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Google arbeitet an Android-Musikanlage

Der US-Internetkonzern Google entwickelt laut US-Medienberichten eine Musikanlage auf Android-Basis, mit der sich mehrere Räume drahtlos beschallen lassen. Das Gerät soll noch in diesem Jahr auf den Markt kommen.

10.02.2012, 12:34 Uhr (Quelle: DPA)
Google© Google

Der Umbauplan von Google-Chef Larry Page für den Internet-Konzern nimmt immer mehr Gestalt an. Der Suchmaschinen-Primus will die Rivalen Apple, Facebook und Amazon auf deren Spielfeld angreifen. Google will laut US-Zeitungsberichten ins Geschäft mit Unterhaltungselektronik einsteigen. Der Internet-Konzern entwickele eine Musikanlage, mit der man drahtlos verschiedene Räume beschallen könne, berichtete das "Wall Street Journal" in der Nacht zum Freitag. Der "New York Times" zufolge könnte es mit der Zeit auch um andere Medieninhalte gehen. Das Gerät mit dem Betriebssystem Android solle im Laufe des Jahres auf den Markt kommen und unter dem Google-Markennamen verkauft werden. Google hoffe, das Geschäft mit vernetzter Heimelektronik mit günstigen Preisen aufrollen zu können.

Google-Unterhaltungssystem schließt Lücke

Schon seit Tagen wurde darüber spekuliert, welches Gerät sich hinter einem Google-Antrag bei der US-Telekomaufsicht FCC verbirgt. Der Internet-Konzern erbat dort die Erlaubnis, von Mitte Januar an 252 nicht näher bezeichnete Unterhaltungselektronikgeräte ein halbes Jahr in Häusern seiner Mitarbeiter zu testen. Google hatte bereits im vergangenen Mai den Prototypen einer Android-Musikanlage demonstriert. Das bisher vor allem in Smartphones genutzte Betriebssystem soll nach damaligen Ankündigungen auch verstärkt bei Hausgeräten zum Einsatz kommen. Bisher tat sich in dieser Richtung jedoch nicht viel.

Ein Google-Unterhaltungssystem würde eine Lücke im Angebot des Konzerns schließen und zugleich den Wettbewerb mit Rivalen wie Apple, Microsoft und Amazon verschärfen. Die Songs könnten aus Googles eigenem Musikdienst Google Music kommen. Zudem hat der Konzern große Pläne für seine Videoplattform YouTube. Mit hunderten neuen Themenkanälen wird sie gerade zu einem Wettbewerber für das klassische Fernsehen ausgebaut. Auf der Geräteseite setzte Google bisher auf Kooperationen mit etablierten Herstellern. Eine erste Auflage von Settop-Boxen mit dem Namen Google TV, die Fernsehen und Internet-Angebote verschmelzen sollten, wurde jedoch zu einem teuren Flop. Jetzt wird die Technologie eher in Fernsehgeräte von Partnern wie Sony oder Samsung integriert.

Das Geschäft mit vernetzter Musik liegt derzeit von allem bei spezialisierten Anbietern wie Sonos. Apple bietet zudem die AirPlay-Technologie an, mit der man Songs von iPhones oder iPads drahtlos auf Musikanlagen abspielen kann. Allein dieser Markt sei eigentlich zu klein, als dass sich ein Einstieg für Google lohnen würde, sagte Sonos-Mitbegründer Tom Cullen dem "Wall Street Journal". Aus Google-Kreisen hieß es dazu, man hoffe, mit günstigeren Preisen den Markt zu erweitern. Ein Google-Gerät mit direktem Zugang zum hauseigenen Online-Shop wäre auch ein Anreiz, die Musik dort herunterzuladen statt etwa beim langjährigen Musik-Marktführer Apple mit seinem iTunes-Store oder Amazon.

Google macht Apple Konkurrenz

Ein Einstieg in den Unterhaltungselektronik-Markt würde vor allem die Rivalität mit Apple verstärken: Vom iPhone-Konzern wird demnächst sein erstes Fernsehgerät erwartet, mit dem Video-Inhalte aus der iTunes-Plattform eine noch größere Verbreitung bekommen dürften. Das Know-how für das neue Gerät könnte der US-Internetkonzern schon bald im Haus haben: Google ist gerade dabei, den Handy-Pionier Motorola zu übernehmen, der auch ein führender Hersteller von Settop-Boxen in den USA ist.

Google macht sein Geld weiterhin vor allem mit Anzeigen im Umfeld von Internet-Suchanfragen. Schon seit Jahren arbeitet der Konzern an neuen Erlösquellen, besonders zielstrebig seit Page im vergangenen April an die Konzernspitze zurückkehrte. Mit Google+ macht der Konzern dem weltgrößten Sozialen Netzwerk Facebook Konkurrenz. Zuletzt brachte Google Treffer aus Google+ verstärkt in die Suchergebnisse ein, was für Kritik in der Internet-Branche sorgte.

(Jörg Schamberg)

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