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GB: Interneterziehung wird Pflichtfach in der Schule

Ab 2011 wird das Fach Interneterziehung für alle Kinder in britischen Schulen zur Pflicht. Ziel: Der richtige Umgang mit dem Web soll in Zeiten von Datenskandalen, Cybermobbing und unbeschränkter Pornografie frühzeitig erlernt werden. Auch ein Modell für Deutschland?

10.12.2009, 12:46 Uhr
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Dieser Schritt hat Vorbildwirkung: In Großbritannien wird der richtige Umgang mit dem Internet ab 2011 zum Schul-Pflichtfach, das berichtet die BBC. Britische Schüler sollen im Unterricht lernen, was sich ihre Eltern mitunter mühsam selbst erarbeiten müssen: die Medienkompetenz im weltweiten Web. Denn das Internet hat die Gesellschaft innerhalb einer Generation massiv verändert und die Kommunikationsabläufe revolutioniert. Zwar war der Zugang zu Informationen und Wissen nie zuvor in der Geschichte so einfach. Viele Erwachsene stehen den unbegrenzten Möglichkeiten im Netz aber selbst eher hilflos gegenüber, während ihre Kinder mit Selbstverständlichkeit auf das junge Medium zugreifen und dabei ungefiltert auf die Facetten und Abgründe moderner Gesellschaften stoßen.
Im Netz ist (fast) alles möglich
Das Web ist im positiven wie im negativen Sinne das Medium der Demokratie. Es ermöglicht praktisch Jedem die unbeschränkte Teilnahme am Meinungsbildungs- und Publikationsprozess. Selbst in Diktaturen lässt sich dies nur schwer kontrollieren und bildet einen - wenn auch oft nur schwachen - Gegenpol zu staatlich gelenkten Medien. Die wochenlangen Proteste im Iran haben das zuletzt eindrucksvoll verdeutlicht. Tagtäglich zeigen sich allerdings ebenfalls die unschönen Seiten der weltweiten Vernetzung. Besonders für Kinder und Jugendliche ist die Offenheit und Grenzenlosigkeit des Webs oft problematisch. Sie erhalten Zugang zu allerlei Inhalten, die sie selbst nicht einordnen können, die einer sachgerechten Kommentierung bedürften oder gar erst im Erwachsenenalter zugänglich sein sollten.
Kein Problembewusstsein bei Kindern und Jugendlichen
Auch sind gerade vielen jungen Surfern die Mechanismen des Netzes und die damit verbundenen Datenschutzprobleme und Informationsreichweiten nicht bewusst. Sie laden unbedarft private Bilder in soziale Netzwerke, geben in Chaträumen ihre Kontaktdaten preis oder berichten ausführlich über intime Details ihres Lebens. So verwundert es nicht, welche extremen Auswüchse die Anarchie im Netz produzieren kann. Plötzlich gehören Porno- und Gewaltvideos aus dem Internet zum Schul-Alltag, Schüler werden mit Nacktfotos erpresst oder sind süchtig nach Onlinespielen. Auch das Mobbing über soziale Netzwerke hat bereits dramatische Ausmaße angenommen und bis zum Selbstmord Betroffener geführt.
Weitere Gefahren kommen hinzu: Pädophile, die sich in Chats als Gleichaltrige ausgeben und das Vertrauen von Kindern erschleichen, Neonazi-Websites oder Datenklau. Betroffene Eltern bleiben dabei allzu häufig mit den Problemen ihrer Kinder allein und sind völlig überfordert. Dabei wird Medienkompetenz schon im frühen Alter immer wichtiger: Bereits 71 Prozent der sieben- bis zehnjährigen Kinder surfen regelmäßig zuhause im Internet.

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Um das Problem nachhaltig anzugehen, werden in britischen Schulen unter dem Motto "Click Clever, Click Safe" eigene Unterrichtseinheiten zum Umgang mit dem Internet eingeführt. Initiator ist das UK Council on Child Internet Safety (UKCCIS) – eine neue Verwaltungsstelle, der 140 Unternehmen, Institutionen und Organisationen angehören, darunter zahlreiche bedeutende Akteure der Netz- und IT-Welt.
Praxisnähe und früher Start
Neben Facebook, Google, Microsoft und Yahoo! Finden sich auch Cisco Systems, My Space, Nintendo, Sony Europe, T-Mobile oder Vodafone unter den Mitgliedern. Begleitet wird die Initiative durch mehrere Kampagnen, die bis Ende 2011 verschiedene Aspekte des Problems öffentlich beleuchten werden. Auch konkrete Maßnahmen, wie ein sogenannter "Panikknopf" auf Webseiten, mit dem sich anstößige Inhalte sofort melden lassen, sind bereits in Planung. Im Unterricht selbst wird auf Praxisnähe und eine frühzeitige Einführung des Themas gesetzt. Schon fünfjährige Schulanfänger sollen in England das Fach ab September 2011 verpflichtend besuchen, um ein Problembewusstsein zu schaffen. Anhand ihrer Alltagswirklichkeit werden die Kinder dann unter anderem lernen, welche Bedeutung der Datenschutz im Internet hat, wie sie sich gegen unerwünschte Belästigungen schützen können oder wo sich illegale und zwielichtige Inhalte melden lassen.

Auch hierzulande wird die Einführung eines solchen Schulfaches durch Experten immer wieder gefordert. Entsprechende Anknüpfungspunkte und Initiativen gibt es zur Genüge: So bieten etwa die Websites Medienkompetenz NRW und klicksafe.de zahlreiche Informationen zum Thema. Für eine erste Heranführung kleinerer Kinder an das Internet empfiehlt sich die Seite internet-abc.

(Christian Wolf)

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