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Geocaching: Schatzsucher eröffnen Stöber-Saison

Mit den ersten Sonnenstrahlen stromern sie wieder durch Wald und Feld: Die Geocacher schwärmen aus. Ein Hobby, das Kinder vor die Tür lockt und aus gestandenden Firmenteams wieder jugendliche Pfadfinder macht. Und das nur für ein kleine Kiste - die Neugier macht's möglich

07.04.2013, 08:01 Uhr (Quelle: DPA)
Welt© Julien Eichinger / Fotolia.com

"Spazierengehen? Och wie langweilig." Eltern lieben es, Kinder hassen es, wenn am Sonntagnachmittag der traditionelle Familienausflug in den Park oder Wald nebenan auf dem Programm steht. Half früher nur ein Eis oder der Spielplatz um die Ecke beim Versüßen der nervigen Freizeitgestaltung, können Eltern jetzt einen weiteren Trumpf aus der Tasche ziehen und sich mit der natürlichen Neugierde der Sprösslinge verbünden. Das Zauberwort heißt Geocaching.

Über 280.000 Verstecke in Deutschland

Nase voll vom Stubenhocken – aber Location-Based Games sind zu hektisch oder nicht griffbereit? Dann ist Geocaching ein Tipp für einen kurzweiligen Nachmittag im heimischen "Outback". Mit steigenden Temperaturen sieht man die Cacher wieder in Ruinen und Unterholz umherstromern und per GPS – im Regelfall mittels Smartphone - kleine Kisten aufstöbern, die Privatleute versteckt haben. Aber auch gemeinnützige Organisationen schwören zunehmend auf die neue Schnitzeljagd als Erlebnis-Abenteuer.

Verlassene Kasernen, ein mächtiger Baum im Wald oder die Bank im Lieblingspark: Geocaching führt an verborgene Orte oder zeigt Altbekanntes irgendwie neu. Die Schnitzeljagd via GPS-Gerät hat sich zu einer beliebten Freizeitaktivität gemausert. Alles, was man braucht, ist ein Handy mit GPS, die Koordinaten aus dem Internet - und los geht die Suche.

Über 280.000 Verstecke listet das Verzeichnis geocaching.com für Deutschland inzwischen auf. Die meisten haben sich Privatleute und Hobby-Sucher ausgedacht. Aber auch Vereine und Stiftungen entdecken die Schatzsuche zunehmend für sich: Sie legen eigene Caches (engl.: "Geheimes Lager"). Darunter verstehen sie Filmdosen, Brotboxen, Brillenetuis oder Plastikschachteln, die als Schatz fungieren.


"Das Spannende am Geocaching ist, dass man überall etwas finden kann - nicht nur 0815-Schlösser und -Burgen", sagt Monique Müller. Sie ist Revierförsterin im Sauener Wald in Brandenburg bei der Stiftung August Bier. Vor vier Jahren hat sie angefangen, in ihrem Wald die kleinen Schatullen zu verstecken, und deren Koordinaten im Internet veröffentlicht. Sie kenne Familien, die ihre Ausflüge nur noch mit dem GPS-Gerät machten. "Bei uns suchen viele Schulklassen, aber auch ältere Menschen - gerade nach den kniffligen Verstecken."

Spielregel: Buddeln gilt nicht

Auf dem Weg von Cache zu Cache lösen die Besucher des Waldes Rätsel über Bäume, Tiere - und über das kleine brandenburgische Straßenangerdorf Sauen mit seinen etwa 35 Häusern aus rotem Klinker. "Geocacher sind eine eingeschworene Gemeinschaft", sagt Müller. Für die Verstecke gibt es Regeln: Zum Beispiel müssen sie mehrere Meter voneinander entfernt liegen, und verbuddeln darf man die Behälter auch nicht. In einem winzigen Büchlein können die Finder dann ihre Pseudonyme eintragen und sich so auf der Liste der Gralsfinder verewigen.

Brandenburg hat es in der Szene zu einigem Ruhm gebracht. Denn der allererste Cache Deutschlands soll hier versteckt worden sein: eine Keksdose im Oktober 2000 unter dem Namen "First Germany" bei Königs Wusterhausen südlich von Berlin. Damit schwappte die Idee aus den USA nach Deutschland. Fast 9.000 Cache liegen mittlerweile irgendwo versteckt in Brandenburg, wie das größte Geocaching-Verzeichnis im Internet angibt. In Berlin sind es rund 3.000.

"Ich finde,Geocaching eignet sich super, um eine Region kennenzulernen - ich habe so zum Beispiel eine geheime Badestelle gefunden", erzählt Thekla Noack. Die 22-Jährige hat ihre Leidenschaft für die GPS-Suche im vergangenen Jahr entdeckt: Damals hat sie ein Freiwilliges Ökologisches Jahr bei der Stiftung August Bier angefangen. Nun entwirft sie eine eigene Such-Strecke mit fünf Stationen: "Es geht um ausländische Baumarten in einer Art modernem Naturlehrpfad." Und wie sollte es anders sein: Ihre Caches sind meist in oder an Bäumen versteckt.

Touristmus-Branche vergoldet Spaß am Stöbern

Auch einige kommerzielle Tourismus-Anbieter haben die Idee des Geocachings aufgegriffen, bieten Geocache-Erlebnistouren als Gruppenausflug oder Betriebsfeier an. Lutz Weichelt ist einer dieser Anbieter. Für seine Brandenburg-Safaris bestimmt er die Verstecke und die Koordinaten allerdings selbst. Und hat einen anregenden Lockvogel im Gepäck: Als "Schatz" winkt nicht die profane Brotbox mit Zettel, sondern Schnäpse oder Sektflaschen. "Es soll ja auch Spaß machen", sagt Weichelt.

Tatsächlich hört sich Geocaching oft einfacher an, als es ist. Die bereits erwähnten Spielregeln qualifizieren den Cacher zum legitimen Mitglied der Community. Außerdem machen technische Hürden den modernen Pfadfindern das Leben schwer: GPS-Geräte funktionieren nur auf etwa zehn Meter genau, schlechtes Wetter, Bäume oder Berge können die Suche stören.

"Das ist schon eine kleine Wissenschaft für sich", meint Noack. Und die Belohnung liegt wie so oft nicht allein im Ziel der Schatzsuche, sondern am Wegesrand: Man kann "Dinge entdecken, an denen man als Wanderer einfach so vorbei geht"

(Dorothee Monreal)

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