffenen Industrien". Nach den Recherchen von onlinekosten.de und der c't fand die Verbreitung der Filme zumindest in einigen Fällen ohne Kenntnis oder Einverständnis der entsprechenden Rechteinhaber statt.
Razzia bei der GVU
Wie berichtet hatten am Dienstag, 24. Januar, Ermittler im Zuge einer großen Razzia gegen Raubkopierer auch die Büros der GVU durchsucht und Aktenmaterial beschlagnahmt. Zwar hat die Staatsanwaltschaft Ellwangen danach formal klargestellt, dass die GVU nicht als Beschuldigte durchsucht worden sei. Gegenüber Journalisten sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft allerdings auch, dass jetzt zu klären sei, ob für die auf "GVU-Servern" (Süddeutsche Zeitung online) angebotenen Materialien eine entsprechende Vereinbarung mit den Rechteinhabern bestand. Diese Ermittlungen, so die Staatsanwaltschaft, stünden noch am Anfang.
Im Auftrag der Film- und Software-Industrie unterstützt die GVU den Kampf gegen illegale Kopien mit Öffentlichkeitsarbeit und Ermittlungshilfe. Die Arbeit der GVU wird durch Beiträge der Mitgliedsunternehmen finanziert, aber auch öffentliche Gelder fließen in die Kassen der privaten Ermittler. So unterstützt die Filmförderungsanstalt (FFA) die Arbeit der GVU. Die Mittel der FFA stammen aus der gesetzlich vorgeschriebenen Filmabgabe von Filmtheaterbetreibern sowie TV- und Videoprogrammanbietern - also auch dem Eintrittsgeld der Kinobesucher, die sich von einschlägigen Kinospots der GVU kriminalisiert fühlen.

(Volker Briegleb)

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