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"FTD": Auch T-Mobile USA vernichtet Milliarden

Nach T-Mobile UK steht auch T-Mobile USA in der Kritik. Die amerikanische Tochter verschlinge Investitionen in Milliardenhöhe und mindere massiv den Gesamtwert des Telekom-Konzerns, so ein Bericht der "FTD".

06.07.2009, 13:00 Uhr
Handy Telefonat© Yuri Arcurs / Fotolia.com

Nach der Expansionsstrategie der letzten Jahre wird bei der Deutschen Telekom weiter nachgerechnet. Ergebnis: Noch immer entwickeln sich nicht alle Auslandstöchter nach den Vorstellungen der Bonner Konzernspitze. Nach T-Mobile UK steht nun auch T-Mobile USA auf dem Prüfstand, berichtet die "Financial Times Deutschland" (FTD).
Weitere Investitionen nötig
Zwar ist die US-amerikanische Mobilfunktochter weiterhin die wichtigste Auslandsbeteiligung der Telekom, jedoch sind auch hier fortgesetzt Aufwendungen in Milliardenhöhe notwendig. Aus Konzernkreisen wurde verlautbart, dass T-Mobile USA zukünftig stärker in den Fokus der Geschäftspolitik rücken müsse, so die "FTD". Die US-Tochter sei immer noch weit davon entfernt, die bisher getätigten Investitionen wieder einzuspielen. Bereits vor drei Jahren seien sowohl T-Mobile UK als auch T-Mobile USA als mittelfristig größte Wertvernichter im Konzern identifiziert worden. Bislang wären sichtbare strategische Konsequenzen allerdings weitgehend ausgeblieben, schreibt die "FTD" weiter.
Viele Auslandsbeteiligungen mit Wertverlusten
Laut "FTD" sind es nicht die Geschäftszahlen von T-Mobile USA, die den Bonnern um René Obermann primär Sorge bereiteten. So trug der nordamerikanische Ableger mit seinen 33,2 Millionen Handykunden im ersten Quartal 2009 rund 26 Prozent zum Gesamtumsatz der Telekom bei - etwa doppelt so viel wie T-Mobile Deutschland. Allerdings gab es bereits unter Obermanns Vorgänger Kai-Uwe Ricke verstärkt Zweifel an der Wertentwicklung von T-Mobile USA. Dies geht aus einem Vorstandspapier von 2006 hervor, das der "FTD" vorliegt.
Demnach tragen neben der deutschen Festnetz- und Mobilfunksparte lediglich die Handytöchter in Tschechien, Ungarn und Kroatien in kleinerem Maße positiv zum Konzern-Gesamtwert der Telekom bei. Insbesondere die Unternehmen in Großbritannien und den USA seien hingegen Kapitalvernichter, so bereits die Analyse der Bilanzzahlen von 2005. Bis Ende 2007 ging das Papier von einem massiven Wertverlust für den Gesamtkonzern aus - verursacht durch T-Mobile UK und T-Mobile USA. Laut Prognose des Papiers war für die britische Tochter innerhalb von drei Jahren ein Negativbetrag von 4,34 Milliarden (Mrd.) Euro zu erwarten, für ihre amerikanische Schwester schlugen sogar 5,32 Mrd. Euro negativ zu Buche.
"Geld wird massiv vernichtet"
Die hohen Minusbeträge beim sogenannten Geschäftswertbeitrag (Economic Value Added, EVA) zeigen an, dass die Unternehmensteile im Vergleich zu möglichen Zinserträgen auf dem freien Kapitalmarkt weniger Wertgewinn erwirtschaften. "Es war schon 2006 klar, dass diese beiden Beteiligungen massiv Geld vernichten", kommentierte ein Telekom-Insider die Zahlen gegenüber der "FTD". Die Telekom selbst verweist in ihrer offiziellen Stellungnahme allerdings auf die Langfristigkeit von Investitionen im Telekommunikationssektor. In den USA würden jährlich hohe Beträge in den Netzausbau fließen, so der Konzern. Daher sei eine Betrachtung über einen Zeitraum von drei Jahren nicht aussagekräftig.
Falsches Konzept, wenig Ideen
Nach Angaben der "FTD" bindet T-Mobile USA jedoch jedes Jahr weiterhin Milliardenbeträge - offenbar ohne absehbares Ende. So flossen allein von 2006 bis zum Ende des ersten Quartals 2009 rund 14 Mrd. Euro über den Atlantik. Schuld daran sei nach Angaben von Branchenkennern vor allem eine falsche Geschäftspolitik gegenüber den US-Marktführern AT&T und Verizon - bei weitem kein Einzelfall. Statt mit günstigen Sprachtarifen und neuen Marken bei den Kunden zu punkten, präsentiere sich die Telekom in vielen Auslandsmärkten gegenüber der Konkurrenz eher konzeptionslos, so die nüchterne Bilanz der Experten.

(Christian Wolf)

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