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Geklaute E-Books: Raubkopierer im Visier

Eine anhaltende Absatzflaute lässt zahlreiche US-Verlage und Autoren auf neuen Schwung durch E-Book-Verkäufe im Internet hoffen. Jedoch grassiert auch die Angst vor einer neuen Flut mit illegalen Kopien.

06.10.2009, 11:16 Uhr
Internetnutzung© adam36 / Fotolia.com

Früher stahlen Piraten mit Vorliebe Schatzkarten, um auf fernen Inseln sagenhafte Goldmengen zu finden. Oder sie plünderten spanische Schiffe im Auftrag der englischen Krone. Heute macht die klassische Seeräuberei nur noch einen Teil der zeitgenössischen Piraterie aus. Die meisten Piraten tummeln sich mittlerweile im Internet und tauschen illegal Filme, Computerspiele sowie Musikdateien. Und zunehmend Bücher. Seit kostenpflichtige E-Books verstärkt auf den Markt drängen, steigt daher die Angst bei den US-Verlagen vor einer ähnlich drastischen Entwicklung wie im Musikbereich.
Raubkopien als Umsatzgefahr
"Wir beobachten eine steigende Anzahl von Raubkopien bei allen Arten von Büchern - so gut wie jede Kategorie ist hier vertreten", so Ed McCoyd, Geschäftsführer des amerikanischen Verlegerverbandes Association of American Publishers gegenüber der "New York Times". "Was aber passiert erst, wenn 20 bis 30 Prozent aller Leser auf digitale Bücher umsteigen? Piraterie ist ein ernstzunehmendes Problem." Denn trotz aller Befürchtungen liegen die Hoffnungen der Verlage auf den E-Books. Zwar reicht deren diesjähriger Anteil am Umsatz in den USA mit 81,5 Millionen Dollar nicht annähernd an die klassischen Buchverkäufe heran, jedoch versprechen zahlreiche neue E-Book-Reader- etwa der "Daily Edition" von Sony oder der Kindle von Amazon - wachsende Umsätze sowie mehr Alltagstauglichkeit.
Absatzschwäche im klassischen Buchhandel
Und neue Leser - besonders unter den jüngeren Altersgruppen. Seit Jahren befindet sich die US-Buchbranche bereits im Abwärtstrend. So wurden nach Schätzung des Verbandes allein 2008 rund 13 Prozent weniger Bücher verkauft als noch 2007. In diesem Jahr scheint der Absatz weiter zu fallen: Im Juli lagen die Verkaufszahlen 15,5 Prozent unter den Vergleichswerten im Vorjahr.
Das E-Book wird damit für die Verlagsindustrie in den USA ein unverzichtbarer Rettungsanker in der Krise. Wer den angestrebten Erfolg gefährdet, ist auch schnell ausgemacht. Filesharing-Portale wie RapidShare, Megaupload oder Hotfile gelten als Hort der Online-Piraterie und notorisch urheberrechtsfreier Raum. "Soweit wir das sagen können, ist dabei RapidShare die Quelle für Raubkopien im Internet. Einige unserer Verlage sehen bei mehr als der Hälfte aller Urheberrechtsverstöße eine Verbindung zu diesem Unternehmen", sagt McCoyd mit Blick auf die Schweizer.
"Für uns sind das nur Dateien"
RapidShare hingegen gibt sich ahnungslos und sieht sich keiner Schuld bewusst. So wisse man nicht, welche Arten von Dateien auf den eigenen Servern lägen. "Für uns sind das alles lediglich Dateien", kommentiert RapidShare-Sprecherin Katharina Scheid die Vorwürfe aus den USA gegenüber der "New York Times". Zudem würde jede illegale Datei auf Anfrage sofort entfernt, vorausgesetzt, es werde eine konkrete URL genannt. Die Suche nach den Raubkopien obliegt freilich den Urhebern selbst - meist ein aussichtsloses Unterfangen. RapidShare selbst sieht sich derweil nicht in der Lage, bestimmte Dateien etwa bereits beim Upload - etwa mittels Filtertechnik - auszusperren.
Spitzenplatz bei Raubkopien
So ist es auch kein Wunder, dass der Hoster weiterhin einen Spitzenplatz bei der Verteilung von Raubkopien einnimmt. Bei einem Test der kalifornischen Anti-Piraterie-Firma Attributor mit dem E-Book "The Lost Symbol" von Erfolgsautor Dan Brown wurden allein 102 der 166 illegal im Internet verfügbaren Kopien bei RapidShare gefunden.
Die Antwort der Schweizer auf die Vorwürfe ist simpel: Die Autoren sollten doch von Bands wie Nine Inch Nails oder Coldplay lernen. Diese vermarkteten sich schließlich auch selbst, indem sie Teile ihrer Werke kostenfrei im Netz verteilten. Für die Künstler bleibt da häufig nur Galgenhumor: Viele nähmen den Vorschlag gern an - sobald ihre Bücherlesungen auch ganze Stadien füllen.

(Christian Wolf)

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