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Google und Apple drängen in die Schulen

Statt dicker Bücher sollen in Zukunft Chromebook oder iPad im Schulranzen zu finden sein, wenn es nach Google oder Apple geht.

21.01.2013, 08:11 Uhr
Apple© Apple

Mancher Erstklässler ist so schwer bepackt, dass man fürchten könnte, er sei wie eine Schildkröte unfähig, sich aus eigener Kraft vom Rücken zurück auf den Bauch zu drehen, wenn die Last seines Rucksacks oder Schulranzens ihn erst einmal zu Boden gezogen hat. Als Lösung bietet sich ein elektronisches Gerät an, auf dem alle Schulbücher gespeichert sind und zudem noch interaktive Lernsoftware läuft. Die Frage ist aber nicht, wie viele Bücher ein Schüler in Zukunft noch bei sich trägt, sondern von welchem Unternehmen das Gerät und die Anwendungen stammen, mit denen das Kind arbeitet.

Chromebook oder iPad?

Google hat am Donnerstag ein neues Chromebook vorgestellt. Es stammt von Lenovo und trägt ein "e" im Namen. Das E steht für 'education', deshalb sollen auch Schulen das neue Chromebook kaufen, um es klassenweise an die Schüler auszugeben. Dazu gibt es "Google Apps for Education" und noch mehr als 1.000 Anwendungen aus dem Bereich Lernen im Chrome Web Store, also Vokabeltrainer und Übungsaufgaben für Geometrie und Algebra – für alle Altersklassen bis zum Schulabschluss, jedoch auf Englisch. Zuerst werden also die amerikanischen Schulen erobert.

Apple kümmert sich seit der Vorstellung des iBookstore um die Schule. Lernen mit dem iPad. heißt das Programm. Schon im ersten Buchregal waren Angebote für das Klassenzimmer zu finden – selbstverständlich ausschließlich auf dem iPad zu nutzen. Erstellt werden die digitalen Schulbücher mit der Software iBooks Author. Das können auch kostenlose E-Books sein, Apple verdient vor allem an den Geräten. Schließlich müssen alle Schüler einer Klasse das gleiche Tablet nutzen.

Keine Alternativen zu Google und Apple

Das Lernen in den Schulen verändert sich. Schon jetzt findet man in vielen Klassenräumen Netbooks auf (fast) jedem Tisch, zumindest in den älteren Jahrgängen. Das Gewicht in den Taschen nimmt ab, dafür wird der Inhalt wertvoller, eine Diebstahlversicherung ist angeraten. Das Lernen wird animiert und interaktiv, aber vielleicht auch ein wenig eintönig. Oft ist dann doch bloß Multiple-Choice gefragt anstelle von Kreativität. Wie sollte eine Software die auch bewerten? Vom pädagogischen Nutzen einmal ganz abgesehen.

Die deutschen Schulbuchverlage haben sich gegen Google und Apple gewappnet – mit einer eigenen Plattform für digitale Schulbücher. So heißt sie auch: digitale-schulbuecher.de. Schon einmal davon gehört? Es soll sich um eine "offene Lösung", um ein "einheitliches Format" handeln. Wer innerhalb von fünf Minuten auf der Website in Erfahrung bringt, welches Format das ist, ob man sich eine Software installieren muss und auf welchem Gerät diese läuft, der erhält eine Eins. Sie ahnen es bereits: Das Kind der Schulbuchverlage ist in der Versetzung gefährdet. Die Klassenprimi Google und Apple sind ihm überlegen.

Im Kindesalter gewinnen und binden

Für das Chromebook, könnte man denken, sei die Verwendung in der Schule die letzte Chance. Es sollte einst das Netbook ablösen, doch dann wurde Google vom Erfolg der Tablets überrascht. (Netbooks gibt es allerdings immer noch zu kaufen.) Der eigentliche Wert liegt jedoch darin, dass die Kinder sich schon früh daran gewöhnen, Googles Clouddienste zu nutzen: E-Mail, Gruppenkalender, Google Docs und schließlich auch Google+. Das Unternehmen investiert in seine Zukunft. Und auch wenn Apple jetzt schon am Verkauf jedes iPads ordentlich verdient, auch hier geht es letztlich darum, Kinder früh die eigene Marke in ihr Bewusstsein zu pflanzen.

Tatsächlich um Bildung kümmert sich das Projekt One Laptop per Child (OLPC). Dahinter stehen zwei gemeinnützige Organisationen, die in Entwicklungsländern für jedes Kind optimale Lernbedingungen schaffen wollen. Vor ein paar Jahren ein Medienhype, mittlerweile kaum noch eine Meldung wert. Es geht darum, dass die Kinder überhaupt Zugang zu Bildung haben. Der Preis für das Gerät deckt gerade einmal die Kosten. Profit ist nicht vorgesehen.

(Peter Giesecke)

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