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Glasfaserausbau 2011: Aktuelle Projekte der Provider

Die Gigabit-Gesellschaft soll kommen - nur wann profitiert auch der Großteil der Internetnutzer davon? Die Telekom und andere Anbieter haben erste Glasfaserprojekte an den Start gebracht. Onlinekosten.de hat einen Blick auf den aktuellen Ausbaustand und auf bereits verfügbare Glasfaserprodukte geworfen.

27.04.2011, 10:32 Uhr
DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Glasfaser gilt als Zukunft der Breitband-Infrastruktur. Deutschland hinkt beim Glasfaserausbau jedoch nicht nur Ländern wie Südkorea, Japan oder den USA hinterher. Auch im europäischen Vergleich war Deutschland Ende des vergangenen Jahres noch nicht einmal in der Top 20 des FTTH Council Europe vertreten. An die Spitze setzen konnte sich stattdessen Litauen. Das Land im Baltikum kommt auf einen Glasfasermarktanteil von 23 Prozent. Hierzulande lag die Anzahl der mit Glasfaser erreichbaren, aber nicht aktivierten Haushalte Ende 2010 laut einer Schätzung von Branchenexperten erst bei rund 660.000. Das entspricht circa 1,6 Prozent der Privathaushalte in Deutschland. Aber nur knapp 42 Prozent dieser Wohneinheiten nutzen die Glasfaser-Anschlüsse auch aktiv durch Buchung eines entsprechenden Tarifs. Weit mehr als die Hälfte der Haushalte, die schneller surfen könnten, haben derzeit offenbar noch keinen Bedarf dafür. Dabei setzt unter anderem die Deutsche Telekom auf die Gigabit-Gesellschaft. Per Glasfaser sollen Kunden in wenigen Jahren Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 1 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s) im Downstream und bis zu 500 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) im Upstream zur Verfügung stehen. Vision – oder schon bald auch Realität? Onlinekosten.de wirft einen Blick auf den aktuellen Ausbaustand einiger Anbieter und anstehende Glasfaserprojekte.

Glasfaser-Speed per FTTH direkt in die Wohnung

Generell kann die Anbindung per Glasfaser in mehreren Varianten erfolgen. Vergleichsweise kostengünstig ist Fibre to the Curb (FTTC). Hier werden lediglich die Kabelverzweiger beziehungsweise Multifunktionsgehäuse, die grauen Kästen am Straßenrand, mit Glasfaserleitungen angebunden. Diese Technologie kommt beispielsweise bereits bei VDSL2 zum Einsatz und bietet im Download Geschwindigkeiten von bis zu 50 Mbit/s. Höhere Bandbreiten ermöglicht Fibre to the Building (FTTB): die Glasfaser wird bis an die Hausanschlüsse in den Gebäuden verlegt. Die maximale Surfgeschwindigkeit mit beispielsweise bis zu 1 Gbit/s im Downstream verspricht Fibre to the Home (FTTH). Die schnellen Lichtwellenleiter führen direkt bis in die Wohnungen der Endkunden.

Hohe Investitionen zwingen zu Kooperationen - Druck durch regionale Anbieter

Der Aufbau neuer Glasfasernetze erfordert hohe Investitionen. Ein großflächiger Ausbau ist durch ein einzelnes Unternehmen wirtschaftlich kaum zu schultern. Darauf weisen Marktteilnehmer und auch die Telekom selbst immer wieder hin. Der Zwang zu Kooperationen wird stärker, hier bieten sich in ersten Projekten beispielsweise die Energieversorger an. Die Wettbewerber der Deutschen Telekom haben sich lange Zeit gesträubt, eigene Glasfasernetze aufzubauen. Stattdessen nutzten sie die Infrastruktur des ehemaligen Monopolisten. Die zunehmende Konkurrenz der Kabelnetzbetreiber und die Errichtung von schnellen Glasfasernetzen durch regionale Anbieter, beispielsweise in Köln, München oder Hamburg, verstärkte jedoch den Druck zu eigenen Projekten.

