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GMX/Web.de-Chef kritisiert: "De-Mail steht in Deutschland immer noch am Anfang"

Die De-Mail soll sicher sein und den Brief ersetzen. Das versprechen Anbieter wie die Deutsche Telekom, GMX und Web.de. Über eine Million Deutsche haben bereits eine De-Mail-Adresse, doch Jan Oetjen, Chef von GMX und Web.de kritisiert gegenüber dem "Focus" die langsame Einführung in Deutschland und fordert die Regierung zum Handeln auf.

27.07.2014, 13:10 Uhr
Browser© Diego Cervo / Fotolia.com

Der Startschuss für die De-Mail fiel bereits 2012, doch der Durchbruch bei dem Großteil der deutschen Internetnutzer ist den Betreibern der rechtssicheren digitalen Post noch nicht gelungen. Inzwischen haben sich bei den Anbietern Deutsche Telekom sowie den zu United Internet gehörenden Marken GMX und Web.de zwar über eine Million Kunden für die De-Mail registriert, das ist aber nur ein Bruchteil der deutschen Internetnutzer. Jan Oetjen, Chef von GMX und Web.de kritisiert gegenüber dem "Focus" denn auch die langsame Einführung in Deutschland und fordert die Bundesregierung zum Handeln auf. Andere Länder seien schon weiter.

Oetjen: Staat als Großversender muss De-Mail konsequent einführen

In Dänemark seien beispielsweise bereits zwei Drittel der dortigen Internetnutzer an ein mit der De-Mail vergleichbares System angeschlossen, das die sichere Kommunikation mit Behörden und Unternehmen ermögliche. "In Deutschland steht die De-Mail immer noch am Anfang", so Oetjen. Nun sei die Regierung am Zuge, da die De-Mail-Betreiber ihre Hausaufgaben gemacht hätten.

Konkret fordert Oetjen, dass sich der "Staat als Großversender zu seinem eigenen System bekennen und es konsequent einführen" müsse. Um die Einführung der De-Mail hierzulande zu beschleunigen, will die Bundesregierung nun zumindest eine gemeinsame Arbeitsgruppe zusammen mit der Wirtschaft einrichten.

De-Mail bei Privatnutzern nicht durchsetzbar?

Zweifel an der Durchsetzungsfähigkeit der De-Mail im privaten Alltag äußert Michael Rotert, der vor 30 Jahren an der Universität Karlsruhe die erste E-Mail in Deutschland empfangen hatte. "Bei Privatnutzern wird sich die De-Mail wegen der fehlenden Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nicht durchsetzen", betont Rotert. Die De-Mail bringe vorwiegend Firmen Vorteile bei der Kommunikation mit Behörden.

Die E-Mail feiert in diesem Jahr ihren 30. Geburtstag in Deutschland. Der Startschuss fiel am 3. August 1984 mit dem Empfang einer E-Mail aus den USA. Seitdem hat die elektronische Post auch hierzulande ihren Siegeszug angetreten. 2014 sollen geschätzt rund 504 Milliarden E-Mails in Deutschland versandt werden.

(Jörg Schamberg)

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