News

Fulminante zweite Runde im .eu-Kampf

Von neuen .eu-Domains versprechen sich die neuen Besitzer vor allem Geld und Macht - die zweite Etappe war daher nicht weniger heiss umkämpft als die erste.

17.02.2006, 14:24 Uhr
Internetnutzung© adam36 / Fotolia.com

Millisekunden entscheiden im Kampf um die richtige Domain. Und der Ansturm auf die ".eu" war auch in der zweiten "Sunrise" Phase, die am 7. Februar begann, erneut riesig. Kein Wunder, dass viele Interessenten auch auf kreative Methoden setzten.
Zweiter Sonnenaufgang
In den ersten 15 Minuten der zweiten Sunrise-Periode erhielt Registrar EURid 27.949 Anträge. Nach einer Stunde waren es bereits 71.235. Die gefragtesten Domains waren in der ersten Stunde von "Sunrise 2" sex.eu mit 23 Anträgen, schumacher.eu mit 15 Anträgen und realestate.eu mit 12 Anträgen. Auch business.eu schnitt mit 12 Anträgen nicht schlecht ab.
Die meisten Anträge kamen dabei aus Deutschland: 16.592 mal waren deutsche Antragsteller aktiv. 13.418 Anträge kamen aus den Niederlanden, die sich damit auf Platz 2 der Hitliste katapultierten. Aus dem Vereinigten Königreich kamen immerhin noch 5.248 Anträge, was für Platz 3 ausreichte. Zur Stunde wurden bei der EURid insgesamt 275.753 Anträge für 201.912 Domains gestellt.
Nur wenige kommen ans Ziel
Viele Antragsteller werden auch diesmal auf der Strecke bleiben und ihre Wunschdomain nicht erhalten. Das führt im Kampf um .eu immer wieder zu kreativen Ideen. So bietet beispielsweise die Firma WebWide für 399 Euro den sogenannten ".EU Premium Service" an. Der soll sicherstellen, dass der gewünschte Domainname unter den ersten 25 Domainanträgen eines Registrars eingereicht wird. Die Chancen auf Zuteilung sollen sich dadurch um ein Vielfaches erhöhen, verspricht der Dienstleister aus Durmersheim. Die Gebühr wird laut WebWide im Falle der Nichtzuteilung komplett zurückerstattet, so dass für den Kunden keinerlei Risiko bestehen soll.
Gegen die Art und Weise der Domainvergabe protestiert die Aktion eudomaindesaster.org. Dahinter verbergen sich domainforum.info, ein Forum mit nach eigenen Angaben über 1600 Mitgliedern, die sich angeblich mehrheitlich für diese Aktion ausgesprochen haben, sowie der Hosting- und Domainsponsor nicit GmbH aus Freiburg. Nach Meinung des Teams von eudomaindesaster.org bevorzuge die Domainvergabe die Inhaber von kurzfristig gesicherten Markenrechten. Unter den gefragtesten Domains fände man vor allem generische Begriffe, auf die Anspruch aufgrund von kurzfristigen Markeneintragungen erhoben werde. Ungefähr 15 Firmen und Personen hätten sich die 500 wichtigsten generischen Begriffe gesichert und würden damit einen fairen Wettbewerb aufgrund von gezielter Inanspruchnahme von Markenrechten unmöglich machen.
Wir sind dagegen!
Da zugesprochene Domainnamen einer 40tägigen Widerspruchsfrist unterliegen würden, könne laut eudomaindesaster.org noch gehandelt werden. Der Haken dabei sind die 1990 Euro Widerspruchsgebühren pro Domain. Doch auch per Unterschriftenliste könne man aktiv werden: zurzeit haben 264 Menschen von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht - gut zehnmal soviele Aufrufe erhielt die Unterschriftenliste allerdings insgesamt.
Die Initiative fordert eine bevorzugte Vergabe von Domainnamen ausschliesslich an Inhaber älterer Rechte aus der Zeit vor dem .eu-Prozedere, um so der Ausnutzung von kurzfristig angemeldeten Markenrechten zuvor zu kommen. Beliebte generische Begriffe sollten ausgelost oder zugunsten gemeinnütziger Projekte versteigert werden. Ob die Initiative mit ihrem Begehren Erfolg hat, bleibt abzuwarten.
Ungewolltes Kind?
Martin Selmayr, der Sprecher Informationsgesellschaft und Medien der Europäischen Kommission, will der Behauptung der Aktivisten, die Vergabe der Adressen finde "vom Europäischen Parlament eigentlich ungewollt" statt, nicht folgen. Das Europäische Parlament wie auch alle EU-Mitgliedsstaaten hätten "für ein Höchstmass an Rechtssicherheit, Gerechtigkeit und Effizienz gesorgt". Im Einklang mit dem EG-Vertrag seien die Regeln zu .eu selbst geschaffen und der Weg hin zu .eu federführend mit gestaltet worden, so Selmayr.
EURid wollte die Aktion nicht kommentieren.

(Stephan Humer)

Kommentieren Forum

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Zum Seitenanfang