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Größter eBay-Händler Europas pleite

Die Qentis Holding GmbH ist insolvent und hunderte Kunden müssen nun um ihr bei eBay ausgegebenes Geld bangen.

20.01.2006, 16:50 Uhr
Internet© Victoria / Fotolia.com

Stolz war das Auktionshaus eBay in Vergangenheit auf die Qentis Holding GmbH - seinen Vorzeige-Unternehmer Nummer Eins. Den Qentis-Geschäftsführer Michael Marcovici ernannte das Auktionshaus zum Referenten der eBay-University, das Unternehmen selbst mauserte sich bereits ein Jahr nach erfolgter Gründung im Jahr 2002 zum umsatzstärksten "eBay-Powerseller" Europas. Bekannt wurde das Unternehmen vor allem unter dem Verkäufernamen "tichnak". Nun ist Europas größter eBay-Händler zahlungsunfähig und hunderte Kunden müssen um ihr Geld bangen. Denn die Bezahlung der erstandenen Waren erfolgte in der Regel per Vorauskasse.
Accounts gesperrt
Die offizielle Internetseite des Unternehmens unter www.qentis.com ist bereits offline. Die eBay-Accounts wurden gesperrt. Unter www.tichnak.de findet sich ein Hinweis: "Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass die Firma Qentis Holding GmbH am 18.Jänner 2005 einen Insolvenzantrag einbringen musste." Bis zuletzt habe die Geschäftsführung versucht, das Unternehmen zu retten. Die Gesellschaft sei nach einer geplatzten Finanzierung Ende vergangenen Jahres in Schwierigkeiten geraten. Am 17. Januar seien die Verhandlungen endgültig gescheitert.
Schlechte Bewertungen und verärgerte Käufer
Das Unternehmen Qentis besitzt seinen Hauptsitz in Wien, weitere Niederlassungen wurden in Deutschland, Frankreich, Italien, den USA und Hongkong gegründet. Wie der Online-Dienst Heise berichtet, war Qentis erst im vergangenen August in ein größeres Lager umgezogen. Waren, die noch bei der alten Adresse lagerten, wurden teils deutlich unter dem Marktpreis verkauft. Doch auch dies dürfte nur zeitweilig die Kassen mit Geld gefüllt haben. Zahlreiche Produkte wurden zudem von der Qentis Holding GmbH in Asien produziert – unter diversen Markennamen. Die Beschwerden über den Powerseller häuften sich, schlechte Bewertungen nahmen zu und auch im Forum des Online-Auktionshauses klagten Käufer, die sich um ihre Ware oder ihr Geld geprellt fühlten.
Betroffene Käufer, die Waren von Qentis ersteigert, bezahlt und noch nicht erhalten haben, müssen sich wohl vorerst gedulden. Hier "habe der Masseverwalter zu entscheiden, ob diese Ware geliefert wird". Die Qentis GmbH verweist im gleichen Atemzug auch auf die Käuferschutzprogramme von Paypal und eBay. Der Paypal-Käuferschutz erstattet bis zu 500 Euro, das Auktionshaus entschädigt geprellte Kunden mit bis zu 200 Euro – beide Entschädigungsprogramme greifen aber nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen.
Geplatzte Übernahme mit Folgen
Gegenüber dem Handelsblatt erklärte Geschäftsführer Marcovici, das Scheitern sei umso tragischer, als das das Geschäftsmodell gut funktioniert habe und das operative Geschäft durchaus profitabel verlaufen sei. Hauptgrund für die Insolvenz sei "eine geplatzte Übernahme beziehungsweise Kapitalerhöhung durch einen neuen Gesellschafter und den damit verbundenen Finanzierungen durch die Mezzaninbank und weitere österreichische Banken".

(Denise Bergfeld)

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