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"Generation Kopf unten" - einsam durch Smartphone?

Tippen ist Kult - reden ist out: Die Sprösslinge von heute schwätzen lieber per Daumen und Smartphone als mit den Lippen. Und doch gibt es Hoffnung für die Zivilisation. Ein Blick in die Geschichte zeigt: Auch Buchdruck und Zeitung waren einst als Kulturkiller verpönt - und die Menschheit besteht bis heute.

17.05.2014, 08:01 Uhr (Quelle: DPA)
Handy Telefonat© Yuri Arcurs / Fotolia.com

Ohne Smartphone geht nichts mehr. Wo früher auf Parties noch Gelächter und Gläserklirren dominierten, sitzen die Kids heute zunehmend im Kreis, schweigend und tippend. Beim Sonntagskaffee bei der Oma lugen iPhone und Co heimlich unter dem Tischtuch hervor. Von Bus und Bahn ganz zu schweigen. Keine Kommunikation? Von wegen. Statt die Lippen zu bewegen, hauen die Youngsters im rasenden Tempo in die Tasten, bis die Daumen schmerzen: Messenger wie Whatsapp sind offenbar im Begriff, die Stimmen zu ersetzen - und das auch bei Sprösslingen, die von Natur aus weder taub noch stumm sind.

"Kopf unter" in die Kommunikationskrise?

In den letzten Monaten hat sich eine neue Bezeichnung dafür eingebürgert: die "head-down generation" oder "Generation Kopf unten" - so benannt nach der Kopfhaltung der mit Smartphone oder Tablet beschäftigten Kids. Viele Eltern fragen sich: Ist das noch normal? Droht die soziale Abkapselung? Diese Sorge spiegelt auch der derzeitige Renner auf YouTube mit mehr als 35 Millionen Abrufen. Sein Titel: "Look Up" - schau hoch! In dem Clip bekennt der junge britische Autor und Filmemacher Gary Turk: "Ich habe 422 Freunde. Trotzdem bin ich einsam."

Was auffällt: Turk verbreitet seine Botschaft über eben jene sozialen Netzwerke, die er heftig kritisiert. Skeptiker in der Netzgemeinde fragen sich auch: Haben wir früher, als wir in der U-Bahn noch keinen Bildschirm im Mäusekino-Format bei uns hatten, wirklich alle mit unseren Sitznachbarn gesprochen? Waren die Kinder wirklich so naturverbunden, dass sie jeden Tag einen frischen Regenwurm in der Hosentasche hatten?


Gary Turks Plädoyer gegen Dauerdaddeln am Smartphone (in Englisch).

Prof. Winfred Kaminski, Leiter des Instituts für Medienforschung und Medienpädagogik in Köln, muss schmunzeln: "Schon Platon hat gegen die Schrift gewettert, weil sie das Erinnerungsvermögen zerstöre, weil wir nichts mehr auswendig lernen - natürlich, Homer war ein Sänger." So ging es weiter: Bei der Erfindung des Buchdrucks, bei der Ausbreitung der Lesefähigkeit - immer gab es massive Bedenken.

Im 17. Jahrhundert wetterte man gegen "Zeitungssucht", im 20. Jahrhundert gegen "Telefonitis". Dann folgten die "viereckigen Augen", die man angeblich vom Fernsehen bekam. "Videorecorder? Kommt mir nicht ins Haus! Als ob drei Fernsehprogramme nicht reichen!" Das war um 1980 das Credo vieler Bildungsbürger.

"Early Adopters" sind stets in der Kritik

Kaminski meint: "Jedes Medium braucht eine gewisse Zeit, ehe es von den sogenannten "early adopters" - das sind ja meist die Jüngeren, die auf sowas abfahren - in die Mitte der Gesellschaft hineinreicht. Sobald die 60-Jährigen das auch normal benutzen, spricht kein Mensch mehr davon." Ulrike Wagner, die Direktorin des Instituts für Medienpädagogik in München, sieht es ähnlich: "Ein schlichtes "Früher-war-alles-besser" verklärt den Blick und lässt außer Acht, welche Potenziale diese neuen Medien mit sich bringen."

Soziale Netze können junge Menschen sogar schneller zusammenführen als im realen Leben. Auf Whatsapp kann man sich sogar relativ einfach "I love you" gestehen - undenkbar, wenn man sich dabei auf dem Pausenhof in die Augen blicken müsste. Und auch die Antwort fällt erstaunlich leicht - Man muss nur aufpassen, dass man das "I love you too" nicht an die ganze Gruppe durchschreibt.

(Dorothee Monreal)

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