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Großaktionäre fordern erneut freenet-Zerschlagung

Die freenet-Aktionäre Hermes und Drillisch fordern erneut eine Filetierung des Telekommunikationskonzerns. Erst im Frühjahr war die Fusion mit mobilcom geglückt, nun steht freenet eine schwierige Hauptversammlung bevor.

26.06.2007, 14:35 Uhr
Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com

Rund um das Telekommunikationsunternehmen freenet loder weiter große Störfeuer. Gleich von mehreren Seiten wird abermals die Zerschlagung des Unternehmens gefordert. In erster Reihe steht die britische Fondsgesellschaft Hermes. Sie wirft freenet vor, eine Vielzahl von Akquisitionsmöglichkeiten versäumt zu haben. Der Mobilfunkdienstleister Drillisch, wie Hermes ein Großaktionär bei freenet, fordert ähnliche Schritte.
Hermes will die Spaltung
Hermes-Vorstand Stephan Howaldt sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", der freenet-Vorstand solle sich für den Gedanken eines kompletten oder teilweisen Verkauf an industrielle Partner öffnen. Er forderte das Unternehmen zugleich auf, sich von seinem Mobilfunk- und Internetgeschäft zu trennen. Hermes ist mit fünf Prozent an freenet beteiligt. Wenn freenet nicht einlenkt, hat Hermes bereits indirekt entsprechende Konsequenzen angekündigt. Die könnten sich beispielsweise bei der am 20. Juli bevorstehenden Hauptversammlung in Form von Gegenanträgen niederschlagen.
Drillisch, mit acht Prozent freenet-Aktionär, sieht vor allem die hohen Prämien, die derzeit bei Verkäufen im Internetgeschäft winken. Drillisch-Chef Paschalis Choulidis sagte dem "Handelsblatt": "Freenet muss zum richtigen Zeitpunkt Werte realisieren, bevor sie wieder verschwunden sind." Hedge-Fonds-Manager Florian Homm hatte bereits Ende Mai das Zerschlagungsszenario ins Gespräch gebracht. Er hält rund drei Prozent der freenet-Anteile und gilt als einer der schärfsten Kritiker von Vorstand Spoerr.
Auch das vom Aufsichtsrat im vergangenen Jahr beschlossene Aktienwertsteigerungsprogramm wird scharf kritisiert. Es räumt Vorstand und ausgewählten Führungsmitgliedern Anspruch auf die Differenz zwischen dem Tageskurs und einem festgelegten Basiskurs ein. Die Aktionäre Hermes, Drillisch und Union Investment monieren jedoch, dieser Basiskurs sei viel zu niedrig angesetzt und damit nicht attraktiv genug für das Management, tatsächlich etwas für die Wertsteigerung des Unternehmens zu tun. Auch dieser Punkt wird auf der kommenden Hauptversammlung ein Thema sein.
Spoerr zeigt sich unbeeindruckt
Nach wie vor wie ein Fels in der Brandung steht trotz aller Anfeindungen freenet-Chef Eckhard Spoerr. Er erteilt allen Zerschlagungsforderungen stets eine klare Absage und will am jetzigen, langfristig ausgerichteten Geschäftsmodell festhalten. Gebetsmühlenartig verweist Spoerr auf die harten 18 Monate, die man um die Fusion mit mobilcom gekämpft habe. Das alles jetzt rückgängig zu machen sei nicht im Sinne des Unternehmens, sondern sogar kontraproduktiv. Auch könnten die Aktionäre gar keine Zerschlagung beschließen. Das sei Sache des Vorstandes, sagte er dem "Handelsblatt".
Unterstützung erhofft sich Spoerr vom Finanzinvestor Vatas, der 18,7 Prozent der freenet-Anteile hält. Vatas steht nach Darstellung von Spoerr hinter seiner Strategie und damit gegen einen Verkauf von einzelnen Geschäftsbereichen. Vatas ist erst seit Mai mit an Bord und war vor allem von der Abwicklung der Fusion mit mobilcom sehr angetan. Auch der Telekommunikationsanbieter Teles, der knapp vier Prozent der freenet-Anteile hält, zählt sich nach "Handelsblatt"-Angaben nicht zu den "Jägern schneller Schnäppchen". Kontinuität ist angesagt, auch wenn die prall gefüllten Geldsäcke erst später als von manchem Aktionär gewünscht abtransportiert werden können.

(Stefan Hagedorn)

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