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Galileo: Überfälliges Euro-GPS wird erneut teurer

Die europäische Satellitennavigationslösung Galileo wird nach Informationen des "Handelsblatt" erneut teurer. Kritiker bezweifeln zunehmend die Wirtschaftlichkeit des Projekts.

15.05.2010, 13:01 Uhr
Browser© Diego Cervo / Fotolia.com

Während die Nordamerikaner bereits in Kürze die nächste Generation ihres Satellitenpositionssystem GPS ins All befördern, müht sich Europa weiterhin mit dem Start der Eigenentwicklung Galileo ab. Derzeit wird 2014 für eine Inbetriebnahme anvisiert, nachdem bereits entsprechende Ankündigungen für 2010 und 2013 nicht eingehalten werden konnten. Doch nicht nur Terminprobleme plagen das Projekt, auch die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens wird zunehmend zweifelhafter. Laut "Handelsblatt" hat die Bundesregierung nun offiziell bestätigt, dass der zugrunde liegende Kostenplan wiederholt überarbeitet werden muss. Wie viel teurer Galileo letztendlich wird, steht allerdings noch in den Sternen.

Neuer Finanzierungsplan bis Mitte des Jahres

Bislang hatte die EU-Kommission für Entwicklung und Inbetriebnahme bis 2013 rund 5,2 Milliarden (Mrd.) Euro vorgesehen, wovon Deutschland 830 Millionen (Mio.) Euro tragen sollte. Bis Mitte des Jahres wolle die EU-Kommission nun ein neues Finanzierungskonzept vorlegen, berichtet die Zeitung. Die Grünen hingegen forderten demnach sofortige Klarheit. "Galileo darf nicht zum Rohrkrepierer für den Wirtschaftsstandort Deutschland werden", wird die wirtschaftspolitische Sprecherin Kerstin Andreae zitiert.

Die Bundesregierung hält unterdessen weiter an dem Vorhaben fest. "Mit Galileo sichert Europa seine Unabhängigkeit in einer weltweit hochtechnologisierten Branche. Wir messen dem Projekt hohe Priorität bei und werden die gute Zusammenarbeit mit der Kommission fortsetzen", sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer bereits im März bei einem Treffen mit dem italienischen EU-Kommissar für Industriepolitik, Antonio Tajani. In der Tat profitiert derzeit hauptsächlich die deutsche Wirtschaft. So wurde im Januar der erste Auftrag zum Bau von 14 der bis zu 32 benötigten Galileo-Satelliten mit einem Volumen von mehr als einer halben Milliarde Euro an das Bremer Unternehmen OHB System AG vergeben. Die zweite Auftragswelle soll entweder erneut an OHB oder den Münchener Rüstungskonzern EADS gehen.

Weiter Streit um die Wirtschaftlichkeit von Galileo

Darüber hinaus werde das laufende Geschäft mit den Positionsdaten ein Vielfaches der Kosten einspielen, so Verkehrsstaatssekretär Andreas Scheurer (CSU) gegenüber dem "Handelsblatt". Laut aktueller Prognosen der EU-Kommission beträgt das weltweite Marktpotenzial mit Geräten und Diensten bis 2025 rund 236 Mrd. Euro. Zahlreiche Kritiker äußern jedoch erhebliche Zweifel an der Wirtschaftlichkeit einer europäischen Satellitennavigation. Die Grünen etwa befürchten, dass bereits die kommende GPS-Generation das Galileo-System technisch abhängen könnte.

Zudem gilt die geplante Vermarktung von Galileo-Diensten seit längerem als Unsicherheitsfaktor, da GPS bei ziviler Nutzung vergleichbare Leistungen kostenfrei bietet. Das Bundesverkehrministerium (BMVBS) verweist hingegen auf die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie. So sei GPS derzeit zwar kostenfrei, werde aber gezielt zu Wettbewerbszwecken zugunsten der US-Industrie eingesetzt. Diese habe maßgebliche Vorteile bei der Entwicklung und Vermarktung von Endgeräten. "Daher ist ein europäisches unabhängiges System unerlässlich, um der deutschen und europäischen Industrie einen eigenständigen Zugang zum Kern dieser Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts zu eröffnen", so das BMVBS.

(Christian Wolf)

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