Telekom: Erste Gigabit-Pilotprojekte und gebremste Ausbaupläne

Seit November des vergangenen Jahres testet die Telekom in Dresden den ersten Gigabit-Anschluss. Der Bedarf an Geschwindigkeit wird nach Angaben von Telekom Deutschland-Chef Niek Jan van Damme weiter zunehmen, die bestehenden, langsamen Kupferleitungen müssen daher durch schnelle Glaserfaser ersetzt werden. Bis 2012 sollten bis zu zehn Prozent beziehungsweise bis zu vier Millionen Haushalte mit Glasfaser versorgt werden können, verkündete Telekom-Chef René Obermann im März des vergangenen Jahres. Insgesamt will der ehemalige Monopolist nach eigenen Angaben rund 10 Milliarden Euro in den Glasfaserausbau investieren. Doch die Realität im Jahr 2011 stellt sich anders dar. Die Telekom bremst beim Glasfaserausbau. Für dieses Jahr hat sich die Telekom den Gigabit-Ausbau mit Glasfaser per Fibre to the Home (FTTH) in zunächst zehn Städten auf die Fahnen geschrieben.

Weiter auf Seite 2: Glasfaserausbau der Telekom, von Vodafone, Telefónica und Versatel

Rund 160.000 Haushalte in den Städten Braunschweig, Brühl, Hannover, Hennigsdorf, Neu-Isenburg, Kornwestheim, Mettmann, Offenburg, Potsdam und Rastatt sollen als Erste von diesem Vorhaben profitieren. Weitere Städte will der Bonner Konzern in einigen Wochen bekanntgeben. Im nächsten Jahr sollen einige weitere hunderttausend Haushalte Glasfaser erhalten. Anfang April fiel der Startschuss für das Telekom Giganetz in Potsdam mit bis zu 200 Mbit/s im Download, der Upload soll in einem ersten Schritt maximal 100 Mbit/s betragen.

Telekom: Glasfaser-Tarife bereits vorbestellbar

Am 15. April gab die Telekom drei Glasfaser-Tarife bekannt, die ab Mai 2012 gelten. Frühbuchern winkt bei Buchung bis zum Oktober 2011 ein monatlicher Rabatt in Höhe von 10 Euro. Angeboten werden drei Pakete in jeweils zwei Geschwindigkeitsvarianten mit einem Download von 100 oder 200 Mbit/s. Für das Paket Call & Surf Comfort Fiber 100 mit 100 MBit/s monatlich berechnet der Bonner Konzern während der gesamten Vertragslaufzeit 44,95 Euro statt 54,95 Euro. Zur Wahl steht auch Entertain Comfort Fiber 100 für 54,95 Euro statt 64,95 Euro. Neben einer Doppel-Flat für Internet und Telefon ist hier auch ein digitales Fernsehangebot inklusive.

Wie bei den herkömmlichen DSL-Produkten gibt es entsprechend auch ein Paket Entertain Premium Fiber 100 für monatlich 59,95 Euro statt 69,95 Euro. Mit an Bord ist hier zusätzlich ein Film-Paket mit zehn Premium-Sendern. Wer noch schneller surfen möchte, kann zu jedem Tarif für 5 Euro monatlichen Aufpreis ein Speed-Upgrade auf 200 Mbit/s hinzubuchen. Die Telekom darf die Glasfaser-Tarife zwar selbst festlegen, die Bundesnetzagentur wird sie aber genau beobachten. Das Glasfasernetz unterliegt der Regulierung der Bonner Behörde. Zudem muss die Telekom das Glasfasernetz auch Wettbewerbern öffnen. Das wird aber frühestens mit dem offiziellen Marktstart der Glasfaser-Produkte ab Mai 2012 der Fall sein.

