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Furiose Aufholjagd von o2

Binnen eines Jahres ist der Kundenvorsprung von E-Plus auf den schärfsten Wettbewerber von 2,11 Millionen auf 0,97 Millionen Kunden in den Keller gesackt.

07.02.2006, 10:43 Uhr
o2© Telefónica

Als letzter der vier deutschen Netzbetreiber hat jetzt auch E-Plus die Quartalszahlen für die letzten drei Monate des vergangenen Jahres vorgelegt. Der Trend der vergangenen Quartale, in denen E-Plus in Sachen Neukunden fast durchweg hinter den drei Konkurrenten T-Mobile, Vodafone und o2 hinterher hinkte, hat sich auch im vierten Quartal fortgesetzt.
Wie E-Plus heute bekannt gab, konnten zwischen Oktober und Dezember 2005 insgesamt 624.000 neue Kunden an das E-Plus-Netz angeschlossen werden. Das ist sicher nicht schlecht, verglichen mit den drei Wettbewerbern aber doch eher enttäuschend. Zum Vergleich: T-Mobile brachte es auf 810.000 neue Kunden, Vodafone sogar auf 906.000. Und auch Hauptkonkurrent o2 konnte den Rückstand erneut deutlich verkürzen: 823.000 neue Kunden entschieden sich für o2, wodurch der Gesamtkundenbestand bei den Münchenern auf 9,77 Millionen anstieg. Im E-Plus-Netz telefonierten Ende 2005 10,74 Millionen Kunden.
o2 holt massiv auf
Damit hat sich der Vorsprung gemessen am Gesamtkundenbestand, den E-Plus gegenüber o2 zu halten versucht, binnen eines Jahres von 2,11 Millionen auf 970.000 verringert und damit mehr als halbiert. Setzt sich dieser Trend weiter in der Geschwindigkeit der vergangenen Quartale fort, droht E-Plus noch in diesem Jahr zum kleinsten deutschen Mobilfunkanbieter zu werden. Und die Chancen für o2 stehen alles andere als schlecht, da die Mobilfunk/Festnetz-Kombination Genion insbesondere bei Jugendlichen hoch im Kurs steht, während E-Plus weiter der schlechte Ruf vorauseilt, ein eher schlecht ausgebautes Netz zu haben.
Diese Entwicklung wird in der Chefetage von E-Plus für wenig Freude sorgen. Die Hoffnungen liegen nun auf dem neuen E-Plus-Chef Michael Krammer, der derzeit zwar noch den österreichischen Mobilfunker Tele.ring führt, aber schon bald zu E-Plus wechseln soll. Er hat es in Österreich geschafft, Tele.ring zu einem etablierten Anbieter zu formen, der insbesondere durch attraktive Angebote auffiel. Es bleibt abzuwarten, ob er Ähnliches auch in Deutschland mit E-Plus vollbringen kann.
Viele neue Vertragskunden
Doch E-Plus sieht gemessen an den Quartalszahlen auch Grund zum Feiern: so habe man im zweiten Halbjahr 2005 das größte Wachstum bei Vertragskunden verzeichnen können. Der Anteil der Vertragskunden betrug Ende 2005 nach eigenen Angaben 52 Prozent. Von den 624.000 Neukunden im vierten Quartal waren allein 316.000 Kunden, die einen Laufzeitvertrag abgeschlossen haben. Über Mobilfunk-Discounter, die auf das E-Plus-Netz setzen (zum Beispiel simyo, blau.de oder Aldi Talk), will E-Plus bis zum Jahresende über eine Millionen Kunden gewonnen haben.

(Hayo Lücke)

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