Security

Grüne, Piraten und Journalisten kritisieren Ausspähen von Tor-Nutzern

Die Ausspähung des Anonymisierungsnetzwerk Tor durch den US-Geheimdienst NSA ist bei den Grünen und der Piratenpartei auf scharfe Kritik gestoßen.

04.07.2014, 08:53 Uhr (Quelle: DPA)
DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Die Ausspähung des Anonymisierungsnetzwerk Tor durch den US-Geheimdienst NSA ist bei den Grünen und der Piratenpartei auf scharfe Kritik gestoßen.

"Wie Terroristen behandelt"

Man sehe sich von den neuen Enthüllungen in ihrem Einsatz für Anonymität im Internet bestärkt, sagte der politische Geschäftsführer der Piratenpartei, Kristos Thingilouthis. Menschen, die sich mit digitalen Werkzeugen gegen Überwachung zur Wehr setzten, würden von der NSA "wie Terroristen behandelt". Der Geheimdienst bedränge "den einzig möglichen Schutzraum" vor Überwachung.

Die innenpolitische Sprecherin der bayerischen Grünen-Landtagsfraktion, Katharina Schulze, kritisierte, der Staat vernachlässige einmal mehr seine Schutzpflicht gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern. "Dass die Spähaktionen der NSA sich jetzt auch schon gegen Personen richten, die sich um den Schutz der Bürgerinnen und Bürger vor Datenspionage bemühen, ist dreist und unverschämt."

"NSA-Skandal nicht aussitzen"

Die Journalistenvereinigung Reporter ohne Grenzen (ROG) forderte die Bundesregierung zum Handeln auf. "Angesichts dieser Enthüllungen muss die Bundesregierung endlich ihre Strategie aufgeben, den NSA-Skandal auszusitzen und bei der Aufklärung die entscheidenden Fragen auszuklammern", erklärte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. Die Piraten sowie die Journalistenvereinigung betreiben selbst Server, über die Daten von Tor-Nutzern geleitet werden.

Die Anonymisierungsnetzwerk Tor erlaubt Nutzern, sich unbeobachtet im Internet zu bewegen. Das Akronym Tor steht für "The Onion Router" (der Zwiebelrouter). Damit wird angedeutet, dass der Dienst die Daten wie bei einer Zwiebel mit ihren vielen Lagen auch durch verschiedene Schichten schickt, bevor sie am Ziel ankommen.

Von den USA mitfinanziert

Tor leitet den Internetverkehr über mindestens drei Zwischenstationen. So kann der Betreiber eines Servers nicht mehr erkennen, wo ein Nutzer ursprünglich herkam. Mit Tor kann man das Surfen im Netz, aber auch Datei-Übertragungen und Internet-Dienste wie Chat absichern.

Zusätzlich werden die Daten durch mehrere Schichten von Verschlüsselung geschützt, ähnlich wie bei der Zwiebel. Das Netzwerk besteht derzeit aus etwa 5600 Servern, die größtenteils von Freiwilligen betrieben werden. Ursprünglich wurde das Tor-Projekt von einem Forschungszweig der US-Marine mitentwickelt. Es erhält bis heute einen Teil seiner Finanzierung von der US-Regierung.

(Peter Giesecke)

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