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"FT": Mercedes, Volvo und Ferrari binden iPhone und Apple-Software ein

Im Wettlauf der Smartphone-Schwergewichte um den Platz im vernetzten Auto kann Apple wohl seine ersten Partner präsentieren. Nach Informationen der "Financial Times" wollen Mercedes, Volvo und Ferrari die iPhones und Dienste des Konzerns eng einbinden.

01.03.2014, 12:31 Uhr (Quelle: DPA)
Apple© Apple

Apple macht laut einem Zeitungsbericht einen großen Schritt zur Integration seiner Geräte und Dienste im Auto. Als erste würden Mercedes-Benz, Volvo und Ferrari Apple-Software in ihre Fahrzeuge einbinden, schrieb die "Financial Times" am Samstag. Damit werde man Apples Karten zur Navigation nutzen können, Musik abspielen sowie den sprechenden persönlichen Assistenten Siri nutzen, hieß es unter Berufung auf informierte Personen. Siri könne zum Beispiel eine Textnachricht vorlesen und eine gesprochene Antwort aufnehmen.

Vorstellung auf dem Genfer Autosalon

Die Kooperation solle kommende Woche auf dem Genfer Autosalon vorgestellt werden, schrieb die "Financial Times". In diesem Jahr sollen demnach weitere Hersteller dazustoßen. Apple hatte die Pläne für eine vertiefte Einbindung seiner iPhones und Software in Autos im vergangenen Sommer unter dem Namen "iOS in the Car" präsentiert.

Die dominierende Smartphone-Plattform Android von Google ist ebenfalls auf dem Weg ins Auto. Der Internet-Konzern bildete dafür Anfang des Jahres eine Allianz mit Autoherstellern, der unter anderem Audi angehört. Bei der "Open Automotive Alliance" machen auch General Motors, Honda und Hyundai mit. Sie alle waren im vergangenen Jahr auch als Partner bei Apples iOS-Plänen genannt worden.

Mehrere Plattformen kämpfen um Platz im vernetzten Auto

Man kann schon länger in vielen Fahrzeugen seine Smartphones anschließen, um Musik zu hören oder zu telefonieren. In den neuen Projekten geht es allerdings um eine tiefere Integration, bei der Apps von den mobilen Geräten die Bildschirme der Unterhaltungsanlagen übernehmen. Das hat für die Nutzer neben der gewohnten Bedienung den Vorteil, dass sie nicht auf ihre gespeicherten Daten und Einstellungen verzichten müssen.

Um den Platz im vernetzten Auto kämpfen mehrere Plattformen. In vielen Fahrzeugen laufen die Infotainment-Anlagen derzeit mit der QNX-Software, der inzwischen zu Blackberry gehört. Microsoft arbeitet mit Ford am System Sync zusammen. Nokia bietet den Herstellern eine eigenes Plattform mit dem Kartendienst HERE an.

Bosch setzt große Hoffnungen in das vernetzte Auto. "Diese Services sehe ich als Milliardengeschäft in den nächsten sechs bis acht Jahren", sagte der für die Kraftfahrzeugtechnik zuständige Geschäftsführer, Wolf-Henning Scheider der Nachrichtenagentur dpa. Der Technikkonzern arbeitet nicht nur am automatischen Notruf, der in der 2015 in der EU zur Pflicht wird, sondern auch an Projekten wie etwa Bezahlfunktionen von Ladestationen für E-Fahrzeuge. Scheider sieht darin ein ganzes Geschäftsfeld für den Technikkonzern.

Entwicklung selbstfahrender Fahrzeuge

Die Autobranche arbeitet auch an der Entwicklung selbstfahrender Fahrzeuge. Parkassistenten oder Bremshilfen bei geringen Geschwindigkeiten sind bereits Realität. "Mit Fahrerassistenz wollen wir 2016 mehr als eine Milliarde Euro Umsatz machen", sagte Scheider.

Vollautomatisiertes Fahren, wie bei einem Autopiloten, sieht Scheider erst in der Mitte des nächsten Jahrzehnts. "Bis 2018 kann das Auto auch bei höheren Geschwindigkeiten frei fahren, aber der Fahrer hat die Augen noch auf der Straße", sagte Scheider. Zunächst würden im Auto Daten aus dem Internet wie Wetter, Verkehr, aber auch Musik geladen. "In der zweiten Stufe wird das Auto Teil des Internets und wir nutzen das Auto als Sensor", sagt Scheider. Die elektronische Stabilitätskontrolle (ESP) erkennt beispielsweise eine glatte Straße und nachfolgende Fahrzeuge werden gewarnt.

Autohersteller öffnen sich für Kooperationen

Rechtliche Rahmenbedingungen, zum Beispiel Haftungsfragen, dürften sich in den kommenden sechs bis zehn Jahren lösen lassen, glaubt Scheider. Auch Probleme mit dem Datenschutz sieht er nicht: "Wir müssen dem Autokäufer Funktionen anbieten, so dass der Nutzen eindeutig größer ist als das Risiko, das er sieht", erklärt Scheider. Durch den automatischen, von einem Airbag ausgelösten Notruf könne die Rettungszeit beispielsweise auf dem Land halbiert werden. In der EU müssen ab 2015 Neuwagen mit automatischen Notrufsystemen ausgestattet werden, die bei einem Unfall Daten übermitteln.

Die Autohersteller setzten Anfangs stark auf eigene Angebote, öffneten sich aber später für Kooperationen. Ein großer Teil der Wertschöpfung in der Autoindustrie kommt inzwischen von Internet-Unternehmen, betont ein Branchenexperte. Zugleich wandeln sich die etablierten Hersteller selbst: So sei Ford inzwischen nicht mehr nur ein Autokonzern, sondern auch ein IT-Anbieter, betonte jüngst Europachef Stephen Odell. Symbolisch stellte er den neuen Ford Focus nicht in Genf, sonder wenige Tage zuvor auf der Mobilfunk-Messe Mobile World Congress in Barcelona vor.

(Jörg Schamberg)

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