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Gaming-Visionen: "Aireal" lässt die Haut kribbeln

Wer braucht schon die Wirklichkeit, wenn er in eine heile Welt entfliehen kann? Die Spiele von morgen könnten das möglich machen. Denn nach Auge und Ohr rückt nun auch das größte Sinnesorgan in den Hersteller-Fokus: Die Haut. Disney Research werkelt am Simulator "Aireal", der offenbar eine Berührung simulieren kann, als wäre sie Wirklichkeit.

20.08.2013, 10:57 Uhr
Browser© Diego Cervo / Fotolia.com

Spiele beherrschen unseren Alltag. Während Monopoly und Co nur noch selten ausgepackt werden, erfreuen sich Computer-Games wachsender Beliebtheit. Die Spiele-Industrie reibt sich trotz einer leichten Flaute im ersten Halbjahr die Hände mit Blick auf die Umsatzkurve. Und die Spielemesse Gamescom verzeichnet in diesem Jahr erneut einen Ausstellerrekord.

Luftwirbel "explodieren" auf dem Spieler

Aber auf den Lorbeerblättern können sich die Hersteller nicht ausruhen: Die Konkurrenz ist groß und schläft nicht. Und so sind immer neue Gimmicks gefragt. Je realer der Eindruck eines Spieles, desto höher der Spaßfaktor und desto sicherer die Umsätze, so die Faustregel.

So hat das Unternehmen Virtuix kürzlich eine Art Laufband in Form einer runden Plattform entwickelt, auf der Spieler die virtuellen Welten durchstreifen können als gingen sie im Wald spazieren. Omnia soll in Kürze in Produktion gehen. Die Virtual-Reality-Brille Oculus Rift besticht nach Angaben des Herstellers Oculus VR mit einem großen Sichtfeld und schnellen Bewegungssensoren. Sie soll 2014 auf den Markt kommen und die Spielewelt bereichern, berichtet derstandard.at.

Ein eindrucksvolles Zubehör hat die Forschungsabteilung der Walt Disney Company im Köcher: Der US-Konzern will mit dem Berührungs-Simulator Aireal punkten. Gemeint sind Mini-Pumpen, die stabile ringförmige Luftwirbel erzeugen können. Sie werden auf den Spieler "geschossen" und kollabieren anschließend auf der Haut, wo sie einen Berührungseindruck hinterlassen.



Kein zusätzliches Gerät belastet die Hände, kein Sonsor ist erforderlich, so Disney Research. Und kostengünstig ist das Simulationssystem möglicherweise auch: Das Zubehör der "Pumpen" wird einfach im günstigen 3D-Druckverfahren hergestellt.

Die Idee: Die Spieler nehmen körperliche Eindrücke wahr, als seien sie real, ohne wirklich berührt zu werden. Sie können beispielsweise das Material bestimmter Oberflächen sprüren, das Flattern eines Schmetterlings oder das von Vogelflügeln. Die Berührung eines Fußballs könnte ebenfalls simuliert werden, so das Forscherteam – und eventuell auch Gewehrsalven für Kampfspiele. Der Prototyp des Simulators liefert offenbar Ergebnisse, die die Phantasie anregen, so das Technik-Blog "Endgadget", das Aireal getestet hat.

Damit wären die Türen in eine neue Erlebniswelt geöffnet: Werden die Geräte wie eine Surround-Sound-Anlage installiert, könnten sie den Körper des Spielers von allen Seiten ins Visier nehmen und ihm eine Rundum-Wahrnehmung analog zur "echten Welt" bescheren, so Disney Research.

Paradies 2.0: Vielleicht können wir uns schon bald in unserer Freizeit ganz der Wirklichkeit entziehen, indem wir unsere Türen schließen und in eine Spiele-Matrix eintauchen, die außer menschlichen Emotionen keine Wünsche offen lässt. Schöne neue Gaming-Welt – vorausgesetzt, das Disney-Projekt erlangt Marktreife.

(Dorothee Monreal)

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