Vodafone & RWE: Gemeinsames Glasfaserprojekt in Rheinland-Pfalz

Der Düsseldorfer Mobilfunknetzbetreiber und DSL-Anbieter Vodafone geht das Thema Glasfaser noch behutsamer als die Telekom an und setzt auf Zusammenarbeit mit einem Partner. Vodafone kooperiert beim Glasfaserausbau mit RWE. Der Mobilfunknetzbetreiber und der Energieversorger schließen im Rahmen eines Pilotprojektes im Hunsrück in Rheinland-Pfalz zunächst die Gemeinden Laudert, Kisselbach und Wiebelsheim an das Glasfasernetz an. Die möglichen Surfgeschwindigkeiten für Privatkunden als auch Unternehmen sollen bei bis zu 100 Mbit/s liegen. Bei laufenden Verkabelungsarbeiten übernimmt RWE die Kosten für die Mitverlegung von Leerrohren. Per Glasfaser sollen auch die Mobilfunk-Basisstation besser angebunden werden. Nähere Details zum aktuellen Glasfaserstand und zur weiteren Ausbauplanung wollte Vodafone auf Anfrage unserer Redaktion zum jetzigen Zeitpunkt nicht mitteilen.

Telefónica: Ausgewählte Pilotkunden in Alice-Ausbaugebieten

Recht allgemein wies auch ein Sprecher von Telefónica Germany, Muttergesellschaft der Marken o2 und Alice, auf Glasfaser-Pilotprojekte hin. Bei diesen nutzen "ausgewählte Pilotkunden" die Glasfaser mit den Tarifen von Alice. Als Bandbreiten stehen den Kunden 100 Mbit/s im Download und 10 Mbit/s im Upload zur Verfügung. Anfang des vergangenen Jahres hatte Alice in Hamburg rund 1.000 Haushalte mit einer 15 Kilometer langen Glasfaserleitung erschlossen. Angaben zur aktuellen Länge des eigenen Glasfasernetzes oder zu konkreten Ausbauinitiativen machte das Unternehmen nicht. Da der Ausbau von Glasfaseranschlüssen sehr "investitionsintensiv und langwierig" sei, will dieser "sehr gründlich und langfristig geplant sein", teilte Telefónica gegenüber unserer Redaktion mit. Zurzeit würde Telefónica, wie viele weitere Marktteilnehmer, Ausbauoptionen und mögliche Kooperationen diskutieren. Eines der Kernthemen sei angesichts des Innovationspotentials für den Mobilfunk auch LTE.

Versatel: Großes Glasfasernetz mit Fokus auf Geschäftskunden

Der Düsseldorfer Telekommunikationskonzern Versatel verfügt über ein ausgedehntes Glasfasernetz von über 45.000 Kilometern Länge in ganz Deutschland. Im vergangenen Jahr wuchs das Netz um rund 4.000 Kilometer und es soll weiter wachsen. Mehr als 40.000 Versatel-Kunden sind direkt per FTTB-Glasfaser angebunden. Laut Versatel unterhält das Unternehmen in 32 der 50 größten deutschen Städte eine eigene Netzinfrastruktur. Der Schwerpunkt der Düsseldorfer liegt auf dem Geschäftskundensektor. Private DSL-Bestandskunden werden aktuell mit Treueaktionen belohnt, größere Neukundenaktionen bietet Versatel nicht an.

Weiter auf Seite 3: Glasfaserausbau von NetCologne, M-net, an! und Fazit

Regionale Anbieter wie beispielsweise NetCologne in Köln oder M-net in München treiben den Glasfaserausbau vor Ort mit Hochdruck voran. In ausgebauten Gebieten können Kunden bereits erste Produkte auf Glasfaserbasis buchen.

NetCologne: Glasfaser Doppel-Flat für 44,90 Euro

NetCologne bietet zum Beispiel die Multikabel Doppel-Flat 100M Premium mit bis zu 100 Mbit/s im Downstream und einem Upload von 5 Mbit/s für 44,90 Euro monatlich an. Mittelfristig sind Geschwindigkeiten von bis zu 1 Gbit/s geplant. Bereits seit einigen Jahren bauen die Kölner eines der nach eigenen Angaben hochmodernsten Glasfasernetze Europas. Im März dieses Jahres kam das NetCologne FTTB-Glasfasernetz auf eine Länge von 13.350 Kilometern. Derzeit sind rund 173.000 Wohneinheiten an das FTTB-Glasfasernetz angeschlossen, bis 2013 sollen weitere 69.000 Haushalte hinzukommen. Im Zeitraum von 2006 bis 2011 investierte NetCologne 122 Millionen Euro in den FTTB-Ausbau. Bis 2013 stehen weitere Investitionen in Höhe von 38 Millionen Euro an.

