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Große Fische brauchen Futter: Start-up-Hype in der IT-Branche

Start-ups gelten als die neuen Wunderkinder der Nation. Ihnen traut man gewaltige Innovationskraft zu. Das merkt zunehmend auch die traditionelle Industrie. Es geht darum, neue Wege zu erkunden - und international den Anschluss nicht zu verpassen.

07.04.2014, 00:01 Uhr (Quelle: DPA)
Datenübertragung© envfx / Fotolia.com

Es gibt wahrscheinlich nur wenige Experten, die sich mit der Geschichte der Berliner Wirtschaft besser auskennen als Udo Marin. Der Mann ist Geschäftsführer des Verbandes Berliner Kaufleute und Industrieller, einem ehrwürdigen Verein, gegründet im Jahr 1879. Seitdem hat es in der Berliner Wirtschaft viele Umbrüche gegeben. Wenn Marin also von einer einmaligen Chance spricht, die man ergreifen müsse, weil sie sonst ganz schnell wieder verflogen sein könnte, empfiehlt es sich, genau zuzuhören.

Nicht nur Kapuzenpullover

Udo Marin spricht von Start-ups. Das sind die Unternehmen, die viele Beobachter meist mit dem Sammeln von Daten, mit Millionenübernahmen und jungen Männern in Kapuzenpullovern verbinden. Firmen, die mit der Idee für eine App die Welt verändern - und gleichzeitig viel Geld verdienen wollen. Martin hat jedoch kein Geld zu verteilen. Er ist trotzdem hier, auf dem Hy-Summit in Berlin, einer Veranstaltung, bei der die aufstrebenden Start-ups Deutschlands zusammenkommen.

Auf Events wie diesem bleiben die jungen Firmengründer nicht mehr unter sich. Siemens, Henkel, die Telekom oder die Allianz - die Vertreter der alten Industrie sind auch gekommen. Auch Alexander Dobrindt (CSU), Minister für digitale Infrastruktur, schaut für ein kurzes Grußwort vorbei. Es gehe um mehr Austausch zwischen alter Wirtschaft und neuen Ideen, sagte Investor Klaus Hommels. Der Unternehmer aus Deutschland, der mittlerweile in der Schweiz eine Holding betreibt, gilt als einer der bedeutendsten Start-up-Investoren Europas. Er steckte zum Beispiel schon früh Geld in Firmen wie Skype, Facebook oder Spotify.

Immer ein Risiko-Geschäft

Investitionen in ein Start-up sind stets ein Risiko-Geschäft, aber eines, das sich in manchen Fällen richtig gut auszahlt. "Nur die großen, unkonventionellen Ideen und Käufe sind es, die einen Unterschied machen", sagte Hommels. Europa sei dabei ins Hintertreffen geraten. Eine Vielzahl personenbezogener Start-ups seien in die USA und nach Asien ausgelagert worden, meint Hommels. Eine Tatsache, die sich rächen könnte.

Klappt die Zusammenarbeit, profitieren beide Seiten. Start-ups benötigen Finanzkraft und können von den Kontakten und Vertriebswegen der Konzerne profitieren. Die großen Unternehmen wiederum brauchen Innovationen und frische Ideen der jungen Firmen. Der Hy-Summit ist einer der inzwischen vielen Möglichkeiten in Deutschland für einen solchen Austausch.

Es gibt aber auch Unternehmen die selbst aktiv auf die Suche gehen - vor allem aus der IT-Branche. Die Deutsche Telekom etwa schrieb kürzlich ihren zweiten "Innovation Contest" aus. Bis zum 11. April können sich Gründer, junge IT-Start-ups und Studenten mit ihren Ideen bewerben. Den Gewinnern erhalten eine Finanzierung bis zu 150.000 Euro. "In Europa entwickelt sich ein tolles, dynamisches Start-up-Ökosystem", sagte Peter Borchers, Gründer und Leiter des Telekom-Projektes "hub:raum Berlin", mit dem junge Unternehmen gefördert werden sollen. Initiativen wie der Innovation Contest sollen dies noch stärken.

Hoffen auf das nächste große Ding

Der Softwarekonzern Microsoft umwirbt die Szene der Gründer ebenfalls intensiv. Neun ausgewählte Start-ups arbeiten bis vor kurzem im vierten Stock der Hauptstadt-Repräsentanz des Unternehmens Unter den Linden an Business-Plänen, Verträgen und Strategien für weitere Finanzierungen gearbeitet. Kürzlich hatten die Chefs der Start-ups die Gelegenheit, zum Abschluss ihre Ideen einem Kreis von Investoren vorzustellen. Microsoft versteht sich als Starthelfer und will die Jungunternehmer auch mit eigenem Know-how unterstützen. Zudem bekommen sie Zugang zu 36.000 Partner-Unternehmen in Deutschland, die Microsoft-Produkte vertreiben oder einsetzen.

Die jungen Firmen befänden sich teils auf sehr unterschiedlichen Entwicklungsstufen, sagte Peter Jaeger, Mitglied der Geschäftsleitung von Microsoft Deutschland. Die Gründer müssen überzeugend darstellen, dass sie auch am Markt bestehen können. "Wir können denen nicht das Laufen beibringen", sagt Jaeger. Die Förderprogramme seien jedoch nicht nur für die Entwicklung der Start-up-Szene da. Die Hoffnung auf die eine große Entdeckung, mit der man Unsummen verdienen kann, schwingt immer mit: "Wir glauben daran, dass die nächste 'Milliarden-Dollar-Firma' hier in Berlin zu finden ist", ist Jaeger überzeugt.

(Christian Wolf)

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