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Google: Prozess-Schlappe und VoIP-Firmenkauf

Eine schwere Schlappe um die Markenrechte für seinen E-Mail-Dienst hat Google vor Gericht hinnehmen müssen. Gleichzeitig baut der Marktführer der Suchmaschinen sein Portfolio aus und hat ein VoIP-Unternehmen übernommen.

07.07.2007, 14:01 Uhr
Google© Google

Der Suchmaschinen-Gigant Google hat am vergangenen Mittwoch eine schwere Schlappe vor Gericht hinnehmen müssen. Das Hanseatische Oberlandesgericht gab einer Klage des Unternehmers Daniel Giersch statt. Er sah in der von Google verwendeten Bezeichnung Gmail seine Markenrechte verletzt und legte sich daraufhin mit dem Weltkonzern an. Gleichzeitig gab Google den Kauf des VoIP-Unternehmens GrandCentral bekannt.
Gmail verboten
In der vierten Runde der fast dreieinhalb Jahre dauernden Auseinandersetzung wurde Google nun verboten, die Bezeichnung Gmail in Deutschland zu verwenden. Google hatte seinem E-Mail-Dienst auch hierzulande vor vier Jahren diesen Namen gegeben. Allerdings war Giersch schneller und hatte sich die Marke bereits vor sieben Jahren gesichert. Er bietet unter der Domain www.gmail.de ein hybrides Mailsystem an.
"Die Rechtslage ist für das Hanseatische Oberlandesgericht derart eindeutig, dass es die Revision zum Bundesgerichtshof nicht zugelassen hat", teilt der Daniel Giersch vertretende Rechtsanwalt Sebastian Eble der Kanzlei Preu Bohling & Partner mit. (Az.: 5 U 87/06). Google klagt gegen den Unternehmer auch in Spanien, Portugal und der Schweiz. Nach Worten von Rechtsanwalt Sebastian Eble hat Google angekündigt, die Klagen gegen Giersch so lange fortzusetzen, bis er die in Deutschland gemachten gerichtlichen Ansprüche fallen lässt. In Österreich konnte er unterdessen ein Verfahren ebenfalls für sich entscheiden.
Gmail hatte es in den letzten Monaten wiederholt in die Schlagzeilen geschafft. Ende Juli hatte Google mit der Abschaltung seines kostenlosen E-Mail-Dienstes gedroht, wenn die Bundesregierung an ihren Überwachungsplänen festhalte. Bereits nach der Ankündigung, Gmail an den Start zu bringen, bahnten sich Streitigkeiten um den Namen des Angebotes an. Davon unbeeindruckt setzt Google seine Einkaufstour fort. Diesmal hat sich Google bei Voice over IP-Unternehmen umgesehen, um bei dem enormen Tempo der Mitbewerber bei der Internet-Telefonie mithalten zu können. Mitte April hatte sich das Unternehmen die Werbefirma DoubleClick einverleibt.
VoIP-Firma übernommen
Getroffen hat es diesmal das junge kalifornische Unternehmen GrandCentral Communications. Das erklärte Ziel von GrandCentral ist es, Sprach-Kommunikation deutlich zu erleichtern. Deshalb bietet der Anbieter seinen Kunden eine einzige Rufnummer an, die alle existierenden Telefonnummern vereint. Zusätzlich gibt es eine zentrale Mailbox. Wer beispielsweise über eine dienstliche Festnetz- und Handynummer verfügt sowie auch privat mit Festnetz-Telefon und Handy unterwegs ist, kommt schnell auf eine stattliche Zahl von Rufnummern.
Die aufgezeichneten Sprachnachrichten können online oder alternativ auch von jedem Telefon abgerufen werden. Dabei kommt eine webbasierte Software zum Einsatz, die es ferner möglich macht, mit herkömmlichen Geräten über das Internet zu telefonieren. Ein automatisches Telefon- und Adressbuch sowie eine Blockierfunktion bieten zusätzlichen Komfort. Ferner können Gespräche vom Festnetz auf das Handy und umgekehrt geschaltet werden.
Das Auktionshaus eBay konnte mit seinem VoIP-Dienst Skype bisher mehr als 200 Millionen Kunden gewinnen. Daraufhin hatte Google als Nachzügler vor rund zwei Jahren Google Talk aus der Taufe gehoben. Der Dienst vereint Instant Messenger-Funktionen mit VoIP-Telefonie.

(Stefan Hagedorn)

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