M-net: Glasfaser-Speed in München bis 100 Mbit/s - Provider an! bietet in Leipzig bis zu 1 Gbit/s

In ersten ausgebauten Stadtteilen in München, Augsburg und Erlangen bietet der bayerische Provider M-net mit der Glasfaser maxi DSL Doppel-Flat während der 24-monatigen Mindestvertragslaufzeit für 29,90 Euro zunächst eine Surfgeschwindigkeit von bis zu 25 Mbit/s. Ein Highspeed-Upgrade auf bis zu 100 Mbit/s ist optional zwei Jahre lang für einen monatlichen Aufpreis von 4,99 Euro statt 19,90 Euro erhältlich. Aktuell sind glasfaserbasierte Anschlüsse in rund 60.000 Haushalten verfügbar. In Städten setzt M-net auf FTTB/H, in ländlichen Gebieten auf FTTC.

In Leipzig erhalten Privatkunden auf Wunsch sogar bereits Internet-Bandbreiten von bis zu 1 Gbit/s. Kunden von an!, einer Marke des regionalen Anbieters HL Komm, können den für 49,90 Euro verfügbaren 100 Mbit/s schnellen Premiumanschluss gegen 50 Euro monatlichen Aufpreis auf 500 Mbit/s beschleunigen. Für monatlich 100 Euro zusätzlich stellt an! bis zu 1.000 Mbit/s bereit. Der Upload erfolgt mit maximal 20 Mbit/s.

Fazit: Die Gigabit-Gesellschaft kommt im Schneckentempo

Neben den aufgeführten Beispielen gibt es noch eine ganze Reihe kleinerer lokaler Anbieter, die eigene Glasfaser-Projekte in Angriff genommen haben. All dies sind derzeit aber noch Insellösungen. Eine Aufnahme Deutschlands in die europäische Top 20 der Länder mit der höchsten Glasfaserverbreitung ist angesichts des aktuellen Ausbaustands der neuen Netze eher langfristig realistisch. Die derzeit angebotenen Downloadgeschwindigkeiten liegen mit durchschnittlich maximal 100 bis 200 Mbit/s noch weit von 1 Gbit/s entfernt.

Doch es stellt sich auch die Frage: Benötigen private Internetnutzer wirklich solch hohe Bandbreiten? Die zögerliche Nachfrage nach bereits bestehenden Glasfaser-Produkten führt beispielsweise die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) Anfang April auf das Fehlen eines auf hohe Bandbreiten angewiesenen "Wunderdienstes" zurück. Selbst HDTV lässt sich mit aktuellen Anschlüssen realisieren. Und sogar Telekom-Chef Obermann hat eingeräumt, dass es bei Glasfaser noch an "Marktnachfrage, Anwendungen und auch noch an der Preisbereitschaft für solch hohe Leistungen" fehlt.

Der Glasfaser-Ausbau stellt damit derzeit noch eine Luxus-Versorgung dar. Gerade in ländlichen Regionen bieten sich statt teurer, aufwendiger Glasfaserverkabelung eher kostengünstigere Mobilfunk-Lösungen wie LTE an. Ohne entsprechende Fördermittel werden ländliche Gebiete, wenn sie nicht gerade als Pilotprojekt ausgewählt werden, noch lange auf eine Erschließung mit Glasfaser warten müssen. Aber auch in Großstädten ist aufgrund der erforderlichen Tiefbauarbeiten eine Anbindung per FTTB oder FTTH eher mittel- bis langfristig und wirtschaftlich meist wohl auch nur in Kooperation mit Energieversorgern oder anderen Kooperationspartnern realisierbar.

Beispiele für bereits heute verfügbare oder bereits buchbare Highspeed-Glasfaserprodukte

(Jörg Schamberg)

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