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Gewerbeverdacht? - 3U zieht die DSL-Bremse

Wer bei 3U zu viel Traffic generiert, läuft Gefahr, sich mit niedrigeren Bandbreiten zufrieden geben zu müssen.

03.03.2006, 18:25 Uhr
Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

Bei 3U Telecom geht man gegen Flatrate-Kunden mit Gewerbe-ähnlichem Datenverbrauch vor. Wie schon viele andere Provider in der Vergangenheit schlägt 3U dabei den Weg der Bandbreitendrosselung ein. Ein legaler Weg?
Aus DSL mach ISDN
Der 3U-Telecom-Kunde Klaus H.* aus Mainz traute seinen Augen nicht, als er eines Tages nur zweifache ISDN-Geschwindigkeit an seinem 3U-DSL-Anschluss erreichte. Er vermutete eine Störung und kontaktierte den Support. Die Antwort: 3U Telecom verdächtige Klaus H. der gewerblichen Flatrate-Nutzung und drossele dessen Downstream jeden Tag, sobald mehr als 1,5 Gigabyte durch die Leitung flossen.
Wir fragen 3U Telecom, ob angeblich Gewerbetreibende wirklich in der Bandbreite beschnitten werden. Ein Sprecher bejaht, unterstreicht jedoch, dass dies nur in Einzelfällen passiere. Legitimiert werde diese Vorgehensweise durch den Passus 5.3 in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, so der Sprecher. Dieser besagt: "Wird ein Tarif, der nur zur nicht gewerblichen Nutzung berechtigt, tatsächlich gewerblich genutzt, so ist 3U berechtigt, die Bandbreite soweit zu reduzieren, dass die 3U-Netzinfrastruktur nicht übermäßig belastet wird. Eine gewerbliche Nutzung wird von 3U widerlegbar angenommen, wenn der Nutzer Verbindungsdienstleistungen im verkehrsunüblichen Umfang in Anspruch nimmt."
Kundenanalyse?
Führt 3U Telecom also eine Kundenanalyse durch? "Nein, es gibt weder ein System noch einen Automatismus". Details zum "Auswahlverfahren" konnte man nicht geben. Lediglich, dass es sich bei den ausgebremsten Kunden um wirklich sehr aktive Traffic-Generatoren handeln muss, ließ der Sprecher durchscheinen. Klaus H. surfte monatlich zwischen 30 und 60 Gigabyte Traffic zusammen. Für eine DSL-Anbindung nun wirklich kein exzessiver Wert.
Der Vertreter der Aktiengesellschaft war sehr darauf erpicht, dass diese Vorgehensweise der Allgemeinheit der Klientel dienen solle. Wie zuvorkommend - nur fraglich, welcher Kundendaten sich 3U bemächtigt. Die Speicherung (und folglich auch die Auswertung) personenbezogener Traffic-Statistiken von Flatrate-Kunden ist jedenfalls illegal.
* = Name geändert

(Michael Müller)

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