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Google Street View - Was ist das und was ist erlaubt?

Die Funktion ergänzt den Kartendienst Google Maps. Dort können Nutzer klassische Karten und Satellitenaufnahmen abrufen. Die Panorama-Aufnahmen für Street View sind sehr detailliert - Google spricht von der "letzten Zoom-Ebene".

10.08.2010, 17:31 Uhr (Quelle: DPA)
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Der Name sagt es schon: Street View soll einen Blick auf ganze Straßenzüge erlauben. Die Funktion ergänzt den Kartendienst Google Maps. Dort können Nutzer klassische Karten und Satellitenaufnahmen abrufen. Die Panorama-Aufnahmen für Street View sind sehr detailliert - Google spricht von der "letzten Zoom-Ebene".

Datenschutz-Regeln müssen eingehalten werden

Gezeigt wird im Prinzip alles, was auch auch im echten Leben zu sehen ist. Gesichter von Passanten und Kennzeichen von Autos macht das Unternehmen aus Kalifornien aber mit einer Software unkenntlich. Allerdings liegt die Quote nicht bei 100 Prozent. Wer nicht will, dass sein Wohnhaus im Netz zu finden ist, kann auch die Fassade des Gebäude verwischen lassen. Trotz dieser Datenschutz-Zusagen haben die Nahaufnahmen vor allem in Deutschland zu Protesten geführt. Google hat daraufhin seine Bereitschaft signalisiert, einen 13-Punkte-Plan in Sachen Datenschutz einzuhalten.

Für die Fotos ließ und lässt Google Autos mit Spezialkameras die Straßen abfahren. Die Geräte waren auf einem Stativ in 2,50 Meter Höhe installiert. Die einzelnen Bilder fügte das Unternehmen anschließend zu einem Panorama zusammen.

Der Dienst deckt in einigen Ländern nahezu das komplette Land ab, etwa in den USA. In Europa gibt es Straßenansichten unter anderem von Spanien, Frankreich, Italien, Großbritannien und Dänemark.

Für ausgewähltes Kartenmaterial im Ausland bereits nutzbar

In diesen Ländern können Nutzer den Dienst schon ausprobieren. Dafür müssen sie den Kartendienst Google Maps (maps.google.de) aufrufen und einen Ort suchen - beispielsweise Madrid. Auf der linken Seite der Karte ist eine Zoom-Leiste mit einem gelben Männchen zu sehen. Zieht man dieses auf die Karte, schaltet die Software auf die Straßensicht um.

Lesen Sie auf Seite 2: Darf Google einfach Fotos machen?

In den USA nahm das Street-View-Projekt im Mai 2007 seinen Ausgang. Mittlerweile ist das riesige Land fast flächendeckend erschlossen. Selbst etliche entlegene Gebiete sind kartographiert samt weitläufiger Nationalparks und neuerdings sogar Radwegen. Der Widerstand gegen Fotos, auf denen Menschen mitunter noch zu erkennen sind, ist abgeflaut. Dagegen wächst die Kritik gegen Googles parallele Datensammelei. Insgesamt 38 Bundesstaaten haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam gegen den Mitschnitt von WLAN-Daten vorzugehen.

Darf Google einfach so fotografieren?

Doch es bleibt eine entscheidende Frage: Darf Google für seine Straßenansicht Fotos machen, ohne Bewohner und Passanten um Erlaubnis zu fragen? Ein Gesetz, das diesen Fall genau regelt, gibt es nicht. Aber Juristen gehen davon aus, dass das Vorgehen zulässig ist, solange Google einige Regeln einhält.

Google macht mit seinen Kameraautos zunächst nichts anderes als Hobbyknipser oder der Fotograf von der Lokalzeitung: Das Unternehmen lichtet Orte ab, die öffentlich einsehbar sind. Das sei kein Problem, solange Personen nur "Beiwerk" im Sinne des Kunsturhebergesetzes seien, sagt der Anwalt Carsten Ulbricht in Stuttgart. "In diesem Rahmen dürfen auch Passanten auf Fotos zu sehen sein, solange sie nicht Hauptbestandteil des Bildes sind."

Eine Einwilligung ist auch für die Veröffentlichung nicht nötig. Bilder von einem Volksfest oder der überfüllten Fußgängerzone in der Adventszeit sind in Zeitungen gang und gäbe. Da Google auch noch die Gesichter unkenntlich macht, sieht Jurist Ulbricht erst recht keine Verletzung des Persönlichkeitsrechts.

Ähnliches gilt grundsätzlich auch für Fotos von Straßen und Häusern. "Gegen die Abbildung von Gebäuden, Grundstücken und Kfz sowie von anderen Gegenständen im Rahmen des Straßenpanoramas bestehen datenschutzrechtlich keine durchgreifenden Bedenken", schrieb der heutige Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar vor seiner Berufung 2009 in einem Gutachten. Die Aufnahmen enthielten "allgemein zugängliche Daten für jedermann".

Eine Grauzone bleibt

Einiges bleibt aber weiterhin in einer juristischen Grauzone. Besonders umstritten: Die Kameras sind auf 2,50 Meter Höhe montiert und können somit auch über Zäune fotografieren - ist das nicht ein juristischer Sonderfall? "Besondere Brisanz liegt auch darin, dass Google alles fotografiert - und zwar sehr detalliert", sagt Datenschützer Caspar. Etliche Juristen halten es daher für sinnvoll, dass neu auftretende Fragen gesetzlich geregelt werden.

(Hayo Lücke)

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