ANGA COM Digital

Glasfaserausbau: Skepsis gegenüber Telekom als Kooperationspartner

Kann man mit der Deutschen Telekom als Partner gemeinsam Glasfaser ausbauen? Der Chef des City-Carriers wilhelm.tel äußerte auf der "ANGA COM Digital" starke Bedenken. Die Telekom selbst sieht sich dank Kooperationen in einer anderen Rolle.

Jörg Schamberg, 09.06.2021, 09:47 Uhr
Glasfaser Kabel Ausbau© Gundolf Renze / Adobe Stock

Funktionieren Kooperationen für den Glasfaserausbau in Deutschland? Zu diesem Thema diskutierten im Rahmen des "Glasfasergipfels" des in diesem Jahr nur virtuellen Kongresses "ANGA COM Digital" am Dienstag führende Vertreter von Deutscher Telekom, Deutsche Glasfaser, M-net und wilhelm.tel.

Telekom: Kooperationen mit vielen Partnern

Die Telekom konnte bereits eine ganze Reihe von Kooperationen abschließen, so Dr. Dido Blankenburg, Vorstandsbeauftragter für Breitbandkooperationen der Telekom. Bei dem Bonner Konzern gebe es drei Säulen für den Ausbau: Neben dem eigenwirtschaftlich sowie dem geförderten Ausbau sei dies auch der Ausbau mit Partnern. Dies habe etwas vorangebracht, die Telekom habe eine andere Rolle bekommen.

Deutsche Glasfaser: Überbau von Glasfaser nicht sinnvoll

Guido Eidmann, der Leiter des operativen Geschäfts von Deutsche Glasfaser, sieht Kooperationen als DNA in seinem Unternehmen. Kooperationen seien ein wichtiger Bestandteil. Eine Partnerschaft gebe es beispielsweise mit dem Münchener Telekommunikationsanbieter M-net. Ein Überbau von Glasfaser würde laut Eidmann wirtschaftlich nicht funktionieren. Solange es noch weiße Flecken gebe, sei ein Überbau nicht sinnvoll.

M-net hofft auf FTTH-Kooperation mit der Telekom

M-net-Chef Nelson Killius betonte, dass der Münchener Anbieter mit vielen Spielern kooperiere. So hätten die Stadtwerke für M-net Netze gebaut. Seit rund zwei bis drei Jahren würden Kooperationen noch weiter ausgebaut. M-net wolle auch mit bundesweiten Partnern ins Gespräch kommen. Es gebe etwa eine vielversprechende Partnerschaft mit Deutsche Glasfaser. Dabei setze man auf ein neues Modell: Einer baue die passive Infrastruktur. Doch schon während der Vorvermarktung treten Deutsche Glasfaser und M-net in den Wettbewerb und bemühen sich beide um Kunden für das schnelle Netz. Killius nennt dies ein Beispiel für eine moderne Kooperation.

Im vergangenen Jahr habe es eine FTTC-Kooperation mit der Telekom gegeben. Der M-net-Chef bescheinigte der Telekom, dass sie "angekommen" sei und bereit sei in die andere Rolle zu gehen und auch mal Vorleistungen einzukaufen. Killius hofft, dass man die Kooperation mit dem Bonner Konzern bald auch auf FTTH ausweiten kann. Künftig werde es beim Glasfaserausbau aber einen Flickenteppich geben. Es sei unrealistisch, dass ein Anbieter über ein flächendeckendes Glasfasernetz verfügen wird.

wilhelm.tel: Kooperation mit großen Partnern wie die Telekom schwierig

Pfeffer in die Diskussion brachte Theo Weirich, Chef des regionalen, norddeutschen Internetanbieters wilhelm.tel. Sein Unternehmen, der drittgrößte City-Carrier in Deutschland, sei schon seit Jahren in verschiedenen Kooperationsmodellen unterwegs. Es seien Metropolregionen mit Partnern und Wettbewerbern erschlossen worden. Er glaube aber nicht daran, dass es einen freundlichen Wettbewerb gebe. Kooperationen mit großen Partnern würden nicht so gut funktionieren. Hierbei zielte er besonders auf die Telekom und warf dem Bonner Konzern einen Schlingerkurs bei der Ausbaustrategie vor: Vor 18 Monaten habe noch der Fokus auf Super-Vectoring gelegen, nun erfolge der Schwenk zu Glasfaser. Wilhelm.tel müsse jedoch langfristig planen. Es gebe aber Kooperationen mit Telefónica und 1&1.

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