News

FTTH-Europa-Ranking: Russland pusht Glasfaserausbau, Deutschland hinkt hinterher

Russland konnte im zweiten Halbjahr 2,2 Millionen neue FTTH-Nutzer hinzugewinnen, insgesamt kommen zehn Länder auf eine FTTH-Penetration von mehr als 10 Prozent. Deutschland schaffte es allerdings wieder nicht in das Ranking des FTTH Council Europe.

DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Licht und Schatten beim Glasfaserausbau in Europa: Das aktuelle Ranking des FTTH Council Europe, das der Interessenverband unter der Woche in London präsentierte, zeigt eine stetig wachsende Versorgung mit Glasfaseranschlüssen bis in die Wohnungen. Insbesondere Russland überraschte, während Deutschland und Großbritannien erneut enttäuschten. Der FTTH Council Europe ist eine Unternehmensorganisation mit mehr als 150 Mitgliedern, die sich das Ziel gesetzt hat, die Verfügbarkeit glasfaserbasierender High-Speed-Zugänge für Firmen und Privatkunden voranzutreiben.

Russland überflügelt EU beim FTTH-Ausbau

In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres verzeichnete Russland 2,2 Millionen neue Nutzer von Fibre to the Home (FTTH), ein Plus von 42 Prozent. Das ist mehr als in allen 27 EU-Staaten zusammen. Insgesamt kommt das Riesenreich östlich von Europa damit auf 7,5 Millionen mit Glasfaser erschlossene Haushalte.

Das FTTH-Wachstum innerhalb der 27 EU-Staaten lag im zweiten Halbjahr 2012 bei 15 Prozent. Die Zahl der Abonnenten von Glasfaseranschlüssen stieg hier um insgesamt 820.000 auf 6,24 Millionen. Skandinavien, die baltischen Ländern sowie die Niederlande steuerten 26 Prozent der neuen Nutzer bei. Die osteuropäischen Länder trugen mit 33 Prozent, Frankreich und Polen mit 30 Prozent zu dem Wachstum bei.

Zehn Länder kommen auf FTTH-Penetration von mindestens 10 Prozent

Als besonders dynamisch erwies sich die Entwicklung der FTTH-Nutzer Ende 2012 in der Türkei, der Ukraine, Spanien, Bulgarien und Russland. Im vergangenen Jahr kletterte die Zahl der neuen Glasfaser-Nutzer beispielsweise in der Türkei um mehr als das Doppelte. Spanien, erst seit Juni 2012 im Ranking erfasst, konnte ebenfalls weiter zulegen. An der Spitze des FTTH-Vergleichs bleibt weiterhin Litauen. Das baltische Land verfügt bereits über eine hundertprozentige FTTH-Abdeckung, über 31 Prozent der Haushalte sind bereits aktiv per FTTH/FTTB an das Glasfasernetz angeschlossen. Auf Rang 2 folgt Schweden mit 22,6 Prozent Glasfaserhaushalten. Bereits zehn der Länder im Ranking haben eine FTTH-Penetration von mehr als 10 Prozent erreicht, im Juni 2012 waren es dagegen erst sieben Staaten. Zu diesen Top-10 gehören neben Litauen und Schweden auch Bulgarien, Lettland, Norwegen, Russland, die Slowakische Republik, Slowenien, Dänemark und Portugal.

Deutschland und Großbritannien erneut nicht von Ranking erfasst

Laut Karin Ahl, Präsidentin des FTTH Council Europe, vergrößere sich die Kluft zwischen den Ländern, die beim Glasfaserausbau vorangehen und den Ländern, die eher zögerlich ausbauen. Verzögerungen beim FTTH-Ausbau bedeuteten aber verlorene Chancen, um sich auch wirtschaftlich fit für die Zukunft zu machen. Gerade viele der großen westlichen Ökonomien zeigten sich beim Glasfaserausbau eher verhalten. Während Italien und Spanien immerhin wenigstens am Ende des FTTH-Rankings zu finden sind, wurden Deutschland und Großbritannien erneut nicht in den Vergleich aufgenommen. In Großbritannien liegt die Anzahl der mit Glasfaser verbundenen Haushalte bei unter 0,1 Prozent.

Voraussetzung für die Aufnahme eines Landes in die zweimal im Jahre aktualisierte Ranking-Liste "FTTH Market Panorma" sind mehr als 1 Prozent mit Glasfaser verbundene Haushalte sowie eine Mindestzahl von 200.000 solcher Haushalte. Anfang Dezember des vergangenen Jahres meldete der Glasfaserverband BUGLAS über eine Million Glasfaseranschlüsse in Deutschland. Ende 2012 seien fast 250.000 Haushalte von BUGLAS-Mitgliedsunternehmen, darunter M-net und NetCologne, mit schnellen Internetanschlüssen per Glasfaser versorgt worden. Beim nächsten FTTH-Ranking im Sommer dieses Jahres könnte Deutschland damit vielleicht die Aufnahme in die Liste gelingen, wenngleich es wohl nur für einen hinteren Platz reichen wird.

(Jörg Schamberg)

Lesen Sie alles Wichtige von onlinekosten.de - auf Wunsch per WhatsApp direkt auf dem Handy. Whatsapp-Newsletter Wöchentlichen Newsletter
Kommentieren Forum
Zum Seitenanfang
NewsletterPopup