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Gamescom Start: Singen, ballern und hüpfen für alle

Am Mittwoch öffnete die Gamescom in Köln ihre Tore. Neben Action und Sport stehen Musik- und bewegungsspiele im Mittelpunkt. Außerdem sollen neue Zielgruppen erschlossen werden.

19.08.2009, 17:39 Uhr (Quelle: DPA)
Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com

Singen, ballern, hüpfen: Die größte europäische Computerspielemesse Gamescom hat am Mittwoch erstmals in Köln ihre Tore geöffnet. Neben Action, Sport und Autorennen für eingefleischte Fans stehen Musik- und Bewegungsspiele für Gelegenheitsspieler im Mittelpunkt. Zusätzlich zu den rund 150 Premieren gibt es auch Neuerungen bei der Hardware: So stellte der japanische Elektronikkonzern Sony eine kleinere und günstigere Version seiner Playstation 3 vor. Bis Sonntag zeigen rund 450 Aussteller aus 30 Ländern Trends, mehr als 200.000 Besucher werden erwartet.
Neue Zielgruppen
Die Computerspiele-Branche übt den Spagat: Auf der Gamescom gibt sich die lange umstrittene Industrie einerseits so familienkompatibel wie nie - andererseits präsentiert sie einen Schwung neuer Titel mit viel Action und Geballer, die eher Fans als Pädagogen und Eltern erfreuen dürften. Für die Kernzielgruppe dürften Ego-Shooter wie "Call of Duty: Modern Warfare 2", Autorennen wie "Need for Speed: Shift" oder Prügelspiele wie "Tekken 6" im Mittelpunkt stehen. Das reicht der Branche aber nicht aus. "Wir wollen vor allem für neue Zielgruppen attraktiver werden", sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU), Olaf Wolters.
Die Industrie lasse sich inzwischen einiges einfallen, damit elektronische Spiele zum "Erlebnis für alle" werden. Durch neue Steuergeräte sei ein immer intuitiveres Spielen möglich, beispielsweise indem hochauflösende Kameras die Bewegungen des Spielers umsetzen. Musikspiele kommen mit neuen Liedern daher, die auch ältere Menschen ansprechen.
Jugenschutz im Mittelpunkt
Ein bisschen kleiner wird es von September an bei Sony: Die abgespeckte PS3 "Slim" werde dann für 300 Euro auf den Markt kommen, 100 Euro billiger als bislang, kündigte das Unternehmen an. Das Gerät erhält eine 120-Gigabyte-Festplatte. Zudem würden die Konsolen verstärkt mit Multimedia-Funktionen ausgerüstet.
Neben Spielen und technischen Neuheiten stellen die Veranstalter den Jugendschutz in den Mittelpunkt. Rund 40 Vereine und Institutionen geben an ihren Ständen Tipps für den richtigen Umgang mit digitalen Medien. Farbige Armbänder erlauben den Besuchern nur den Zutritt zu Spielen für ihre Altersgruppe. Der Deutsche Kinderschutzbund will künftig bundesweit Kurse anbieten, in denen Eltern und Erzieher den richtigen Umgang mit Computerspielen, Internet und anderen Medien lernen. "Kinder und Jugendliche beherrschen die Medien technisch perfekt. Aber was sie nicht können, ist, mit der Masse der Inhalte und den Informationen umzugehen", sagte der Vorsitzende des Kinderschutzbundes Bayern, Ekkehard Mutschler. "Dafür brauchen sie die Unterstützung der Erwachsenen."
Nicht-Spieler erreichen
Ein Gang durch die Hallen zeigt: Ohne Ego-Shooter und Renn-Action kommt die Computerspiele-Industrie nicht aus. Schwertschwingende Rollenspiel-Helden und wild ballernde Monsterjäger sind nicht aus der Mode. "Entscheidung und Konsequenzen" waren bei Microsofts Entwickler Peter Molyneux die Schlagworte, um die neue Tiefe des Rollenspiels "Fable III" zu beschreiben. Ein Programmierer von Electronic Arts bezeichnete dagegen eine neue Figur als "unvernünftig gewalttätig" - und meinte es als Lob.
Der Branchenverband BIU will mit seiner neuen Internet-Plattform www.spielen-verbindet.de auch Nicht-Spieler erreichen. Drei Viertel der Deutschen machten bislang kaum oder nie Computerspiele. Auf der Plattform wollten Industrie, Verbände und andere Einrichtungen über Geschichte, Genres und Spielverhalten informieren.
Bisherige Spiel-Abstinenzler sollen mit neuen intuitiven Steuergeräten vor die Bildschirme gelockt werden. Activision lässt Spieler für die Sportsimulation "Tony Hawk: Ride" ein Plastik-Skateboard einstöpseln, während EA ein Fitness-Programm mit einem Gummiband vermarktet, das vom Training der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bekannt ist. Auch ein ganzer Schwung von Plastikinstrumenten für die populären Musikspiele soll den Umsatz ankurbeln.
Keine großen Innovationen
Trotz immer besserer Grafik, trotz immer komplexerer Spiele - große Innovationen stehen in diesem Jahr nicht ins Haus. Auf der Konferenz der Spieleentwickler (Games Developers Conference/GDC) werfen Experten aber einen Blick in die Zukunft. Ein Trend: Immer mehr Spiele sollen über Server im Internet laufen - selbst aufwendige Action-Kracher. Der Spieler, so die Vision einiger Entwickler, hat dann nur noch ein kleines Gerät im Wohnzimmer stehen.
Von Donnerstag an ist die Gamescom für jedermann geöffnet. An etwa 10.000 Spielstationen auf dem Messegelände können die Besucher nach Herzenslust daddeln. Die Veranstaltung wird von einem Festival mit Musikbands und Showbühnen in der Innenstadt begleitet.

(Michael Posdziech)

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