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"FTD": Deutsche Mobilfunker schmieden LTE-Allianz

Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" stehen die deutschen Mobilfunkunternehmen in Gesprächen über eine Zusammenarbeit beim Aufbau eines flächendeckenden LTE-Netzes. Motto: Kooperation statt Konkurrenz.

19.10.2010, 12:24 Uhr
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Konkurrenz belebt das Geschäft, lautet einer der Grundsätze des Wirtschaftswesens. Mitunter gibt es aber Situationen, in denen Kooperation einem beinharten Wettbewerb vorzuziehen ist. Ein solcher Fall ist der Breitbandausbau via Mobilfunk in bislang unterversorgten Gebieten, lautete doch eines der oft vorgetragenen Argumente der Anbieter, dort sei ein kostendeckender Betrieb unter normalen Marktbedingungen kaum möglich. Hohe Investitionskosten stünden schließlich einem marginalen Kundenvolumen gegenüber. In der Folge wurden profitable Ballungsregionen überversorgt, während der ländliche Raum bis zum heutigen Tag vielerorts auf Breitband verzichten muss. Mit der Neuvergabe ehemaliger Rundfunkfrequenzen für den Aufbau des schnellen LTE-Netzes, der sogenannten Digitalen Dividende, ist diese Taktik obsolet. Die Netzbetreiber sind zur Beseitigung der sogenannten weißen Flecken verpflichtet – und entdecken plötzlich die Vorteile einer Zusammenarbeit, berichtet die "Financial Times Deutschland" (FTD).

Einigung vor Jahresende erwartet

Noch sei aber nichts entschieden, sagte Telekom-Deutschlandchef Niek van Damme der "FTD". Allerdings rechne er noch vor Jahresende mit einer Übereinkunft. Entsprechende Gespräche mit allen Beteiligten hätten bereits stattgefunden: Neben der Telekom sind dabei die Provider Vodafone und o2 sowie das Bundeskartellamt und die Netzagentur vertreten. Derzeit diskutiert wird dem Blatt zufolge ein Kooperationsmodell, in dem die Anbieter ihre Ausbaustrategie vorlegen und mitteilen, in welchen Regionen sie einen LTE-Ausbau planen. Gebiete, die bislang ohne Breitbandanbindung auskommen müssen und noch von keinem der Unternehmen erschlossen sind, sollen dabei unter Aufsicht von Netzagentur und Kartellamt vergeben werden.

Die Telekom hat angekündigt, alle noch bestehenden Breitbandlücken im Laufe des Jahres 2012 mit LTE-Technik schließen zu wollen. Langfristig ist vorgesehen, LTE mit rund 20.000 Basisstationen auch flächendeckend anzubieten. Aktuell sind 500 Standorte mit der neuen Übertragungstechnik aufgebaut, im kommenden Jahr sollen weitere 1.000 hinzukommen. Bis 2015 werden dabei Übertragungsraten von 1 Gigabit pro Sekunde angepeilt.

Dauerhafte Umsatzsteigerungen ungewiss

Zur Markteinführung von LTE im April 2011 stehen voraussichtlich bis zu 42 Megabit pro Sekunde zur Verfügung. "Wir sehen eine zusätzliche Datennutzung von zehn bis 15 Prozent bei höherer Geschwindigkeit", sagte van Damme der "FTD". Ob dies jedoch auch zusätzliche Umsätze bedeute, vermochte der 49-Jährige nicht zu sagen, da die meisten Kunden erfahrungsgemäß das Flatrate-Modell präferierten.

Zusätzlichen Druck auf den Bonner Konzern erzeugt auch der Wegfall des iPhone-Monopols ab November. Der Verkauf des beliebten Apple-Smartphones war bisher einer der Wachstumstreiber im Mobilfunkgeschäft. Nun sollen überarbeitete Preisstrukturen und die neue Gerätegeneration mit dem jüngsten Microsoft-Mobilsystem Windows Phone 7 in die Presche springen. "Wir sind keineswegs in Panik, sondern mit unseren neuen Tarifen und Geräten wie den neuen Windows-Phones gut aufgestellt", betonte der Telekom-Spitzenmanager.

(Christian Wolf)

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