News

"Gleiche Spielregeln für alle": Telekom-Chef Höttges kritisiert Marktmacht von Google

Telekom-Chef Tim Höttges zeigt sich im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" besorgt über die Datenkonzentration bei Google. Höttges drängt vor allem auf Chancengleichheit, da es der Telekom sonst immer schwerer falle, in den Netzausbau zu investieren.

28.10.2014, 17:31 Uhr
Google© Google

Telekom-Chef Tim Höttges ist nicht gut auf den US-Internetkonzern Google zu sprechen. Im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) kritisiert der Vorstandsvorsitzende des Bonner Konzerns die stetig zunehmende Marktmacht des einst als reine Suchmaschine gestarteten Unternehmens. "Googles Macht ist groß", so Höttges gegenüber der SZ. Den Telekom-Spitzenmanager stört die ungleich verteilte Wertschöpfung, er pocht vor allem auf Chancengleichheit. Ansonsten falle es der Telekom immer schwerer, in den Netzausbau zu investieren.

Höttges besorgt über Googles Umgang mit den Daten

Es müsse der Grundsatz "gleiche Spielregeln für alle" gelten. Höttges plädiert eindringlich für ein Recht auf Vergessen im Internet. "Bürgerrechte müssen gewahrt bleiben", so der Telekom-Chef.

Stein des Anstoßes ist für Höttges vor allem die große Datenkonzentration in den Händen eines Unternehmens, die zu erheblichen Wettbewerbsverzerrungen führen würde. "Kein anderes Unternehmen in der Welt sammelt so viele Daten. Und kein anderes Unternehmen der Welt verwertet sie so gewinnbringend", betont Höttges. Beim Umgang mit den in Deutschland von Google gesammelten Daten würde das "deutsche Recht nicht ausreichend" respektiert: "Die Daten werden nach Übersee exportiert und unter den dort geltenden Regeln verarbeitet und zu Geld gemacht", so der Nachfolger von René Obermann. Die Telekom halte sich dagegen an die deutschen Datenschutzgesetze.

Europa darf auf Nutzung von Big Data nicht verzichten

Dennoch verteufelt Höttges große Datensammlungen und deren Auswertung nicht generell. Im Gegenteil: "Für Europa wäre die größte Bedrohung, Big Data nicht zu machen." Und er zeigt auf, wie absurd manche Regeln aktuell in Deutschland sind. Bei einer Auswertung der Daten, die das Mautsystem Toll Collect erhebe, ließen sich beispielsweise Staus erkennen und Routenalternativen vorschlagen. Da eine Auswertung dieser Daten hierzulande aber laut Gesetz verboten sei, müssen Anbieter von Navigationslösungen stattdessen solche Informationen von Google einkaufen.

(Jörg Schamberg)

Kommentieren Forum

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Zum Seitenanfang