Security

Gefahr im Web: Terror, Rassismus und Pornografie

Auf einer dreitägigen Konferenz des Bundeskriminalamt mit dem Titel "Tatort Internet" ging es schwerpunktmäßig um die Bekämpfung des islamistischen Terrorismus im Netz.

22.11.2007, 09:16 Uhr
Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

In dem vierminütigen Video warnte ein Sprecher mit verzerrter Stimme die "Kreuzfahrer und Feinde des Islam in Amerika, Europa und speziell in Deutschland". Das neue Drohvideo der "Globalen Islamischen Medienfront" (GIMF) sorgte auf der Herbsttagung des Bundeskriminalamtes in Wiesbaden für Wirbel. Denn auf der dreitägigen Konferenz mit dem Titel "Tatort Internet" ging es schwerpunktmäßig um die Bekämpfung des islamistischen Terrorismus im Netz.
Internet als Kriminalitätsmedium
"Der Staat darf sich nicht blind, taub und handlungsunfähig machen", fasste BKA-Präsident Jörg Ziercke die Suche nach einer neuen "Kriminalistik der digitalen Welt" zusammen. Im Fokus der Polizei stehen dabei aber auch Kinderpornografie und rechtsextremistische Websites.
Das islamistische Propaganda-Netzwerk GIMF, das bereits im März ein ähnliches Video veröffentlicht hatte, griff diesmal nicht nur die Regierungen Österreichs und Deutschlands wegen ihres Engagements in Afghanistan an, sondern auch Muslime in Deutschland, die sich um Integration bemühen. So werden die Logos des Zentralrats der Muslime in Deutschland und der Türkisch-Islamischen Union (DITIB) gezeigt. Auch Bilder ihrer Vorsitzenden sind zu sehen. Nach Auffassung des BKA verändert sich die konkrete Gefahrensituation in Deutschland durch das Video zwar nicht. Doch es sei keinesfalls harmlos, da es eine "Emotionalisierung bei denen hervorrufen" könnte, die sich sowieso "leicht fanatisieren" ließen, sagte Ziercke.
Rund 5800 Websites mit terroristischen Inhalten gibt es nach Einschätzung des Bundeskriminalamtes im Internet. Hunderte von Terror-Helfer stellen alles Mögliche ins Netz - von Erziehungstipps für Mütter von angehenden Selbstmordattentätern über kriegerischen Computerspiele für die Kleinsten bis hin zu detaillierten Anleitungen zum Sprengstoffmischen und Bombenbauen. Nach einer US-Studie beschäftigen sich 60 Prozent der entsprechenden Seiten allerdings mit eher ideologischen und kulturellen Fragen. Ziercke räumte bei der Tagung in Wiesbaden ein, dass die Islamisten einen technologischen Vorsprung vor den Sicherheitsbehörden hätten. Dieser müsse schnellstmöglich mit "technisch offenen Lösungen" und durch "flexible rechtliche Rahmenbedingungen" aufgeholt werden. Dementsprechend hielt der BKA-Chef genauso wie Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und der Vizechef des Verfassungsschutzes, Hans Remberg, ein flammendes Plädoyer für die umstrittene Online-Durchsuchung zur Terrorabwehr.
Rechtsextremismus nimmt zu
Ein weiterer "Tatort" im Internet, mit dem sich die Polizei zunehmend befasst, ist die rechtsextremistische Propaganda. 2007 gab es laut Stefan Glaser von jugendschutz.net 1450 rechtsextremistische Seiten, 2006 waren es noch 250 weniger. 160 virtuelle Versandhandel sind zu finden, wo im Internet T-Shirts, Plakate und Devotionalien bestellt werden können. Die Neonazis würden dabei immer professioneller, berichtete Glaser in Wiesbaden.
Längst dominierten auf den Websites nicht mehr nur die Farben schwarz, rot und weiß, sondern die Betreiber richteten sich mit Comicfiguren und interaktiven Spielen speziell an Kinder und Jugendliche. Besonders gefährlich seien die Seiten, auf denen "subtiler" Rassismus verbreitet werde und bewusst der Grad der Volksverhetzung vermieden werde, der zu einer Sperrung der Seite führen würde, sagte der Experte.
Weiteres Problem: Kinderpornografie
Noch mehr als der Rechtsextremismus ist die Kinderpornografie im Netz eine Herausforderung für die Sicherheitsbehörden. Es handele sich um einen "Wachstumsmarkt" sagte Ziercke. Hier konnte das BKA erst kürzlich einen Fahndungserfolg verbuchen. Die Behörde rekonstruierte die digital verfälschten Fotos eines weltweit gesuchte kanadischen Kinderschänders, der daraufhin in Thailand festgenommen wurde. Doch nicht nur die Kinderschänder sind das Problem. Auf Kinderporno-Dateien im weltweiten Netz griffen im vergangenen Jahr fast 240.000 User zu, so die traurige Bilanz des BKA.

(Hayo Lücke)

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