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Frischer Wind auf französischem Mobilfunkmarkt

Die französische Internetfirma Iliad will eine neu ausgeschriebene Mobilfunklizenz erstehen und mit einer Billig-Strategie punkten. Den Marktführern ist der geplante Preis für die neue Lizenz zu niedrig.

13.07.2009, 12:57 Uhr
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Der Mobilfunkmarkt in Frankreich wird bislang von nur drei Anbietern beherrscht. Jetzt will die französische Regierung eine vierte Lizenz ausschreiben, um den Wettbewerb anzukurbeln. Das ruft nun die beiden Marktführer Orange und SFR auf den Plan, die gegen die Vergabemodalitäten vorgehen wollen.
Lizenz soll zu günstig sein
Wie die "Financial Times Deutschland" (FTD) berichtet, haben sowohl die France Telecom-Tochter Orange als auch das Vodafone/Vivendi-Unternehmen SFR juristische Schritte angekündigt. Man habe die Befürchtung, dass bei der Ausschreibung das Prinzip der Gleichberechtigung zwischen den Anbietern verletzt werde. Deshalb sei geplant, bei der EU-Kommission Beschwerde einzureichen. Die Lizenzvergabe sei eine unerlaubte staatliche Beihilfe für einen neuen Anbieter, also der Preis für die Lizenz zu niedrig.
Zusammen mit dem Provider Bouygues Telecom teilen sich die drei Unternehmen den französischen Markt untereinander auf. Ein neuer Netzbetreiber würde wieder Bewegung in den Markt bringen. Aufgrund der begrenzten Konkurrenz, lägen die Mobilfunkpreise der Verbraucherorganisation UFC Que Choisir zufolge auf einem deutlich höheren Niveau als in den Nachbarländer. Denn in den anderen großen Märkten in Europa haben sich vier oder fünf Anbieter etabliert und so für entsprechenden Wettbewerb gesorgt.
Internetfirma Ilied ist Favorit
Favorit für den freien Platz eines Netzbetreibers sei laut "FTD" die französische Internetfirma Iliad. Unter dem Markennamen Free hatte das Unternehmen im Herbst 2002 angefangen, ein neuartiges Empfangsgerät mit Fernsehempfang, Internetzugang und Festnetzanschluss im Paket für weniger als 30 Euro pro Monat anzubieten und so den Telekommunikationsmarkt aufgemischt. Das Angebot mit einer Flatrate für internationale und nationale Telefongespräche, Internet und über hundert TV-Kanäle machte den Newcomer zur Nummer zwei bei den Internetanschlüssen hinter France Telecom. Inzwischen bieten SFR und Orange ebenfalls Komplettpakete an, die allerdings auch einen Handytarif enthalten. Iliad fehlt da noch das Mobilfunknetz.
Als einziger Anbieter, der ebenfalls an der Lizenz interessiert sei, gelte Virgin Mobile, ein sogenannter virtueller Anbieter, der ohne eigenes Netz auf dem Markt aktiv ist. Die Mobilfunklizenz, die nur ein Drittel der Kapazitäten der bisherigen Netze beinhaltet, soll 240 Millionen Euro kosten. Zudem müsse mindestens eine Milliarde Euro in den Ausbau des neuen Netzes investiert werden. Wenn die Lizenz wie geplant im ersten Quartal 2010 vergeben wird, wäre das Netz erst 2011 nutzbar.

(Michael Posdziech)

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