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GEMA vs Saugstube: Wo bleibt die DNS-Sperre?

Mitte des letzten Jahres wollte die GEMA zahlreiche eDonkey-Seiten auf DNS-Ebene sperren lassen. Passiert ist bis heute nichts. Oder doch?

21.04.2006, 18:13 Uhr
DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Sommer 2005, wieder einmal ist das freie Internet in Gefahr. Die "Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte" (GEMA) will ungeliebte Internetseiten per DNS-Sperre zensieren lassen. Bei den Providern, die dem GEMA-Wunsch hätten nachkommen sollen, sorgte die Drohgebärde für einige Aufregung. Doch passiert ist seither nichts.
Böser Esel
Wir erinnern uns: Im Juli 2005 erreichte 42 Internet Service Provider ein 35-seitiges Schreiben, dass von der Münchner Kanzlei Becker, Büttner, Held im Auftrag der GEMA verfasst wurde. Der Inhalt: eine Liste mit insgesamt 18 eDonkey-Websites und die Aufforderung, benannte Seiten binnen kürzester Zeit per DNS-Löschung unerreichbar zu machen. Der Protest war groß.
Die betroffenen Provider hielten mit ihrer Kritik an der GEMA-Aktion nicht hinterm Berg. Branchenriese 1&1 verwahrte sich vehement dagegen, "Nutzer pauschal zu kriminalisieren". tlink-Chef Vicente Hernando urteilte ähnlich - seiner Ansicht nach könne eine Manipulation des DNS-Dienstes "nicht das Ziel sein".


Schwarze Liste
In der Branche herrschte trotz aller Nervosität ungewohnte Einigkeit. Kein Unternehmen wollte der GEMA Gehorsam leisten und der Aufforderung zur Sperrung nachkommen. Bis heute sind die Internetseiten der "Schwarzen Liste" über jeden Internetanbieter erreichbar, keine Klagen anhängig. Hat die GEMA also nur geblufft? Von leeren Drohungen will die GEMA allerdings nichts wissen. "Die GEMA hat keineswegs ihren Anspruch aufgegeben", stellt eine Sprecherin klar. "Im Gegenteil: Die Access Provider haben nach unseren anwaltlichen Anspruchschreiben Verhandlungsgespräche mit uns aufgenommen."
Schmusekurs?
Welche Provider im Austausch mit der GEMA stehen, wollte man uns nicht offenbaren, da "frühzeitige Veröffentlichungen hierzu den Ablauf der Gespräche beeinträchtigen könnten". Lediglich, dass die Verhandlungen "mit den größten deutschen Providern sowie Verbänden" geführt würden, teilte man uns mit. Die DNS-Sperre sei für die Verwertungsgesellschaft auch weiterhin eine Option. Dennoch seien auch "andere Lösungen denkbar", heißt es in München.
Offenbar verlaufen die Verhandlungen äußerst schleppend. 1&1 gab an, bisher nichts mehr gehört zu haben, auch T-Online steht nach eigenen Angaben "mit der GEMA nicht in Verhandlungen bezüglich der Sperrung von Websites". Die Vertreter der in Frage kommenden Verbände zucken auf Anfrage ebenso mit den Achseln. Nur der BITKOM bestätigt Gespräche im letzten Sommer, hat jetzt aber auch schon eine Weile nichts mehr in der Sache gehört.
Großes Schweigen
Mit welchen Providern wird denn nun tatsächlich verhandelt? Und wie geht es weiter? Auf die Beantwortung dieser Fragen durch die GEMA warten wir bis heute. Die Branche wird es nicht stören, wenn sie unbeantwortet bleiben. Und die Saugstube ist weiterhin auf Sendung.

(Michael Müller)

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