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"Game Over": Schweiz jagt private Raubkopierer

Nachdem bisher nur professionelle Raubkopierer verfolgt wurden, sollen jetzt auch private Filesharer zivil- und strafrechtlich verfolgt werden.

16.11.2005, 16:01 Uhr
Internet© Daniel Fleck / Fotolia.com

"Hart aber gerecht - Raubkopierer sind Verbrecher", mit dieser Kampagne macht die "Zukunft Kino Marketing" aus Düsseldorf hierzulande bereits seit mehreren Monaten auf die illegale Verbreitung von Raubkopien aufmerksam. In ein ähnliches Horn bläst jetzt auch der Verband der Schweizer Musikwirtschaft (IFPI) und will unter dem Slogan "Game Over" ab sofort auch private Raubkopierer verfolgen.
Private Nutzer im Visier
Der Verband gab in Zürich bekannt, dass künftig vermehrt auch private Internetsurfer zivilrechtlich und in besonders schweren Fällen auch strafrechtlich belangt werden sollen, wenn sie ohne Zustimmung des Rechteinhabers Musik über das Internet verbreiten. Es habe sich gezeigt, dass der durch private Raubkopierer entstandene wirtschaftliche Schaden in der Schweiz größer sei als in anderen europäischen Ländern.
Bisher habe man sich auf die professionellen und semiprofessionellen Raubkopierer konzentriert, das soll jetzt aber anders werden. "1.500 Fälle wurden verfolgt, 1.200 davon konnten bereits abgewickelt werden. Das Segment der professionellen und semiprofessionellen Raubkopierer existiert in der Schweiz de facto nicht mehr", meint Beat Högger von der IFPI Schweiz.
Game Over – Wenn Hinweise nicht ausreichen
Die Aktion "Game Over" richtet sich in der Startphase gegen Raubkopierer, die viele Musikdateien im Internet anbieten. Die Aktion wurde gestern gestartet und folge auf eine umfangreiche Informations- und Aufklärungs-Kampagne, in der die Bedeutung des Schutzes geistigen Eigentums und auf die möglichen Folgen einer Urheberrechtsverletzung hingewiesen worden sei, so die IFPI. Unter anderen seien an Raubkopierer auch Instant Messages verschickt worden, in denen auf die Illegalität es Filesharings hingewiesen wurde.
Um diejenigen Nutzer des Internet ermitteln zu können, die illegal Musikdateien austauschen, wollen die Projekt-Verantwortlichen auf die Rückverfolgung der IP-Adresse setzen. Jeder Nutzer hinterlässt in den Tauschbörsen eine bei der Einwahl in das Internet zugewiesene IP-Adresse. Anhand dieser Adresse kann der Provider identifiziert werden, über dessen Netz die Dateien getauscht wurden und der wiederum kann zurückverfolgen, welcher Nutzer zu welcher Zeit mit welcher IP-Adresse online war. Nicht nur große Peer2Peer-Netzwerke sollen durchforstet werden, sondern auch lokale Netzwerke.
Aufklärungsarbeit wird fortgesetzt
Zusätzlich zu den harten Maßnahmen gegen Raubkopierer soll auch die Aufklärungsarbeit verstärkt werden. "In unserer Gesellschaft wird die wirtschaftliche Bedeutung von Kreativleistungen und der Wert geistigen Eigentums unterschätzt. Wir wollen mit Informationsarbeit das Bewusstsein dafür verstärken, damit die weltweit boomende Kreativwirtschaft auch in der Schweiz weiterhin wachsen kann", so Högger.

(Hayo Lücke)

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