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Gerüchteküche: Chinesen knacken Skype-Protokoll

Einem Blog zufolge ist es einem chinesischen Unternehmen gelungen, die Skype-Software per "reverse engineering" zu knacken und zu kopieren.

14.07.2006, 16:16 Uhr
Sky © Sky Deutschland

Charlie Paglee könnte als einer der Gurus in Sachen VoIP bezeichnet werden. Dass er auch prophetische Eigenschaften hat, hätte der Amerikaner aber wohl selbst nicht geglaubt. Bereits Ende vergangenen Jahres sagte er in seinem VoIP-Blog voraus, im August 2006 würde es gelingen, das Skype-Protokoll zu knacken. Zugegeben, das Datum stimmt nicht ganz. Dennoch hat seinen Informationen zufolge jetzt eine chinesische Firma per "reverse engineering" geschafft, das Programm zu kopieren. Gestern habe er einen Skype-Anruf von einem chinesischen Freund erhalten – der allerdings gar nicht über das beliebte Softphone geführt wurde.
Analysiert und nachgebaut
Skype ist weltberühmt, wie die Software arbeitet, wusste bisher allerdings keiner so genau. Das verwendete Protokoll ist bis heute unter Verschluss. Nun soll es einer nicht namentlich genannten chinesischen Firma gelungen sein, den Programmcode bis ins letzte Detail zu analysieren und nachzubauen (reverse engineering). Nicht nur äußerlich ähneln die veröffentlichten Screenshots dem Original. Die Testtelefonate zwischen Skype- und Fake-Skype-Client sollen über mehrere Minuten einwandfrei funktioniert haben. Sogar in Sachen Sprachqualität soll die neue Konkurrenz ebenbürtig sein. Es gibt aber auch wesentliche Unterschiede: so nutzt Skype eine Technik namens "SuperNode", um Firewalls und NAT-Router zu umgehen. Damit kann jeder Rechner, auf dem Skype installiert ist, zum "SuperNode" werden, um Gespräche zwischen anderen Teilnehmern zu vermitteln. Die chinesische Variante unterstützt diese Funktion nicht, die als sicherheitskritisch angesehen wird.
Erstes Release im August
Noch kann Skype durchatmen: die Alternative aus Fernost kann im Augenblick nur Peer-to-Peer Telefonate. Außerdem kann der Status der Nutzer noch nicht angezeigt werden. Auch soll die Software noch nicht stabil genug laufen. Für August planen die Macher der Skype-Alternative allerdings, bereits eine erste Version zu veröffentlichen. Dann stimmt nicht nur die Prophezeiung von Paglee wieder. Auch stellen sich damit ein paar interessante Fragen, was die Zukunft von Skype anbelangt. Der VoIP-Service ist in China sowieso umstritten. Paglee hält es daher für gut möglich, dass eine in China ansässige Firma schließlich die Skype-Alternative lizenzieren wird, um einen eigenen Internet-Telefonie-Service anbieten zu können.

(Aleksandra Leon)

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