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GPS-Konkurrent Galileo kann ins All starten

Europäisches Satellitennavigationssystem soll von INavSat und Eurely gemeinsam aufgebaut werden.

28.06.2005, 08:21 Uhr
Datenverkehr© Julien Eichinger / Fotolia.com

Die einstigen Konkurrenten um den Aufbau des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo werden das Großprojekt wahrscheinlich zusammen realisieren. Das für den Zuschlag zuständige Gemeinschaftsunternehmen in Brüssel entschied gestern, das von den Konsortien INavSat und Eurely gemeinsam eingereichte Angebot zur Grundlage der weiteren Verhandlungen zu machen. EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot und Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) begrüßten die Entscheidung. Stolpe forderte dabei aber erneut eine "angemessene Beteiligung" der deutschen Industrie an dem Projekt.
Die Bewertung habe klar ergeben, dass der Wert des Gemeinschaftsangebots für die Öffentlichkeit besser sei, sagte der geschäftsführende Direktor von Galileo JU, Rainer Grohe. Ausschlaggebend sei gewesen, dass die von iNavSat und Eurely vorgelegte Offerte niedrigere Zuschüsse der öffentlichen Hand und höhere gewerbliche Einkünfte ermögliche. Der vorgesehene Zeitplan solle dabei eingehalten werden. Das Gemeinschaftsunternehmen will nun mit den beiden Konsortien bis Jahresende den Konzessionsvertrags ausverhandeln. Hinter iNavSat steht der europäische Raumfahrtkonzern EADS mit dem deutschen Großaktionär DaimlerChrysler. Bei Eurely sind unter anderen die französische Telekom-Firma Alcatel und die italienische Firma Finmeccanica vertreten.
Konkurrenz für GPS
Das Galileo-Projekt wurde von der EU und der europäischen Weltraumorganisation ESA initiiert und soll dem US-System GPS Konkurrenz machen. Der künftige Betreiber von Galileo erhält für 20 Jahre die Vermarktungsrechte des Systems, das ab dem Jahr 2008 eine breite Palette von Dienstleistungen rund um die satellitengestützte Ortsbestimmung anbieten soll.
Die Bundesregierung hatte zunächst einen Zuschlag auf Basis der Einzelgebote befürwortet. Berlin befüchtete, bei einem Gemeinschaftsangebot würden deutsche Industrieinteressen zu kurz kommen. Deutschland hat mit rund 100 Millionen Euro bislang den größten Teil der von den Mitgliedstaaten aufgebrachten Entwicklungskosten gezahlt. Stolpe drohte noch vergangene Woche damit, die für die weitere Projektentwicklung nötigen zusätzlichen Gelder zu verweigern.
Gestern bezeichnete Stolpe die Entscheidung für das Gemeinschaftsangebot "grundsätzlich" als "ein gutes Ergebnis für den Steuerzahler". Als größter Beitragszahler des Galileo-Projekts sei Deutschland aber nicht nur an einem wirtschaftlichen Gesamtbetrieb, sondern auch an einer angemessenen Beteiligung der deutschen Industrie interessiert, bekräftigte der Minister. Es bleibe deshalb bei "unserer unverzichtbaren Forderung nach einem adäquaten industriellen Rückfluss nach Deutschland beim Galileo-Aufbau und -Betrieb."

(Hayo Lücke)

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