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"FTD": Störfeuer der Post verzögert "De-Mail"-Start

Im kommenden Jahr sollte die sichere elektronische Post an den Start gehen. Das zur Umsetzung notwendige "Bürgerportal"-Gesetz wurde aber auch durch Intervention der Post noch nicht verabschiedet.

25.09.2009, 12:31 Uhr
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E-Mails mit vertraulichen Daten sicher über das Internet verschicken: Das soll die vom Bundesinnenmisterium entworfene De-Mail ermöglichen. Nachdem das Bundeskabinett im Februar den Entwurf für ein "Bürgerportal"-Gesetz verabschiedet hatte, sollte der Start der De-Mail bereits im nächsten Jahr erfolgen. Doch offenbar bremst der ehemalige Monopolist Deutsche Post laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland" (FTD) hinter den Kulissen das Projekt erheblich ab, um sich selbst einen Startvorteil zu verschaffen.
De-Mail-Start erst 2011?
Lobbyisten der Post hätten in Berlin erfolgreiche Arbeit geleistet. Das "Bürgerportal"-Gesetz kann in dieser Legislaturperiode nicht mehr verabschiedet werden. Ein flächendeckender Start in ganz Deutschland wird somit erst 2011 wahrscheinlich. Post-Chef Frank Appel weist die Schuld für die Verzögerung von sich. "Wir sind zu einer Anhörung eingeladen worden und haben unsere Meinung dazu gesagt - wie andere Interessengruppen auch" erklärte ein Sprecher gegenüber der "FTD". Die elektronische Mail könnte zur ernsthaften Konkurrenz für die Post werden. Bei dem Bonner Konzern schrillen daher die Alarmglocken, denn ein Viertel des Gesamtumsatzes von rund 54 Milliarden Euro erwirtschaftet die Post im Briefmarkt.
Deutsche Post arbeitet an eigenem elektronischen Briefprojekt
Die Bonner arbeiten zudem an einem eigenen Post-Projekt für elektronische Briefe. Dies soll bereits in der ersten Jahreshälfte 2010 auf den Markt kommen. Ein Schelm wer Böses dabei denkt. Ursprünglich wollte die Post sich an "De-Mail" beteiligen, ist dann aber umgeschwenkt. Der Konzern kann ohne Verabschiedung des "Bürgerportal"-Gesetzes zunächst allerdings nur Basis-Produkte wie verschlüsselte E-Mail oder Standard-Einschreiben anbieten. Die komplette Palette an Dienstleistungen wie Einschreiben mit Rückschein oder Zustellurkunden sind elektronisch nur rechtsverbindlich, wenn das Gesetz in Kraft getreten ist. Dennoch lassen sich erste Kunden damit an den Konzern binden.
De-Mail-Pilotprojekt in Friedrichshafen
Die Akzeptanz der "De-Mail" wird im Oktober zunächst in einem Pilotprojekt in Friedrichshafen getestet. Hierbei arbeitet der Bund mit der Deutschen Telekom und dem Provider United Internet zusammen. Im Vordergrund des Tests stehen Dienste wie ein elektronischer Safe und die sichere Kommunikation mit Behörden. Über das Projekt Bürgerportale finden sich detaillierte Informationen auf den Internetseiten des IT-Beauftragten der Bundesregierung. Alle im Bundestag Parteien hätten sich laut "FTD" auf eine schnelle erneute Einbringung des "Bürgerportal"-Gesetzes verständigt. Dennoch halten Experten einen flächendeckenden Start noch im nächsten Jahr für eher unwahrscheinlich.

(Jörg Schamberg)

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  • Egal... Zuletzt kommentiert von ahbrv am 28.09.2009 um 11:31 Uhr
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