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Go Yellow: Paris Hilton allein zieht nicht

Die neue Konkurrenz der Gelben Seiten konnte bisher kaum zahlende Kunden für sich gewinnen. Die Konsequenz sind hohe Verluste.

28.11.2005, 14:11 Uhr
Datenverkehr© Julien Eichinger / Fotolia.com

Es war ein ehrgeiziger Plan von Klaus Harisch, dem Chef der Varetis AG zu der auch die Branchenauskunft Go Yellow gehört. Er holte Hotel-Erbin Paris Hilton ins Boot, um der Deutschen Telekom über aufreizende TV-Werbespots Kunden abzuwerben. Go Yellow tritt als Konkurrent zu den Gelben Seiten auf - mäßig erfolgreich.
Wirklich aufgegangen ist die Rechnung bisher nämlich noch nicht. Harisch musste nach Informationen der "Financial Times Deutschland" (FTD) kürzlich zugeben, dass es teilweise schwieriger sei als eingeplant, ein zu den Gelben Seiten konkurrierendes Portal aufzubauen. Go Yellow erzielte bis Ende September gerade mal 362.000 Euro Umsatz - machte aber stolze 16,5 Millionen Euro Verlust vor Zinsen und Steuern. Derzeit gibt es lediglich 3.500 voll zahlende Kunden, sagte Harisch. Hinzu kommen etwa 1.000 Sondervertragskunden, ergänzt eine Firmensprecherin. Ursprünglich sollten es 30.000 Kunden bis Jahresende sein.
Hohe Kosten, wenig Ertrag
Zu den tiefroten Zahlen tragen auch hohe Werbekosten bei. Mit der US-Hotelerbin Paris Hilton schloss Harisch einen exklusiven Werbevertrag. Durch TV-Werbespots erreichte Go Yellow mit täglich rund 350.000 Anfragen zwar 30 Prozent der Klickraten des Marktführers Gelben Seiten der Telekom. Paris Hilton verführte die Bäcker, Maler und Apotheker aber nicht zu viel mehr Anzeigen. "Der Kopplungseffekt ist viel kleiner als gedacht", gestand Harisch ein. Dennoch bleibt er optimistisch: "Im nächsten Jahr sind wir bei den Kundenzahlen gut fünfstellig." Ende 2006 soll erstmals die Gewinnschwelle bei Go Yellow erreicht werden.
Um Go Yellow für die Zukunft fit zu machen will Harisch nun einen Strategiewechsel einleiten. Er will das gesamte Stammgeschäft mit Softwarelösungen für Auskunftsdienste verkaufen. Es steuert fast 90 Prozent zum Umsatz bei und ist das einzige ertragreiche Segment im Varetis-Konzern, schreibt die FTD weiter. Der Verkauf soll 20,8 Millionen Euro einbringen. Geld, das umgehend in das Go Yellow-Portal gepumpt werden soll. Harisch beziffert den Gelbe-Seiten-Markt in Deutschland auf 1,2 Milliarden Euro Umsatz mit 500 Millionen Euro Vorsteuergewinn. Davon entfielen 95 Prozent auf die Telekom. "Es ist eines der letzten Monopole."

(Hayo Lücke)

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