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Google plant zentrale Auswertung von Nutzerdaten

Ab dem 1. März will Google den bisherigen Umgang mit Nutzerdaten ändern. Statt vieler einzelner Datenschutzvereinbarungen soll weitgehend nur noch eine einzige gelten. Bei Google-Diensten hinterlassene Daten angemeldeter Nutzer werden dann zentral gesammelt und ausgewertet.

25.01.2012, 11:46 Uhr (Quelle: DPA)
Google© Google

Google ändert seinen Umgang mit Nutzerdaten und will künftig alle Informationen, die man bei verschiedenen Diensten des Konzerns hinterlässt, gesammelt auswerten. Der Internet-Riese versprach am Dienstag Vorteile für die Nutzer durch das neue Verfahren mit relevanteren Suchergebnissen und Werbeanzeigen. Für die Änderungen sollen zum 1. März die Datenschutz-Bestimmungen vereinfacht und zusammengeführt werden - statt mehr als 60 einzelnen Dokumenten für verschiedene Dienste soll es nur noch eines geben. Die Daten würden nach wie vor nicht nach außen getragen, so Google.

"Wir können die Suche besser machen"

Wenn ein Nutzer bei Google angemeldet ist, "können wir Informationen, die Sie bei einem Dienst gemacht haben, mit Informationen aus anderen Diensten kombinieren", erläuterte Googles Datenschutz-Chefin Alma Whitten in einem Blogeintrag. Kurz gesagt, werde man über alle Google-Dienste hinweg als ein Nutzer behandelt. Das solle für ein "einfacheres, intuitiveres Google-Erlebnis" sorgen.

"Wir können die Suche besser machen - indem wir verstehen, was Sie wirklich meinen, wenn sie Apple, Jaguar oder Pink eintippen", argumentierte Whitten. "Wir können Sie darauf hinweisen, dass Sie spät dran für ein Treffen sind, ausgehend aus Ihrem Aufenthaltsort, ihrem Kalender und einer Vorstellung von dem aktuellen Verkehr." Oder man könne für jeden die richtigen Vorschläge bei der Rechtschreibkontrolle machen. Die Idee sei, die eigenen Informationen sinnvoller einzusetzen.

Druck der Konkurrenz und absehbare Kritik

Google wird durch die mögliche Verknüpfung zunächst nur separat erfasster Informationen allerdings ebenfalls in die Lage versetzt, detailliertere und umfassendere Nutzerprofile zu erstellen. Daten, die einzeln nur wenig über eine Person aussagen, könnten durch die Kombination zusätzliche Einblicke ermöglichen und so in ihrer Gesamtheit an Wert gewinnen. Mit den Änderungen kann Google etwa Werbung besser auf einzelne Nutzer zuschneiden. Anzeigen im Umfeld der Internet-Suche sind nach wie vor die wichtigste Einnahmequelle des Konzerns. Ob das geänderte Google-Konzept bei Datenschützern auf große Gegenliebe stoßen wird, darf daher getrost bezweifelt werden - auch wenn der Konzern diverse Privatsphäre-Einstellungen bietet und die Vision von Google als Helfer im Alltag prinzipiell nicht neu ist.

Der ehemalige Unternehmenschef und heutige Verwaltungsratsvorsitzende Eric Schmidt umriss schon vor mehr als einem Jahr ähnliche Szenarien. Dass die Pläne nun konkret werden, ist möglicherweise eine Folge des zunehmenden Konkurrenzdrucks. Apple etwa vermarktet mit seinem iPhone 4S den "persönlichen Assistenten" Siri, mit dem man sich unterhalten kann. Das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook und Microsoft experimentieren mit "sozialer Suche", die besser auf die einzelnen Nutzer zugeschnitten sein soll. Google konterte jüngst bereits mit einer personifizierten Version seiner mit Abstand führenden Suchmaschine - erntete jedoch Kritik, weil einige Experten und Konkurrenten den hauseigenen Facebook-Rivalen Google+ bevorzugt sehen.

Nutzer, die den neuen Google-Richtlinien nicht zustimmen wollen, haben lediglich die Möglichkeit, ihr bestehendes Google-Konto zu löschen. Dieses ist allerdings Voraussetzung für die Nutzung zahlreicher Dienste. Eine Übersicht bereits erfasster Daten ist über das Google Dashboard abrufbar.

(Christian Wolf)

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